Häufige Verletzung nach Autounfall:Schleudertrauma erkennen und behandeln
von Janina Janka
Ein Auffahrunfall ist schnell passiert. Die Folge können heftige Nackenschmerzen sein. Anzeichen für ein Schleudertrauma. Was steckt hinter der Verletzung der Halswirbelsäule?
Häufig leiden Betroffene nach einem Auffahrunfall mit dem Auto an Nacken- und Kopfschmerzen.
Quelle: Imago / PanthermediaEin Schleudertrauma entsteht durch eine plötzliche ruckartige Bewegung des Kopfes. Besonders häufig geschieht das bei einem Auffahrunfall mit dem Auto. Es kann aber auch bei Sportunfällen oder anderen Ereignissen auftreten, bei denen Beschleunigungskräfte auf den Körper einwirken.
Jährlich erleiden etwa 200.000 Menschen ein Schleudertrauma, wobei die Zahl der Fälle seit dreißig Jahren zunimmt. Frauen sind aufgrund muskulärer und anatomischer Unterschiede dreimal häufiger davon betroffen als Männer.
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13.03.2026 | 5:07 minWas passiert bei einem Schleudertrauma?
Durch die schnelle, ruckartige Vor- und Rückwärtsbewegung werden Muskeln, Bänder, Kapseln und andere Weichteile im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) überdehnt. In den meisten Fällen werden dabei keine knöchernen Strukturen verletzt. Doch auch ohne Brüche können die Beschwerden erheblich sein.
Die Wirbelsäule ist ein komplexes Konstrukt, das Stabilität, Beweglichkeit und Schutz bietet. Wie sie aufgebaut ist und was sie so besonders macht.
11.08.2026 | 5:11 minEntscheidend für die Folgen eines Schleudertraumas sei, wie die Kraft auf die Halswirbelsäule einwirkt und wie die Körperspannung zu diesem Zeitpunkt ist, erklärt Richard Zaccaria, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am LMU Klinikum München Großhadern.
Ein Schleudertrauma passiert meistens unerwartet. Der Körper hat nicht die Zeit, sich auf diese Einwirkung einzustellen.
Dr. Richard Zaccaria, Orthopäde und Unfallchirurg
Die Verletzung wird auch "Whiplash", englisch für Peitschenschlag, genannt.
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06.01.2025 | 4:46 minSchleudertrauma: Die häufigsten Symptome
Beschwerden treten meist erst einige Stunden oder sogar Tage später auf. Dazu gehören Nackenschmerzen, Verspannungen und Kopfschmerzen, häufig auch Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und Konzentrationsprobleme.
In schweren Fällen kann es zu neurologischen Symptomen kommen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in Armen und Händen oder im Gesicht. Hat der Betroffene bereits Vorerkrankungen, zum Beispiel Bandscheibenprobleme im HWS-Bereich oder verengte Nervenkanäle, ist er dafür anfälliger.
Die Diagnose eines Schleudertraumas stellt Ärzte oft vor Herausforderungen. Viele Betroffene leiden unter Schmerzen, obwohl Röntgenbilder oder Magnetresonanztomografie (MRT) unauffällig sind. Die Verletzungen liegen häufig im mikroskopisch kleinen Bereich, sodass sie mit herkömmlicher Bildgebung nicht dargestellt werden können.
Seit einigen Jahren setzen Ärzte ein neues Verfahren ein, das offene Upright-MRT. Damit können Schädigungen der Kopfgelenke oberhalb der Halswirbelsäule sichtbar gemacht werden. Die Kopfgelenke bestehen aus Wirbeln, Bändern, Muskeln und Kapseln. Beim Upright-MRT stellt der Radiologe eine elektromagnetische Spule exakt auf die Kopfgelenke ein und macht Aufnahmen in Rotation, in seitlicher oder in Vor- und Rückneigung. Verletzungen, etwa Kapselrisse, können so sichtbar gemacht werden.
Wie ein Schleudertrauma behandelt wird
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Schmerzen, der Schäden und der Bewegungseinschränkung. Um Schonhaltungen zu vermeiden, ist eine gute Schmerzbehandlung wichtig. Dabei helfen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), muskelentspannende Medikamente und Wärme- oder Kälteanwendungen.
Früher wurde häufig eine Halskrause verordnet. Heute weiß man, dass eine längere Phase der Ruhigstellung eher nachteilig ist. Stattdessen empfehlen Experten eine frühe Mobilisation der Halswirbelsäule durch Physiotherapie und Muskeltraining. Leiden Betroffene unter Schwindel, kommen Übungen für das Gleichgewicht hinzu.
In den meisten Fällen ist die Prognose nach einem Schleudertrauma gut und die Symptome gehen innerhalb weniger Wochen zurück.
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02.06.2026 | 5:18 minWenn Beschwerden chronisch werden
Es gibt Fälle, in denen Schmerzen und/oder Schwindel nach einem Schleudertrauma bestehen bleiben. Von einer Chronifizierung spreche man, wenn die Beschwerden länger als sechs Monate andauern, erklärt Zaccaria.
Zwölf Prozent der Betroffenen haben nach sechs Monaten noch Beschwerden. Das ist eine relevante Menge.
Dr. Richard Zaccaria, Orthopäde und Unfallchirurg
Häufig leiden die Betroffenen unter chronischen Nackenschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Stress, aber auch psychische Faktoren wie Ängste, Verstimmungen oder die Sorge vor erneuten Schmerzen können den Verlauf zusätzlich beeinflussen. Auch die allgemeine Erwartungshaltung kann eine Rolle spielen.
Wenn Schmerzen chronisch werden, ist das eine große Belastung für die Betroffenen. Meist hilft dann nur noch eine spezielle Schmerztherapie.
03.06.2025 | 5:16 minWichtig ist, chronische Schmerzen und die damit einhergehende psychische Belastung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Studien zeigen, dass bei den Betroffenen neue Therapieansätze, etwa eine multimodale Schmerztherapie, für den Heilungsverlauf hilfreich sind.
Eine Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte, inwieweit ein multimodaler Therapieansatz bei Patienten mit chronischen Verläufen nach einem Schleudertrauma wirksamer ist als eine herkömmliche Behandlung.
Dafür erhielt eine Gruppe die klassische Schmerz- und Physiotherapie, die andere Gruppe zusätzlich Schmerzaufklärung, Übungen zur Stressbewältigung sowie eine kognitiv ausgerichtete Bewegungstherapie, die Muskeln und Gehirn gleichermaßen trainierte.
Das Ergebnis: Bei den Teilnehmern der zweiten Gruppe nahm die Schmerzintensität deutlich ab und die Beweglichkeit verbesserte sich. Auch Angst und Depressivität gingen zurück.
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