Mehr digitale Souveränität:Wie Sie in fünf Schritten digital unabhängiger werden
von Richard Luttke
Vom E-Mail-Konto bis zur Cloud: Wie Verbraucher die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen, welche einfachen Schritte ein guter Anfang sein können und warum sich das lohnen kann.
Wie gut lässt sich auf Produkte großer US-Digitalkonzerne in der Praxis verzichten? Dafür checkt WISO im Alltag für eine Woche Alternativen bei Software, Cloud, Zahlung und Kommunikation.
08.06.2026 | 8:07 minGoogle, WhatsApp oder Amazon - die großen US-Technikkonzerne sind nicht mehr aus dem digitalen Alltag wegzudenken. Doch berechtigte Sorgen um den Datenschutz und unser aller Abhängigkeit treiben viele zum Umdenken.
Der Wechsel zu europäischen Alternativen ist teils leichter als gedacht und kann sich lohnen. Denn oft sind die Angebote datenschutzfreundlicher, teils günstiger und transparenter. So gelingt der Einstieg in fünf Schritten.
1. Suchmaschinen und Browser umstellen
Die Internetsuche wird nach wie vor von Google dominiert. Wer weniger Daten preisgeben möchte, kann auf Suchmaschinen wie Startpage, DuckDuckGo oder Ecosia ausweichen. Die Dienste bieten ähnliche Ergebnisse und besseren Datenschutz.
Daneben sind auch alternative Browser ein sehr guter Anfang zum Umstieg, wie Conrad Hoffmann, IT-Experte beim Verein für digitale Unabhängigkeit Topio e. V., erklärt: "Das sind klassische Datenschleudern, weil man viel damit macht und viel preisgibt." Hier gibt es eine große Auswahl wie Mozilla Firefox oder Brave.
Schleswig-Holsteins Regierung macht es vor und holt sich die Hoheit über die eigenen Daten zurück. Die Abhängigkeit von US-Firmen ist in Deutschland enorm. Ein Umdenken setzt ein.
09.02.2026 | 3:17 min2. Messenger wechseln
WhatsApp gehört zu den meistgenutzten Apps weltweit. Entsprechend schwierig ist der Wechsel: "Das liegt natürlich an den Netzwerkeffekten", sagt Conrad Hoffmann. Steige man auf einen anderen Messenger um, seien alle Freunde immer noch bei WhatsApp und das sei natürlich ein riesiges Problem.
Viele Nutzer beginnen deshalb mit einem Parallelbetrieb und verlagern wichtige Gespräche schrittweise auf alternative Plattformen. Apps wie Signal oder Threema gelten als datenschutzfreundlicher und sammeln deutlich weniger Nutzerdaten.
Die EU-Kommission startet ein Milliardenpaket, um KI- und Internetdienste zu fördern. Ziel ist, die Abhängigkeit von US-Anbietern zu verringern und die digitale Souveränität Europas auszubauen.
03.06.2026 | 1:40 min3. Die E-Mail-Adresse umziehen
Die E-Mail-Adresse ist heute fast wichtiger als die Wohnadresse. Wer unabhängiger werden möchte, kann zu europäischen Anbietern wechseln. Dienste wie Posteo, Mailbox.org oder Proton Mail setzen auf Datenschutz, verschlüsselte Kommunikation und betreiben ihre Infrastruktur überwiegend in Europa.
Der Umstieg erfordert zwar etwas Aufwand, da zahlreiche Online-Konten auf die bisherige Adresse registriert sind. Langfristig bietet er jedoch mehr Kontrolle über persönliche Daten. Dazu unterstützen manche Anbieter eine E-Mail-Weiterleitung, ähnlich wie sie die Post beim Wechsel der Wohnadresse anbietet.
4. Online-Shopping breiter aufstellen
Amazon ist für viele Verbraucher die erste Anlaufstelle beim Online-Einkauf. Wer die Abhängigkeit reduzieren möchte, kann verstärkt direkt bei Herstellern, regionalen Händlern oder spezialisierten Online-Shops bestellen. Neben einer größeren Vielfalt unterstützt dies häufig auch kleinere Unternehmen und die lokale Wirtschaft.
Auch die Zahlung muss nicht zwingend über PayPal abgewickelt werden. In vielen Shops kann mit der Debitkarte oder per Rechnung gezahlt werden. Dazu gewinnt auch die Alternative von europäischen Banken "Wero" an Popularität.
Wer beim Online-Shopping seinen Einkauf später zahlen möchte, kann das über einige Zahlungsdienstleister tun. Doch immer mehr Menschen tappen so in die Schuldenfalle.
10.04.2026 | 5:53 min5. Eigene Cloud statt US-Speicher
Dokumente, Fotos und Backups landen häufig bei Google Drive, Microsoft OneDrive oder Apple iCloud. Alternativen bieten europäische Cloud-Anbieter wie Proton Drive und pCloud oder selbst betriebene Lösungen auf Basis von Nextcloud. Für den Umstieg müssen die Dateien lediglich beim alten Anbieter herunter- und beim neuen hochgeladen werden.
Neben diesen ersten Schritten gibt es viele weitere Möglichkeiten, auf europäische oder Open-Source-Alternativen umzusteigen. So kann es für den privaten Gebrauch oft günstiger sein, das Betriebssystem Linux statt Windows oder Libre Office statt Microsoft Office zu nutzen.
Anleitungen gibt es im Internet von Initiativen wie dem monatlich stattfindenden Digital Independence Day oder bei European Alternatives.
US-Unternehmen dominieren die Infrastruktur für KI, Hardware kommt größtenteils aus Fernost. Brüssel will die technologische Abhängigkeit reduzieren. Ein umfangreiches Gesetzespaket soll helfen.
03.06.2026 | 2:14 minKleine Schritte für den Anfang
Laut Conrad Hoffmann von Topio e. V. scheitert es meist an der Bequemlichkeit: "Gerade wenn man im Stress ist, will man, dass Dinge einfach funktionieren und sich natürlich auch manchmal nicht zu tief mit der Materie beschäftigen." Daher sollte jeder mit machbaren Schritten anfangen. Für die meisten Verbraucher ist ein kompletter Ausstieg weder praktikabel noch notwendig.
Entscheidend ist vielmehr, Alternativen zu kennen und dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert bieten. Schon wenige Veränderungen können dazu beitragen, die eigene digitale Souveränität deutlich zu stärken.
Richard Luttke ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
US-Tech-Konzerne:Wie der Ausstieg aus der digitalen Abhängigkeit gelingt
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