Eisschnelllauf: Thüringer wollen DESG-Präsident Große abwählen

Machtkampf im Eisschnelllauf:Thüringer wollen DESG-Präsident Große abwählen

von Mona Trebing

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Eisschnelllauf-Showdown am Samstag: Thüringens Landesverband will die DESG-Spitze um den umstrittenen Präsidenten Matthias Große abwählen. Ein neues Führungsteam steht bereits.

Matthias Große

Seit Monaten gibt es Streit über eine Eisschnelllauf-Strukturreform. Am Wochenende könnte die außerordentliche Mitgliederversammlung über die Zukunft des DESG-Präsidiums entscheiden.

14.10.2026 | 1:47 min

Der Machtkampf um das Spitzenamt der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) geht in die nächste Runde. Nach dem Willen des Thüringer Eis- und Rollsportverbands (TERV) sind die Tage von Matthias Große an der Spitze der DESG gezählt. Kommenden Samstag könnte es zu einem Showdown kommen. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung steht in Dresden an.

Andreas Minschke soll DESG-Präsident werden

Seit Dienstagabend ist bekannt: Der TERV schickt einen Gegenkandidaten für das DESG-Präsidentenamt ins Rennen. Der langjährige Thüringer Landespolitiker und Sportfunktionär Andreas Minschke soll Große ablösen. Auch für das Amt des Vizepräsidenten und des Schatzmeisters gibt es Vorschläge.

ISU Eisschnelllauf Weltcup in Inzell, Finn Sonnekalb

Er ist 18, Junioren‑Weltrekordhalter und schon ganz nah an der Weltspitze: Finn Sonnekalb gilt als größte deutsche Medaillenhoffnung Deutschlands im Eisschnelllauf.

27.01.2026 | 3:38 min

"Wir können nicht zulassen, dass mit Druck auf unsere Athletinnen und Athleten eingewirkt wird und dass in unseren Sportstrukturen der erfolgreichste Standort quasi totgeschaltet werden soll", sagt Michael Schneider, Präsident des TERV, im Interview mit ZDFheute. "Aus Interessenlagen, die sich keinem erschließen."

Monatelanger Streit spitzt sich zu

Schon seit Juni fordert der Thüringer Eis- und Rollsportverband TERV den Rücktritt des DESG-Bosses und seines Präsidiums. Große lehnte ab. Es ist das Ergebnis eines seit Monaten schwelenden Streits, dessen Auslöser eine geplante Strukturreform im Eisschnelllauf war.

Erfurter Eisschnellläufer
14.07.2026 | 3:55 min

Die DESG will die Bundeskader auf das bayerische Inzell für Mehrkampf und Langstrecke sowie auf Berlin für Sprint konzentrieren. Erfurt und Chemnitz sollen insbesondere im Nachwuchs eine zentrale Rolle spielen. Doch die Erfurter kämpfen gegen eine Schwächung ihres Standorts, der bislang ein Schwergewicht im deutschen Eisschnelllauf war. Auch der Deutsche Olympische Sportbund bestätigte Erfurts Eignung jüngst mit "Profil 1".

Umstrittene Athletenvereinbarung "unter Protest" unterschrieben

Ein Kern des Konflikts ist zudem eine Athletenvereinbarung. Schon im Juni unterschrieben die Erfurter Kaderathletinnen und -athleten nur mit Änderungen und einem sogenannten Side Letter, mit dem sie unter anderem ihren Trainingsstandort absichern wollten. Die DESG akzeptierte den Zusatz nicht und setzte nach einem zwischenzeitlichen Moratorium eine neue Frist.

Vergangene Woche unterschrieben die Eisschnellläuferinnen und -läufer schließlich nach eigenen Angaben nur unter Protest, um weitere sportliche Nachteile abzuwenden. Sie erklärten, die Unterschriften seien aufgrund des über Monate ausgeübten "erheblichen Drucks", der teilweise als "psychische Gewalt" empfunden worden sei, erfolgt.

"Die DESG hat dann uns eine erneute Frist gesetzt unter der Konsequenzdrohung, dass wir nicht zum Weltcup starten dürfen und dass wir unseren Kaderstatus verlieren", so Eisschnellläufer Hendrik Dombek zu ZDFheute.

"Drama für diese erfolgreiche Sportart"

Der Erfurter Finn Sonnekalb gehört zu Deutschlands größten Eisschnelllauf-Talenten. Wegen der Diskrepanzen der vergangenen Monate erwägt er inzwischen einen Wechsel ins Ausland. Angebote aus den USA und aus Holland lägen vor.

Lieber wolle der 19-Jährige freiwillig dorthin gehen, wo gute Trainingsbedingungen herrschen, als unfreiwillig geliebte Trainings-Strukturen verlassen. Im Zuge der Reform würde der Sprinter künftig in Berlin trainieren müssen.

Medienrunde des DESG.

Die von der "Sportschau" erhobenen Vorwürfe unter anderem wegen verspäteter Prämienauszahlung hat DESG-Präsident Mathias Große klar zurückgewiesen.

26.02.2026 | 0:59 min

Für TERV-Präsident Schneider könnte ein Weggang Sonnekalbs das Ende des erfolgreichen Eissports bedeuten, andere könnten ihm möglicherweise folgen. "Dann sehe ich die Gefahr, dass über kurz oder lang unsere Nachwuchsleute sagen, dann suche ich mir andere und attraktivere Strukturen. Das wäre ein Drama für diese erfolgreiche Sportart."

Abwahl des Präsidiums bislang nicht auf Tagesordnung

Um dieses und weitere "Dramen" abzuwenden, soll also am Samstag eine neue DESG-Spitze gewählt werden.

Wir haben hier einen Fundus an jungen Sportlerinnen und Sportlern, denen müssen wir eine Perspektive geben. Und wir können sie nicht von einem Verband, der als One-Man-Show geführt wird, erpressen lassen.

Großes Herausforderer Andreas Minschke im ARD-Interview

Doch bislang hat die DESG den vom Thüringer Landesverband gestellten Abwahl-Antrag noch nicht auf die Tagesordnung gesetzt. Der TERV will deshalb vor Gericht erreichen, dass am Samstag trotzdem darüber abgestimmt werden kann. Auf ZDF-Anfrage wollte sich DESG-Präsident Große nicht äußern, wie sein Anwalt mitteilte. In drei Tagen könnte eine Entscheidung über seine Zukunft im deutschen Eisschnelllauf fallen.

Mona Trebing ist Redakteurin im ZDF-Studio Thüringen.

TV-Kameramann beim Fußballspiel

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in seinem Morgenmagazin im Beitrag "Eisschnelllauf: Streit um Reform spitzt sich zu" am 14.10.2026 ab 5:30 Uhr.
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