Pilotprojekt in Bremen:KI soll für mehr Sicherheit in Straßenbahnen sorgen
von Katharina Weisgerber, Bremen
Mithilfe einer KI-Überwachung soll in Echtzeit aggressives und gefährdendes Verhalten in Bremer Straßenbahnen erkannt und gemeldet werden. Seit einem Jahr läuft der Probebetrieb.
Bremen setzt zum Schutz der Passagiere in Straßenbahnen auf KI.
03.04.2026 | 1:38 minEin Mann mit Glatze ist auf dem verpixelten Video der Überwachungskamera zu sehen. Er stürmt durch den Gang der Bremer Straßenbahn, schlägt dann gegen die Scheibe der Fahrerkabine. Im selben Moment erscheint ein roter Rahmen um das Bild der Kamera. Damit ist die Leitstelle informiert und kann sofort reagieren.
"AI Watch" in Bremens Straßenbahnen
"AI Watch" heißt das System, das die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) seit einem Jahr in ihren Bahnen testet. Auf einem Computer werden die Innenaufnahmen während der Fahrt mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) in Echtzeit analysiert und mögliche Gefahrensituationen erkannt.
"Wir wollen mit dieser künstlichen Intelligenz das Sicherheitsgefühl in den Fahrzeugen erhöhen", erklärt Projektleiter Tim Weiland das Vorhaben. "Wir haben über 100 Millionen Fahrgäste im ÖPNV in Bremen und haben dort im Jahr durchschnittlich 150 Straftaten oder aggressives Verhalten mit Polizeieinsatz, was doch relativ wenig ist. Aber das Sicherheitsgefühl ist bei Umfragen sehr schlecht."
Die künstliche Intelligenz soll wie ein Wächter im Fahrgastraum sein und dem Fahrgast vermitteln: Da ist etwas, das auf mich aufpasst und im Notfall auch eine Meldung abgibt.
Tim Weiland, Projektleiter
Allein abends im Bus oder in der Bahn – für viele Frauen kein gutes Gefühl. Belästigung und Unsicherheit sind Alltagserfahrungen. ZDF-Reporterin Stefanie Hayn geht der Frage nach, ob separate Frauenabteile eine Lösung sein könnten.
05.06.2025 | 3:52 minDie Mitarbeiter der Leitstelle bewerten in Echtzeit das Bildmaterial und leiten gegebenenfalls weitere Maßnahmen ein. Wichtig dabei: Die Daten werden nicht gespeichert und die Fahrgäste sind durch Verpixelung unkenntlich gemacht, um den Datenschutz zu sichern.
KI-Training durch "Theaterfahrten"
"Die Daten werden verpixelt, damit wir der KI auch keine biometrischen Daten übermitteln", erklärt Projektleiter Weiland. "Wir haben uns eng mit dem Landesdatenschutz abgestimmt. Die Fahrzeuge sind auch entsprechend gekennzeichnet, innen und außen."
Wie bringt man einer KI Emotionen, wie etwa einen Wutausdruck oder Erschrecken bei? BSAG-Mitarbeiter, Techniker und auch Polizisten wurden dafür zu Schauspielern. Für ein rund vierstündiges Lehrvideo wurde geschubst, gerangelt, ausgeholt und auch zugelangt. Dadurch wurde die KI immer sicherer im Erkennen bedrohlicher Situationen.
In China und den USA gehören sie längst zum Straßenbild: fahrerlose Kleinbusse und Robotaxis. In Hamburg soll bald ein selbstfahrender Elektro-Bus von VW in den regulären Betrieb gehen.
17.06.2025 | 2:38 min"Die KI analysiert das gesamte Bild und berücksichtigt auch, wie die Umgebung reagiert. Die Gestik der Mitfahrer etwa. Sind sie erschrocken oder wollen sie aus der Situation fliehen? Das spielt alles eine Rolle", beschreibt Tim Weiland die Leistung des Programms.
Hätte der Fahrgast nur geklopft, etwa um zu sagen: Hey, ich will an der nächsten Haltestelle aussteigen, dann hätte die KI nicht angeschlagen.
Tim Weiland, Projektleiter
Sicherheit "Made in Bremen"
17 Straßenbahnen sind inzwischen mit dem KI-Tool ausgerüstet, bis Ende des Jahres sollen es 43 sein. Dann endet auch der Probebetrieb. Wenn alle Straßenbahnen der BSAG nach und nach ausgerüstet sind, sind die Busse dran, die längst nicht so unübersichtlich sind wie die rund 37 Meter langen Straßenbahnen.
Nach dem Tod eines Zugbegleiters gedenken Bahn, Politik und Reisende. Die Angriffe auf Bahnmitarbeitende nehmen zu – viele Fahrgäste, vor allem Frauen, fühlen sich im Zug unsicher.
05.02.2026 | 2:28 minMarcel Geißler ist seit 20 Jahren Bus- und Straßenbahnfahrer in Bremen. Brenzlige Situationen hätten in den letzten Jahren stetig zugenommen. "Ich habe hier einen Innenspiegel und eine Außenkamera. Da sieht man nicht alles, man ist also darauf angewiesen, dass Fahrgäste einem sagen: Da ist was. Gehe ich jetzt nach hinten, bringe ich mich vielleicht selbst in Gefahr. Da ist dieses System gut geeignet, um mich vorab zu warnen."
Die Leitstelle ist sofort an meiner Seite und die entscheidet, ob zum Beispiel die Polizei hinzugezogen wird.
Marcel Geißler, Bus- und Straßenbahnfahrer
Rund 10.000 Euro kostet die Ausrüstung einer einzigen Bahn mit dem KI-System "AI Watch", das von einem Bremer Start-up entwickelt wurde. Dabei kommen 80 Prozent der Investitionskosten als Förderung vom Bundesverkehrsministerium.
Ein KI-Verkehrsmanagement-Roboter ist in Ostchina in die Testphase gestartet. Die Roboter besitzen hochauflösende Kameras und Sensoren und erfassen Verkehrsverstöße sowie Fahrzeuge in Echtzeit.
03.12.2025 | 0:46 minMehr zum ÖPNV
Nachrichten | ZDF-Morgenmagazin:moma duell: Schwarzfahren als Straftat?
Video11:46Fahrendes Klassenzimmer:Elhams Traumberuf: Busfahrerin
Video1:37