Welttag des Buches:Wie KI die Buchbranche verändert
von Stephanie Gargosch
KI produziert Bücher im Akkord. Sie bringt damit die Buchbranche ins Wanken und setzt Autoren und Kreative unter Druck. Wie viel Schutz brauchen die Geschichten von Menschen?
Der Verlag von Ingo Siegner ("Der kleine Drache Kokosnuss") reicht Klage gegen OpenAI wegen Urheberrechtsverletzungen ein - Josef Drexl im Gespräch.
07.04.2026 | 8:03 minEin paar Klicks, ein kurzer Befehl an die KI, ein sogenannter Prompt, und plötzlich liegt ein Text vor, der klingt, als hätte ihn ein Mensch geschrieben. Für den Schriftsteller Markus Orths ist genau das der Moment, in dem sich etwas grundlegend verschiebt. "Da gibt es Menschen, die Bücher in 30 bis 60 Minuten herstellen und auf den Markt werfen und uns damit die Luft zum Atmen nehmen", sagt er. Was wie Fortschritt wirkt, stellt für viele Autoren die Existenz infrage.
Wenn Geschichten zur Trainingsmasse werden
Denn viele KI-Systeme schreiben nicht aus dem Nichts. Sie basieren auf bestehenden Inhalten: Büchern, Stimmen, Musik, Bildern. Oft geschieht das, ohne dass diejenigen gefragt werden, die diese Werke erschaffen haben.
Die Frankfurter Buchmesse diskutiert 2025 besonders über Künstliche Intelligenz. Die Branche sucht Antworten auf Fragen nach Originalität, Urheberrecht und Vertrauen.
18.10.2025 | 1:37 minDie Verlagsgruppe Penguin Random House hat deshalb Klage gegen das KI-Unternehmen OpenAI eingereicht. "Wir sehen Hinweise, dass Werke unserer Autorinnen und Autoren für Trainingszwecke verwendet wurden", erklärt Christian Jünger, CEO von Penguin Random House Deutschland.
Als Beispiel nennt Jünger die Reihe "Der kleine Drache Kokosnuss" von Ingo Siegner: Ein einfacher Prompt genügt, und die Künstliche Intelligenz erzeugt neue Kapitel und ein Cover, das kaum vom Original zu unterscheiden ist.
Zum Tag des Kinderbuchs am 2. April haben wir einen Blick in die Stuttgarter Stadtbibliothek geworfen – hier gibt es eine Bilderbuchlandschaft und Angebote, die Lust aufs Buch wecken.
02.04.2026 | 2:36 minGerichtliche Klagen erhöhen den Druck
Juristisch kommt seit Kurzem Bewegung in den Konflikt. In Deutschland ging die Gema 2025 gegen die Nutzung geschützter Inhalte durch OpenAI vor und konnte dabei erste Erfolge erzielen. Und in den USA reichten Autoren Klagen gegen das KI-Startup Anthropic ein, mit Teilerfolgen.
"Die Politik muss die Regeln verschärfen", fordert Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: "Es müssen Transparenzpflichten entstehen, dass man um Erlaubnis fragt und dass auch ein Anteil vom Kuchen abgegeben wird."
Sonst besteht die Gefahr, dass die Kreativbranche - das betrifft auch die Musik- und Filmbranche - zusammenbricht und die Wertschöpfungsketten nicht mehr funktionieren.
Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Der Chatbot ChatGPT von OpenAI wurde auch mit geschützten Inhalten wie Liedtexten trainiert. Das verstößt gegen das Urheberrecht, meint die Gema und hat dagegen erfolgreich geklagt.
11.11.2025 | 1:30 minZwischen Hype und Marktlogik
Der Kommunikationswissenschaftler Jakob Ohme vom Weizenbaum-Institut spricht von einem typischen Anfangseffekt. Am Anfang funktioniere vieles. Inhalte würden gekauft, oft ohne genaues Hinsehen. Doch mit der Zeit ändere sich das. Leserinnen und Leser würden sensibler, Qualität gewinne an Bedeutung.
Der Wunsch nach Echtem, nach menschlicher Wahrheit und auch nach Fehlern wird bleiben.
Jakob Ohme, Kommunikationswissenschaftler
Für den Schriftsteller Markus Orths ist das keine Entwarnung. Noch greifen seine Leserinnen und Leser zu Büchern von Menschen. Doch der Markt verändert sich - schneller als je zuvor. Am Ende steht wohl die Frage: Wie viel Regeln braucht die Buchbranche, damit sie weiter von Menschen geprägt werden kann?
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