Robotik im OP: Wie Roboter Ärzte der Chirurgie entlasten können

Interview

"Chirurgen arbeiten am Limit":Wie Robotik die Arbeit im OP erleichtern soll

von Julia Disselmeyer

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Viele Chirurgen haben Schmerzen, nachdem sie stundenlang im OP operiert haben. Ein robotisches Assistenzsystem soll Ärzten helfen. Auch die Nato hat sich das schon angeschaut.

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Wie können KI und Roboter unseren Arbeitsalltag wirklich besser machen? Und wie erfinden wir Arbeit so neu, dass Maschinen zu Helfern werden, statt unsere Jobs zu übernehmen?

26.04.2026 | 43:30 min

Stundenlang vornübergebeugt operieren - für viele Chirurginnen und Chirurgen Alltag. Die Folgen: Schmerzen, Ausfälle, weniger Eingriffe. Gleichzeitig warten Patientinnen und Patienten teils monatelang auf ihren Eingriff. Sabrina Hellstern und Claudia Sodha haben mit "noac" - abgeleitet aus dem englischen "no ache", also "kein Schmerz" - ein System entwickelt, das Operierenden die anstrengende Arbeit erleichtern soll und perspektivisch die Arbeit im OP grundlegend verändern könnte.

Drei behandelnde Ärzte stehen in einem Operationssaal und beugen sich über eine Liege. Um sie herum sind technische Geräte.

Ein robotisches Assistenzsystem soll Ärzten helfen, dass sie ohne Schmerzen im OP operieren können.

Quelle: ZDF

ZDFheute: Was genau ist noac und wie funktioniert es?

Claudia Sodha: Noac ist ein robotisches Assistenzsystem oder auch Cyber-physisches System, das direkt am Chirurgen arbeitet - nicht am Patienten. Der Operateur wird am Oberkörper stabilisiert, kann die Arme ablegen und wird durch Sensorik unterstützt. Das System erkennt jede Bewegung und passt sich automatisch an. Es vermittelt das Gefühl von Schweben und reduziert körperliche Belastung massiv.

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ZDFheute: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Sabrina Hellstern: Die Idee kam direkt aus der Praxis.

Chirurgen sind auf uns zugekommen und haben ihre Not geschildert, dass sie unter Schmerzen arbeiten müssen.

Sabrina Hellstern

Wenn Sie heute zu Daimler oder Audi ins Werk gehen, dann haben die Arbeiter Exoskelett-Unterstützungssysteme, um Heckklappen zu montieren. Im OP-Bereich hingegen gab es bislang nichts Vergleichbares.

Die zwei Entwicklerinnen Claudia Sodha (l.) und Sabrina Hellstern stehen auf beiden Seiten des Roboters haben ihre Unterarme aufgelegt.
Quelle: ZDF

… sind die Gründerinnen von Hellstern medical, einem Unternehmen mit Standorten in Wannweil bei Reutlingen und in New York. Gemeinsam entwickeln sie technische Lösungen für die chirurgische Versorgung in Krankenhäusern. Während Sabrina Hellstern ursprünglich als Medizintechnikerin gearbeitet hat, bringt Claudia Sodha ihre Erfahrung als Ingenieurin und Betriebswirtschaftlerin ein.


ZDFheute: Was bringt noac konkret im OP?

Hellstern: Der Chirurg kann praktisch schmerzfrei, länger, präziser und fehlerfreier operieren.

Sodha: Studien zum Beispiel der Medizinischen Hochschule Hannover zeigen: Wenn Chirurgen regelmäßig kurze Pausen machen, sinkt die Fehlerquote um bis zu 67 Prozent. Nur macht das im OP-Alltag ja niemand. Unser System ermöglicht genau das - ohne den Ablauf zu stören.

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ZDFheute: Es gibt bereits OP-Roboter. Was unterscheidet noac?

Sodha: Klassische OP-Roboter decken nur etwa fünf Prozent aller Eingriffe ab und sind auf minimalinvasive Operationen beschränkt.

Hellstern: Unser System ist bei rund 95 Prozent der Operationen einsetzbar - auch bei offenen Eingriffen.

Wir ersetzen den Chirurgen nicht, sondern unterstützen ihn.

Sabrina Hellstern

Man kann sagen: Wir machen moderne Assistenz für alle verfügbar.

Sehen Sie die Doku "Digitale Kollegen im Einsatz - Wie KI und Robotik unsere Jobs verbessern" von plan ab am 26.04.2026 ab 15:30 Uhr im ZDF oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.

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ZDFheute: Wie weit ist die Entwicklung - und wo wird noac schon eingesetzt?

Hellstern: Wir haben das System in nur drei Jahren entwickelt und bereits Zulassungen in Europa, den USA und Indien. Es ist auch schon in mehreren Kliniken im Einsatz.

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Sodha: Unsere Erfindung ist gerade erst von der Nato als systemrelevant für die Wehr- und Verteidigungsfähigkeit eingestuft worden. Hellstern medical ist jetzt Teil des Nato-Innovationsprogramms DIANA. Im Juni sind wir bei einer großangelegten medizinischen Nato-Übung in Estland, wo die gesamte Rettungskette für verletzte Soldaten vom Feldlazarett, über Feldkrankenhäuser bis in die Heimat durchgespielt wird. Die Nato geht davon aus, dass wir durch noac die Anzahl der benötigten Chirurgen reduzieren können.

Das Nato-Innovationsprogramm DIANA (Defence Innovation Accelerator for the North Atlantic) fördert die Entwicklung sogenannter Dual-Use-Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Start-ups werden dabei mit Finanzmitteln, Mentoring oder Zugang zu Testzentren unterstützt- etwa in den Bereichen KI, Quantentechnologie, Biotechnologie sowie Luft- und Raumfahrt. Ziel ist es, in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben, kritische Infrastrukturen zu schützen und sich auf neue sicherheitspolitische Herausforderungen vorzubereiten.


ZDFheute: Welche Zukunftsideen gibt es noch für die Arbeit im OP?

Hellstern: Noac hebt die körperlichen Fähigkeiten des Chirurgen auf ein Niveau, das eine echte Zusammenarbeit mit Robotern und Humanoiden ermöglicht. Vollautonomes Operieren ist dagegen noch Jahrzehnte entfernt.

Unser Ansatz ist deshalb ein realistischer Zwischenschritt: der "autonome Chirurg". Ein Operateur führt die OP alleine durch, während humanoide und andere Roboter unterstützende Aufgaben übernehmen, etwa Instrumente anreichen oder Assistenzfunktionen im OP erfüllen. Das hilft, dem Fachkräftemangel in Kliniken zu begegnen, Wartezeiten zu verkürzen und die Effizienz zu steigern.

Das Interview führte Julia Disselmeyer.

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Über dieses Thema berichtet plan b in der Sendung "Digitale Kollegen im Einsatz - Wie KI und Robotik unsere Jobs verbessern", online verfügbar am 23.04.2026 um 10 Uhr, im ZDF am 26.04.2026 um 15:30 Uhr.

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