Eisschnelllauf:Wunderläufer Sonnekalb und Teams wecken Olympia-Fantasien
von Hermann Valkyser
Nach 16 Jahren Medaillenflaute keimt im deutschen Eisschnelllauf neue Hoffnung. Teenager Finn Sonnekalb und starke Teams jagen in Mailand olympische Podestplätze.
Er ist 18, Junioren‑Weltrekordhalter und schon ganz nah an der Weltspitze: Finn Sonnekalb gilt als größte Medaillenhoffnung Deutschlands im Eisschnelllauf.
27.01.2026 | 3:38 minTeam D darf erstmals seit 16 Jahren leise träumen. Lange erfolgsverwöhnt, dann anderthalb Jahrzehnte in den Niederungen der Medaillenlosigkeit versunken - und nun soll es vor allen Dingen einer richten, der bei den bislang letzten deutschen Podiumsplätzen in Vancouver 2010 noch Windeln trug: Finn Sonnekalb, 18 Jahre. Seit Saisonbeginn mit dem Prädikat "deutscher Wunderläufer" ausgestattet, als der Erfurter mit einem Junioren-Weltrekord aufhorchen ließ und mehrfach aufs Weltcup-Podium stürmte.
Auf seinen Spezialstrecken 1.000 und 1.500 Meter darf sich der dreimalige Jugend-Olympiasieger mit zu den Medaillenkandidaten zählen, trotz trainingsbedingter Leistungsdelle bei der Olympia-Generalprobe in Inzell.
Ich hoffe, dass ich noch rechtzeitig in Form komme für die Olympischen Spiele.
Finn Sonnekalb im ZDF-Interview
"Und ich hoffe natürlich dort auf exorbitant gute Leistungen und natürlich auch, unter die Top 3 zu laufen. Das wäre das absolute Highlight. Was nicht will, das soll nicht, aber ich hoffe, dass es so in die Richtung geht", sagt Sonnekalb im ZDF-Interview.
Die deutschen Eisschnellläuferinnen Lea-Sophie Scholz und Josie Hofmann sowie Bundestrainer Alexis Contin im ZDF-Interview.
27.01.2026 | 7:34 minSonnekalb zählt zu den Ausnahmeläufern
Selbstbewusste Töne für einen 18-Jährigen. Doch wenn man den Experten Glauben schenken darf, dann gehört Finn Sonnekalb zu jener Spezies Ausnahmeläufer, die das gewisse Etwas für die absolute Weltspitze mitbringt.
Er hat sich über Jahre hinweg mit seinem Talent, was er in die Wiege gelegt bekommen hat, einfach Stück für Stück weiterentwickelt, in allen Bereichen.
Harald Harnisch, Heimtrainer
"Mental wird er immer stärker, er ist im Kraftraum stark, in der Ausdauer. Das macht ihn aus und ich glaube, wir werden in den nächsten Wochen viel Freude haben", hofft sein Heimtrainer Harald Harnisch.
"Never change a winning team" hat sich mit Sonnekalbs Verbleib in seiner Erfurter Junioren-Trainingsgruppe als goldrichtig erwiesen. Für Olympia wird Trainer Harnisch allerdings nur aus der Ferne in Thüringen mitcoachen können. Und auch Finns Glücksbringer darf angesichts der strengen IOC-Regeln nicht auf seinem Kopf Platz finden.
Finn Sonnekalb mit seiner Glücksmütze, die bei Olympia auf jeden Fall dabei sein muss.
Quelle: ImagoDie bunte Strick-Glücksmütze, die es irgendwie geschafft hat, mit dem vierjährigen Klein-Finn mitzuwachsen, wird dennoch mit im Gepäck sein: "Die ist innen drin noch deutlich grüner als die von außen ist und deutlich oranger. Die Sonne hat sie schon ganz schön mitgenommen. Aber das ist mein Glücksbringer, der begleitet mich, seitdem ich dabei bin. Muss mal gucken, wie ich das jetzt bei Olympia mache. Sie wird auf jeden Fall mit dabei sein."
Sprinterin Warmuth hat "Blut geleckt"
Apropos Dabeisein: Das Motto reicht auch den übrigen zwölf deutschen Olympia-Starterinnen und -Startern auf den scharfen Kufen nicht. Da ist etwa Sophie Warmuth (23) ebenfalls aus Erfurt, die als Sprinterin in dieser Saison beständig in der Gruppe der Weltbesten mitläuft und beim letzten Weltcup vor Olympia erstmals auf dem Podium (Platz 2) landete. So sagt Warmuth selbstbewusst:
Ich fühle mich wie ein Raubtier, das Blut geleckt hat.
Sophie Warmuth, Eisschnellläuferin
Vor allem aber können die beiden Mannschaften in der Teamverfolgung, die sich erstmals seit 20 Jahren wieder beide für Olympia qualifiziert haben, an den Medaillen schnuppern. Bei den Frauen hat Bundestrainer Alexis Contin von Anfang an alles auf die Karte Team gesetzt. Der Erfolg gibt ihm Recht: Die Mannschaft mit Frontläuferin Lea-Sophie Scholz, Josephine Schlörb und Josie Hofmann besticht durch ihre große Homogenität.
Hätte man uns vor drei Jahren gesagt, dass wir uns mühelos qualifizieren und ums Halbfinale kämpfen können, hätte man uns für verrückt erklärt.
Alexis Contin, Bundestrainer
"Ich möchte, dass sie sich auf eine gute Leistung konzentrieren, diese Entwicklung fortsetzen und das Abenteuer mit einer möglichst guten Leistung abschließen. Wenn das für eine Medaille reicht, umso besser", gibt der Bundestrainer die Marschroute vor. Und man darf gespannt sein, ob das zarte Pflänzchen Hoffnung wirklich schönste Blüten treibt.
Eisschnellläuferin Sophie Warmuth spricht im ZDF-Interview über ihre Form und ihre Ziele vor den olympischen Winterspielen 2026 in Italien.
26.01.2026 | 1:26 minSie wollen über Sport stets auf dem Laufenden bleiben? Dann ist unser sportstudio-WhatsApp-Channel genau das Richtige für Sie. Egal ob morgens zum Kaffee, mittags zum Lunch oder zum Feierabend - erhalten Sie die wichtigsten News direkt auf Ihr Smartphone. Melden Sie sich hier ganz einfach für unseren WhatsApp-Channel an: sportstudio-WhatsApp-Channel.
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