KI entscheidet über Kredit, Job und Wohnung: Welche Regeln gelten

Wenn Künstliche Intelligenz entscheidet:Wie Sie sich gegen Benachteiligung durch KI wehren können

Julia Ludolf

von Julia Ludolf

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Ob Versicherung, Bewerbung oder Diagnose: KI entscheidet oft mit. Wie genau, bleibt meist unklar. So können Sie den Einsatz erkennen und sich gegen ungerechte Bewertungen wehren.

Auf einem Smartphone ist eine geöffnete Seite mit dem Text „Du suchst nach bestimmten Informationen“ zu sehen.

Ob Recherche, Produktvergleich oder Urlaubsplanung - vieles erledigen KI‑Assistenten schnell. Dabei beeinflussen sie oft unbemerkt unsere Entscheidungen. Wann das kritisch werden kann.

30.04.2026 | 3:06 min

Immer mehr Entscheidungen werden mithilfe von Künstlicher Intelligenz getroffen. Für Betroffene kann das erhebliche Folgen haben: Eine Jobchance wird verpasst, eine fragwürdige medizinische Diagnose wird gestellt oder ein Kreditantrag wird abgelehnt.

Umso wichtiger ist es zu wissen, an welcher Stelle KI Entscheidungen beeinflusst, und wie man sich gegen Benachteiligungen wehren kann.

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Wann KI-Entscheidungen problematisch sein können

KI-Entscheidungen können laut Juristin Eugénie Zobel-Varga, Rechtsexpertin bei der Stiftung Warentest, überall dort problematisch sein, wo es für die Betroffenen wirklich um etwas geht.

Wenn eine KI einen Kreditantrag ablehnt, eine Bewerbung aussortiert oder einen Versicherungstarif hochstuft, hat das ganz reale Konsequenzen für Menschen.

Eugénie Zobel-Varga, Juristin, Stiftung Warentest

Zudem bestehen Risiken der Diskriminierung. "Wenn in den Trainingsdaten eine Schieflage steckt, zum Beispiel, weil bestimmte Bevölkerungsgruppen in der Vergangenheit seltener Kredite bekommen haben, dann übernimmt die KI dieses Muster", so Zobel-Varga.

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Besonders heikel sei der KI-Einsatz laut Zobel-Varga bei Bewerbungen, etwa wenn Lebensläufe oder Video-Interviews automatisiert ausgewertet werden. Auch bei der Wohnungssuche gewinnen automatisierte Mieter-Scorings an Bedeutung, während im Online-Handel personalisierte Preise oft ohne nachvollziehbare Begründung angezeigt werden.

  • Finanzen: Kreditvergabe, Bonitätsprüfung, Betrugserkennung
  • Wohnungsbewerbung: Auswahl per Algorithmus, Bonitäts- und Mietschuldenprüfung
  • Job: vorgefilterte Bewerberauswahl, KI-gestützte Beurteilung
  • Gesundheit: Bearbeitung von Leistungsanträgen, Diagnosen und Therapieempfehlungen, Terminvergabe
  • Versicherung: Schadensprüfung, Risikobewertung, Prämienberechnung

Quelle: Stiftung Warentest


So können Sie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz erkennen

Hinweise auf KI können sehr schnelle Entscheidungen oder Begriffe wie "Scoring", "automatisierte Verarbeitung" oder "Profilbildung" sein. Auch Datenschutzerklärungen und Nutzungsbedingungen können Hinweise auf den Einsatz von KI liefern. Erhärtet sich der Verdacht, könne man per E-Mail mit Verweis auf das Auskunftsrecht nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nachfragen, ob eine automatisierte Entscheidung getroffen wurde, so Zobel-Varga.

Wurde KI eingesetzt, muss das Unternehmen die Entscheidungslogik und die Auswirkungen auf die betroffene Person darlegen und binnen eines Monats Auskunft geben.

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Wie man gegen KI-Entscheidungen vorgehen kann

Eugénie Zobel-Varga empfiehlt ein schrittweises Vorgehen. Fragen Sie zunächst nach, ob und wie KI eingesetzt wurde. Unternehmen müssen die Entscheidungsgrundlage verständlich darlegen. Fordern Sie Im zweiten Schritt eine menschliche Überprüfung. Bei rein automatisierten Entscheidungen haben Sie nach Artikel 22 DSGVO Anspruch darauf.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, Beschwerde einzulegen. Reagiert das Unternehmen nicht, können Sie sich kostenfrei an Datenschutzbehörden oder Verbraucherzentralen wenden. Verbraucherzentralen sind nicht nur beratend tätig, sondern können Unternehmen bei systematischen Verstößen auch abmahnen. Hat eine fehlerhafte oder diskriminierende KI-Entscheidung Nachteile verursacht, können Ansprüche auf Schadensersatz bestehen - etwa nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz.

Mit dem Musterbrief der Stiftung Warentest können Sie Auskunft über KI-Entscheidungen nach Artikel 22 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verlangen.


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Strengere Regeln für KI: Was DSGVO und AI Act vorschreiben

Schon seit 2018 schreibt die DSGVO vor, dass automatisierte Entscheidungen mit erheblichen Auswirkungen offengelegt werden müssen - etwa bei Kreditablehnungen oder der Bewerberauswahl. "Rein automatisierte Einzelentscheidungen sind in solchen Fällen grundsätzlich sogar verboten, es sei denn, es gibt eine ausdrückliche Einwilligung oder eine andere rechtliche Grundlage", sagt Zobel-Varga.

Mit der EU-KI-Verordnung (AI Act) werden die Regeln verschärft: Schon seit Februar 2025 sind bestimmte Praktiken wie Social Scoring verboten. Ab dem 2. August 2026 müssen Unternehmen den Einsatz von KI klar kennzeichnen. Für Hochrisiko-KI, etwa bei Personalentscheidungen, Krediten oder Versicherungen, gelten zudem strenge Auflagen, darunter menschliche Aufsicht und ein Recht auf Erklärung der Entscheidung.

Julia Ludolf ist Redakteurin der ZDF-Sendung "Volle Kanne - Service täglich".

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