Zwei ARD-Reporter ausgeschlossen:Eklat bei Eisschnelllauf-Pressekonferenz
Nach Vorwürfen der ARD-"Sportschau" hat sich DESG-Präsident Mathias Große auf einer Pressekonferenz geäußert. Schon zuvor war es zum Eklat gekommen.
Die von der "Sportschau" erhobenen Vorwürfe unter anderem wegen verspäteter Prämienauszahlung hat DESG-Präsident Mathias Große klar zurückgewiesen.
26.02.2026 | 0:59 minAls DESG-Präsident Matthias Große zur großen Rechtfertigung ansetzte, standen die ARD-Journalisten auf einem Parkplatz vor den weitläufigen Absperrungen am Fuße des Berliner Müggelturms. Hausverbot, kritische Fragen nicht erwünscht: Bei der "beispiellosen" Pressekonferenz der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft ist es am Donnerstag zum Eklat gekommen.
Vorangegangen war dieser ein kritischer Bericht der "Sportschau" zu Beginn der Olympischen Winterspiele. In diesem wurden der DESG (Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft) Unregelmäßigkeiten vorgeworfen und über ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet.
Große wirft ARD-Reportern "Rufmord" vor
28 Minuten und 40 Sekunden dauerte das Eröffnungsstatement von Große. Den beiden ARD-Reportern Hajo Seppelt und Jörg Mebus, den Autoren des "Sportschau"-Berichts, warf er dabei "Rufmord" vor.
Der deutsche Eisschnellläufer Finn Sonnekalb kam bei seinen ersten Olympischen Winterspielen auf Rang 13. Die Zusammenfassung der Entscheidung über die 1500 Meter im Eisschnelllauf.
19.02.2026 | 5:33 min"Wir lassen uns nicht vorführen. Leute, die meinen Verband auf die Schlachtbank führen wollen, mit denen teile ich nur noch den Gerichtssaal", sagte Große, Lebensgefährte der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein, immer wieder mit lauter Stimme.
DESG-Präsident weißt Vorwürfe zurück
Der Schaden, der für die DESG in den vergangenen 14 Tagen entstanden sein soll, sei siebenstellig. Am Donnerstagvormittag wies Große mit seinem Team mithilfe einer Power-Point-Präsentation nun sämtliche Vorwürfe, der Verband würde die Sportler vernachlässigen, Haushaltspläne zurückhalten und Prämien nicht oder nur stark verzögert auszahlen, kleinteilig zurück.
Auch ein "Klima der Angst" gebe es nicht, Athleten selbst waren nicht vor Ort. Fridjof Petzold hatte zuletzt als einer der wenigen Sportler seine Stimme erhoben. "Ich bin am ehesten gespannt, wie man sich da jetzt rausredet und wer der Sündenbock sein wird im Endeffekt", hatte Petzold, der für die Athletenkommission des Eislauf-Weltverbands ISU kandidiert, laut FAZ nach einem seiner Olympia-Rennen mit Blick auf die Veranstaltung gesagt.
Die deutsche Eisschnelllauf-Hoffnung Finn Sonnekalb überzeugt in Heerenveen über 1.500 Meter mit Platz vier bei der Bahnrekord-Show von Jordan Stolz (USA).
06.12.2025 | 15:17 minGroße reagierte verärgert. "Dann kommt jemand, der keine Leistung bringt, der sich nicht an die Regeln hält, stellt sich vor die Kamera und pestet." Das Präsidium habe einen "Entschluss gefasst", eine Disziplinarkommission werden nun über das weitere Vorgehen entscheiden.
ARD-Reporter bekommt Hausverbot auf dem Parkplatz
Und die anderen Vorwürfe? Keinen einzigen Euro müssten die Athleten zahlen, Haushaltspläne seien auf Mitgliedsversammlungen mündlich vorgetragen worden, die finanzielle Entwicklung unter seiner Führung prächtig. "Wir werden hingestellt, wir plündern unsere Athleten aus. Was für ein Schmutz, toxisch", so Große.
Seppelt, der das Hausverbot per Anwaltsschreiben erst auf dem Parkplatz überreicht bekommen hatte, sprach von einem "beispiellosen Vorgang in der Geschichte deutscher Sportverbände. [...] Da werden sich im Nachgang noch einige Fragen über den Umgang von Herrn Große mit der Pressefreiheit stellen", sagte er.
Finn Sonnekalb erreicht bei seiner Olympia-Premiere den 13. Platz. Im Interview spricht der 18-Jährige über seinen Wettkampf, seine Krankheit und seine Pläne für die Zukunft.
19.02.2026 | 2:54 minVDS, ARD und DOSB verurteilen Ausschluss
Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und auch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky hatten im Vorfeld auf SID-Anfrage von einem "klaren Eingriff in die Pressefreiheit" gesprochen, die ARD-Verantwortlichen vor die Tür zu setzen.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat im Nachgang mit deutlichen Worten an die Pressefreiheit erinnert. Jene sei ein "essenzielles Gut unserer Demokratie, das der DOSB selbstverständlich respektiert und wertschätzt", hieß es in einem Statement.
"Medien sind ein wichtiger Partner in der Berichterstattung über den Sport und sportpolitische Themen. Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in gleicher Weise respektieren, wie wir das tun", stellte der DOSB weiter klar.
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