Psychotherapie in Deutschland: Wie steht es um die Versorgung?

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Wartezeiten, Bedarfe, Kapazitäten:Psychotherapie: Wie gut ist Deutschland versorgt?

von Marie Ries

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Die Zahl der Psychotherapeuten in Deutschland steigt - dennoch müssen viele Menschen auf Therapieplätze warten. Was ein Experte zur Lage sagt und wo es Versorgungslücken gibt.

Ein Schild weist auf eine Praxis für Psychotherapie hin.

Psychotherapeutinnen und -therapeuten bekommen seit April weniger Honorar. Sie warnen: Die Kürzung verschärft den Mangel an Therapieplätzen.

07.04.2026 | 2:42 min

Seit April gelten in der ambulanten Psychotherapie in Deutschland niedrigere Stundensätze in der gesetzlichen Krankenversicherung. Kritische Stimmen warnen vor negativen Auswirkungen auf die psychotherapeutische Versorgung gesetzlich Versicherter. Etwa, weil Praxen einen Teil ihrer Kapazitäten auf privat Versicherte verlagern könnten, um wirtschaftlicher zu arbeiten - denn die Vergütung für privatversicherte und selbstzahlende Personen ist laut dem Gesamtverband Der Paritätische "deutlich höher".

Doch wie steht es derzeit generell um die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland? Die Zahl der Psychotherapeut*innen in der vertragsärztlichen Versorgung - also jener, die die Behandlung gesetzlich Versicherter mit den Krankenkassen abrechnen dürfen - ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.

So viele Psychotherapeut*innen gibt es

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Psychotherapie: Mehr Menschen suchen Hilfe

Doch auch der Bedarf ist gewachsen. Laut Alkomiet Hasan, Versorgungsforscher und Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Augsburg, gibt es vor allem bei Kindern und Jugendlichen einen deutlichen Anstieg psychischer Erkrankungen, unter anderem als Folgen der Corona-Pandemie oder von Cannabiskonsum.

Bei Erwachsenen sehen wir eine steigende Inanspruchnahme von Psychotherapie: Die Menschen suchen sich eher Hilfe.

Alkomiet Hasan, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Augsburg

So viele Menschen werden behandelt

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Besonders stark wächst die Zahl der Behandelten in Gruppentherapie, während sie in der Einzeltherapie moderat steigt. Prognosen des Zentralinstituts für kassenärztliche Versorgung gehen davon aus, dass der Bedarf in den nächsten Jahren weiter wachsen wird.

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Und auch weitere Zahlen weisen auf einen erhöhten Bedarf an Psychotherapie hin: Nach Versichertendaten der AOK stieg die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahren an. Auch andere Krankenkassen wie die DAK-Gesundheit oder die Techniker Krankenkasse berichten von steigenden Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastungen.

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Wie lange Hilfesuchende aktuell auf einen Therapieplatz warten müssen, ist schwer zu beziffern. Auswertungen der Bundespsychotherapeutenkammer von Versichertendaten aus 2019 zufolge vergehen im Schnitt 142 Tage, also etwa 20 Wochen, zwischen Erstgespräch und Therapiebeginn.

Eine Studie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz von 2023, die sich auf Daten von 2017 bis 2020 bezieht, kommt auf drei Wochen Wartezeit zwischen Kontaktaufnahme und Erstgespräch. Bis zum Therapiebeginn dauert es demnach im Schnitt weitere 17 Wochen.

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Versorgungsforscher: Ressourcen kommen nicht bei den Menschen an

Wie Hasan erklärt, gebe es vor allem ein Problem, Hilfesuchende und die zur Verfügung stehenden Plätze zusammenzubringen.

Rein strukturell sollte es genug Ressourcen geben, aber die kommen bei den Menschen nicht an.

Alkomiet Hasan, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Augsburg

In Deutschland gilt die freie Arztwahl. Demnach können Versicherte grundsätzlich ihre Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen frei wählen. "Das klingt schön, aber im Ergebnis haben wir dadurch häufig Mehrfachdiagnosen und Mehrfachbehandlungen", so Hasan.

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Kinder und Jugendliche häufiger von Versorgungsengpässen betroffen

Engpässe treffen die Bevölkerung unterschiedlich hart. Erwachsene seien deutlich besser versorgt als Kinder und Jugendliche, außerdem komme es auf die Art der psychischen Erkrankung an, sagt Hasan:

Mit einer Schizophrenie oder einer Suchterkrankung wartet man deutlich länger als zum Beispiel mit einer Depression - falls man überhaupt einen Platz bekommt.

Alkomiet Hasan, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Augsburg

Auch die Region spiele eine entscheidende Rolle. Städtische Gegenden haben eine höhere Dichte an Psychotherapeut*innen als ländliche, außerdem zeigt sich ein Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle.

So unterscheidet sich die Versorgung nach Region

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Um die Versorgungslage in der Psychotherapie zu verbessern, gibt es verschiedene Ansätze: In einem Antrag vom März fordert die Grünen-Fraktion eine gesonderte Bedarfsplanung für Psychotherapeut*innen, die sich ausschließlich oder primär um Kinder und Jugendliche kümmern.

Versorgungsforscher Hasan plädiert für eine koordinierte Vergabe von Therapieplätzen, um freie Kapazitäten zielgerichteter zu vermitteln. Zudem spricht er sich für mehr Gruppentherapie-Angebote aus: "Gruppentherapien sind sehr wirksam - und dadurch können wir mehr Menschen erreichen", so Hasan.

Redaktion: Lukas Wagner

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa das ZDF heute journal am 07.04.26 ab 21:45 Uhr und das ZDF-Morgenmagazin am 01.04.26 ab 05:30 Uhr.

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