Oma und Opa im Ehrenamt:Wunschgroßeltern: Mehr als Kinderbetreuung
von Susanne Seidl
Oma und Opa nicht in der Nähe - für viele Familien mit Kindern inzwischen Alltag. Wunschgroßeltern-Projekte schaffen Alternativen. Welche Vorteile das für alle Generationen bringt.
Wenn Eltern Unterstützung brauchen, sind Leihomas und Leihopas zur Stelle - eine Bereicherung für beide Seiten.
26.01.2026 | 2:57 minOb Kita-Abholung, Spiel, Sport oder Lernen - der Nachwuchs will durchgehend betreut und beschäftigt werden. Wer das Glück der eigenen Eltern in der Nähe hat, kann solche Aufgaben oft vertrauensvoll an die ältere Generation abgeben. Doch viele Familien sind längst aus der Heimatregion weggezogen. Nicht immer muss das ein Aufwachsen ohne Oma und Opa in der Nähe bedeuten.
Projekte, wie zum Beispiel jenes in Schwerin, bieten Alternativen: Seit 17 Jahren schafft das Schweriner Seniorenbüro Möglichkeiten, dass Wunschgroßeltern auf Wunschenkel treffen können. "Es geht darum, die Generationen zusammen zu bringen", sagt Martina Etzrodt vom Seniorenbüro Schwerin, die das Projekt zusammen mit Margrit Hadler-Eggert leitet.
Und es geht auch darum, dass die Kinder erleben, wie ticken die Omas und Opas.
Martina Etzrodt, Seniorenbüro Schwerin
Es soll ein Austausch sein, von dem beide Seiten profitieren.
Großelterndienst mit Führungszeugnis und Haftpflichtversicherung
"Wir haben viele interessierte Familien, die sich bei uns melden", sagt Martina Etzrodt vom Seniorenbüro. "Deswegen suchen wir verstärkt Senior*innen, die es sich vorstellen können, Wunschgroßeltern zu werden." Karin Wichmann und ihr Lebenspartner Michael Balkenhol zum Beispiel sind als Wunschgroßeltern aktiv.
Ich wollte auch nach Renteneintritt noch was erleben und neue Menschen kennenlernen.
Karin Wichmann, als Wunschoma im Einsatz
Wer Interesse hat, stellt sich im Seniorenbüro vor und gibt an, in welchem Alter die Wunschenkel etwa sein sollten, ob es Erfahrung mit kleineren Kindern gibt und wie oft Kinder betreut werden können. Ein polizeiliches Führungszeugnis ist erforderlich. Eine Haftpflichtversicherung wird für beide Seiten empfohlen.
Leihgroßeltern können vielen Familien bei ihren täglichen Herausforderungen helfen. Veronika Kirberg vom Amt für Soziales in Düsseldorf erklärt, an wen man sich wenden kann und was geleistet wird.
26.01.2026 | 3:32 minKeine Vermittlungsgebühr und ehrenamtliche Arbeit
Sind sich Familie und Wunschgroßeltern beim ersten Treffen im Seniorenbüro sympathisch, folgt eine Probephase von vier bis sechs Wochen. Danach entscheiden beide Seiten, ob sie zusammenbleiben wollen. Stimmt die Chemie doch nicht, sucht das Seniorenbüro weiter.
Eine Vermittlungsgebühr gibt es nicht, und auch der Job der Wunschgroßeltern ist rein ehrenamtlich. Im besten Fall ist es wie in verwandten Familien auch, ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Ob jung oder alt: Positive Auswirkungen auf seelische Gesundheit
Das Miteinander zwischen den jungen Familien und Senioren ist auch für die seelische Gesundheit wichtig. "Es hilft gegen Einsamkeit und Depressionen, unter denen viele Senioren heute leiden", sagt Eva-Lotta Brakemeier vom Lehrstuhl Psychologie und Psychotherapie an der Uni Greifswald.
Als Wunschgroßeltern können sie erleben, dass sie gebraucht werden, dass sie etwas von ihrer Lebensweisheit weitergeben können.
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier, Lehrstuhl Psychologie und Psychologie, Uni Greifswald
Junge Eltern werden durch die ältere Generation bei der Bewältigung von Beruf und Familie entlastet. Ein Faktor, der vor allem den Kindern zugutekommt, erklärt die Psychologin: "Die Kinder gewinnen, im besten Fall, weitere liebevolle und zugewandte Menschen, die sich um sie kümmern."
Jeder dritte Erwachsene in Deutschland ist von Einsamkeit betroffen. Jeder Fünfte fühlt sich sogar sehr einsam. Was hilft dagegen?
30.12.2024 | 2:00 minGroßelterndienst wird in vielen Kommunen angeboten
Das Projekt Wunschgroßeltern aus Schwerin ist bei Weitem nicht das einzige in Deutschland. Ob Berlin, Braunschweig oder das Berchtesgadener Land - im ganzen Bundesgebiet finden Interessierte Angebote zu Großelterndiensten.
Wunschoma oder Wunschopa kann grundsätzlich erstmal jede*r werden, geistige wie körperliche Fitness und die menschliche Offenheit vorausgesetzt. So kann man Erfüllung und Abwechslung finden - und von dem Gefühl profitieren, gebraucht zu werden.
Susanne Seidl ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Mecklenburg-Vorpommern.
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Dieser Artikel wurde erstmals am 3. Februar 2024 veröffentlicht und am 28. Januar 2026 aktualisiert.
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