Europäischer Depressionstag:Mehr als nur traurig: Leben mit Depressionen
von Anne Waltermann
Die Freude verschwindet, tiefe Traurigkeit kommt, das ganze Leben fällt schwer: Anzeichen, die auf eine Depression hinweisen können. Wann Betroffene professionelle Hilfe brauchen.
Lange wusste sie nicht, was mit ihr los war. Dann bekam Simone Förster die Diagnose Depression. Wie sie mit ihrer Erkrankung lebt.
02.10.2026 | 5:19 minKnapp vier Millionen Deutsche sind aktuell von einer Depression betroffen. Doch nach wie vor wird die Erkrankung unterschätzt. Experten gehen davon aus, dass nur ein Drittel professionelle Hilfe erhält. Viele Betroffene schämen sich und verdrängen ihre Probleme. Dabei ist schnelle Hilfe wichtig.
Depressionen: Mehr als eine schlechte Phase
Es ist wie eine tiefe, alles verschlingende Schwere. Man ist kraftlos, das ganze Leben scheint grau. Wer eine Depression hat, ist nicht einfach nur traurig. Betroffene erzählen davon, nichts mehr zu fühlen und von sich und ihren Emotionen abgeschnitten zu sein.
Millionen Menschen in Deutschland sind von Depressionen betroffen. Wegen langer Wartezeiten und zu wenigen Therapieplätzen nutzen immer mehr von ihnen Angebote mit künstlicher Intelligenz.
28.04.2026 | 1:50 minDepression sei eine schwere und ernste Krankheit, erklärt Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.
Depression ist eine Erkrankung, die mit einem extremen Leidensdruck einhergeht.
Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
In manchen Fällen ist der Leidensdruck so hoch, dass Betroffene nicht mehr leben wollen. Umso wichtiger ist es, eine Depression rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Auch für Angehörige von Menschen mit Depressionen ist der Umgang mit der Erkrankung eine große Belastung und stellt sie vor besondere Herausforderungen.
20.10.2025 | 5:06 minWas ist eine Depression?
Gedrückte Stimmung und tiefe Niedergeschlagenheit, Interesse- und Freudlosigkeit sowie Antriebslosigkeit und ständige Müdigkeit sind die Hauptsymptome einer Depression.
Typisch sind zudem quälende Schuldgefühle, massive Konzentrationsstörungen sowie eine tiefsitzende Hoffnungslosigkeit. Es gibt auch körperliche Auswirkungen wie Schlafstörungen, anhaltende Appetitlosigkeit oder unerklärliche Schmerzen.
Hält dieser Zustand zwei Wochen oder länger an, sprechen Experten von einer Depression.
- Bei einer leichten Depression fühlt sich das Leben zwar mühsam und schwer an, trotzdem können Betroffene meist noch Alltag und Job bewältigen.
- Bei einem mittleren Schweregrad sind Betroffene kaum noch leistungsfähig. Die Erkrankung kontrolliert den Tagesablauf.
- Eine schwere Depression kann so sehr lähmen, dass selbst Aufstehen und kurze Gespräche kaum möglich sind. Nicht selten kommen auch wahnhafte oder suizidale Gedanken dazu.
37 Grad begleitet drei Menschen, die offen über ihre Depressionserfahrungen sprechen und zeigt, wie unterschiedlich die Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten sein können.
21.10.2025 | 28:35 minWie eine Depression entsteht
Depressionen beruhen auf dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Entscheidend für das Auftreten ist eine Veranlagung. Diese kann unter anderem vererbt sein.
Menschen ohne diese Veranlagung ertragen die größten Bitternisse, ohne eine Depression zu bekommen.
Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorsitzender Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Eine Disposition für Depressionen kann auch im Laufe des Lebens erworben werden, etwa durch belastende oder traumatische Erfahrungen. Das bedeutet nicht, dass man zwangsläufig an einer Depression erkrankt, es besteht aber ein höheres Risiko dafür.
Auslöser der Erkrankung können schwierige Lebenssituationen wie ein Verlust oder anhaltender Stress sein. Es gibt auch körperliche Faktoren wie hormonelle Veränderungen, die eine Depression auslösen können. Die Erkrankung kann auch ohne ersichtlichen Grund auftreten.
Depressionen sind manchmal nur schwer zu behandeln. Wie Betroffene von neuen individuellen Wegen zu Diagnose und Therapie profitieren.
21.10.2025 | 5:33 minWie Depressionen behandelt werden
Die wichtigsten Säulen bei der Behandlung sind Psychotherapie und Medikamente. Im Rahmen der Psychotherapie lernen Betroffene, negative Denkmuster zu durchbrechen, das eigene Verhalten anzupassen und mit belastenden Situationen besser umzugehen. Antidepressiva werden bei mittelgradigen und schweren Depressionen eingesetzt. Sie können depressive Symptome lindern und die Stimmung stabilisieren.
Patienten sollten sich zu Experten in eigener Sache machen und sich über ihre Erkrankung informieren.
Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Eine frühzeitige Behandlung kann dazu beitragen, dass sich die Depression nicht verfestigt und möglichst schnell Besserung eintritt.
Symptome einer Depression sollte man ärztlich oder psychotherapeutisch abklären lassen. Doch mitten in einer Depression kann es schwer sein, die Kraft dafür aufzubringen. Umso wichtiger ist es, dass auch Angehörige oder Freunde aufmerksam sind und ihre Unterstützung anbieten.
Erste Ansprechpartner sind der Hausarzt oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Psychiater). Psychotherapeutische Praxen können direkt ohne ärztliche Überweisung kontaktiert werden. Sofern die Praxis eine Kassenzulassung hat, gehört das zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Bei der Facharzt- und Therapeutensuche unterstützt die Kassenärztliche Vereinigung unter der Telefonnummer 116117.
Depressionen verändern das Leben
Eine Depression verläuft meist zeitlich begrenzt und klingt wieder ab. Bei manchen Betroffenen bessern sich die Beschwerden innerhalb von Wochen, bei anderen halten sie mehrere Monate oder länger an.
Viele Menschen werden danach wieder gesund, bei anderen kommt es zu weiteren depressiven Phasen. In schweren Fällen kann die Erkrankung chronisch werden. Auch für Angehörige kann das äußerst belastend sein, zugleich sind Verständnis, Geduld und Unterstützung der Betroffenen wichtig.
Claudia, 54, lebt mit ihrer Tochter im Rhein-Main-Gebiet. Die gelernte Ergotherapeutin hat seit zehn Jahren mit Depressionen zu tun und sucht Wege, um im Alltag damit umzugehen.
11.10.2025 | 15:04 minDas Rückfallrisiko für eine Depression lässt sich durch ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, ein gefestigtes Umfeld, das Pflegen sozialer Kontakte und den richtigen Umgang mit anhaltendem Stress senken. Wichtig ist, sich bei ersten Anzeichen professionelle Hilfe zu suchen.
Erste Anlaufstellen, zusammengestellt vom Aktionsbündnis für seelische Gesundheit
Beratungs- und Notfallkontakte - Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 / 111 0111 und 0800 / 111 0222 erreichbar.
Oder per Chat und E-Mail: www.telefonseelsorge.de
Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe: 0800 / 33 44 533 (kostenfrei)
Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention
Depression: Infos und Hilfe - Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Deutsche Depressionsliga e. V.
https://depressionsliga.de
Wenn Sie bemerken, dass Ihr Angehöriger sich in einer akuten Krise befindet, wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik oder wählen Sie den Notruf unter 112.
Krisendienst Psychiatrie: 0800 / 655 3000
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