WhatsApp, Google, Android: Big Tech dominiert den Alltag

US-Tech-Konzerne:Wie gefährlich unsere digitale Abhängigkeit wirklich ist

von Richard Luttke

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Viele Deutsche sind im Alltag stark von US-Tech-Konzernen abhängig. Experten warnen vor Risiken für ganz Europa. Welche Alternativen es gibt und wie schwer der Umstieg ist.

Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirms mit verschiedenen App-Symbolen, darunter Google, YouTube, WhatsApp, Maps, PayPal, Amazon, TikTok und ChatGPT. Die Icons sind in einem Raster angeordnet, einige mit Benachrichtigungsanzeigen. Das Bild steht sinnbildlich für die starke Präsenz großer Digitalkonzerne im Alltag.

Wie gut lässt sich auf Produkte großer US-Digitalkonzerne in der Praxis verzichten? Dafür testet WISO im Alltag für eine Woche Alternativen.

08.06.2026 | 8:07 min

Ein Leben ohne WhatsApp, Google und Co. - für viele Deutsche kaum noch vorstellbar. Gleichzeitig warnen Experten und Politiker seit langem: Neben unseren sensiblen Daten haben die großen US-Tech-Konzerne eine enorme Macht über uns. Wie jeder Einzelne privat unabhängiger werden kann, hat unser Autor recherchiert und in einem einwöchigen Selbstversuch ausprobiert.

Big Tech-Konzerne: ihre Macht und unsere Abhängigkeit

Im Alltag zeigt sich die Macht der US-Konzerne bereits in der Hosentasche: 99 Prozent der Smartphones in Deutschland laufen mit einem der zwei dominierenden Betriebssysteme: iOS von Apple und Android von Google. Bei Computern liegt Windows von Microsoft mit Abstand vorne, danach folgt Apples macOS.

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Dazu kommen zahlreiche Anwendungen: vom Messenger WhatsApp über den Kartendienst Google Maps bis hin zu Microsoft Office. Auch im Selbstversuch scheitert unser Autor daran, eine Alternative zu seinem Betriebssystem auf dem iPhone zu finden oder bei der Arbeit auf Microsoft-Programme zu verzichten. Deshalb versucht er, vor allem viele Apps durch europäische Alternativen zu ersetzen.

Gmail/Outlook: Posteo, Mailbox.org, Proton Mail
WhatsApp: Signal, Threema
Google Suche: Ecosia, Qwant, Startpage
ChatGPT: Mistral Vibe, Ecosia KI
Microsoft Office: LibreOffice
Amazon: Deutsche Onlinehändler oder Einzelhandel
PayPal: Wero, Klarna, Echtzeitüberweisung
Google Maps: HereWeGo, Organic Maps, OpenStreetMap
Windows: Linux


Wechsel zu europäischen Alternativen

Alternativen gibt es zwar für viele Anwendungen, doch führt der Umstieg von den etablierten Anbietern oft zu Problemen. Conrad Hoffmann, IT-Experte bei Topio, einem Verein zur Förderung digitaler Unabhängigkeit, erklärt, dass Hersteller den Wechsel gezielt erschweren. Sie schaffen ein nahtloses Ökosystem, das aber nur mit Produkten derselben Marke funktioniert. So siegt bei vielen Nutzern am Ende die Bequemlichkeit und sie verharren bei den US-Anbietern.

Bei Plattformen wie WhatsApp oder Instagram kommt laut Hoffmann außerdem der Netzwerk-Effekt hinzu: Der Nutzen der Apps steigt mit der Anzahl ihrer Nutzer.

Du überlegst dir jetzt, ich möchte weg von WhatsApp, aber alle deine Freunde sind dort. Und je größer die entsprechende Gruppe, desto schwieriger ist es natürlich, alle Leute wieder auf dasselbe Boot zu bekommen.

Conrad Hoffmann, IT-Experte bei Topio e.V.

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Alternativen zu US-Konzernen zum Scheitern verurteilt?

Neben diesen Effekten hält Medienwissenschaftler Martin Andree von der Universität Köln den ausbleibenden Erfolg von Alternativen für ein systemisches Problem. Denn viele der großen US-Konzerne "dominieren oft ein ganzes Dutzend an Märkten", erklärt Andree. So gehört beispielsweise zum Mutterkonzern Alphabet nicht nur die Google Suche, sondern auch die Videoplattform YouTube und das Betriebssystem Android.

In Summe entstünden laut Andree so Monopole, die dafür sorgten, dass Alternativen in diesen Bereichen nicht die nötige Finanzierung und Aufmerksamkeit bekämen. Für Nutzer sei der Umstieg entsprechend unattraktiv, vor allem, da es oft auch noch technische Hürden gebe.

Wie groß und dadurch auch mächtig die Big Tech-Konzerne sind, zeigt sich am Börsenwert der fünf Größten: Nvidia, Alphabet (Google), Apple, Microsoft und Amazon. Rund 20 Billionen US-Dollar sind sie zusammen wert.

Im Vergleich dazu kommt der gesamte DAX, bestehend aus den 40 größten deutschen Unternehmen wie Siemens oder SAP, auf rund zwei Billionen Euro.

Quelle: companiesmarketcap.com


Gefahr für Europa

Diese Situation sorgt laut Medienwissenschaftler Andree dafür, dass wir erpressbar sind. Würden die USA uns den Stecker ziehen, "bricht hier ganz viel zusammen", warnt er. Spätestens seit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ist dieses Szenario wahrscheinlicher denn je. So sprach auch Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) kürzlich in der ZDF-Sendung "frontal" von der Möglichkeit, dass die Abhängigkeit als geopolitische Waffe gegen uns eingesetzt werden könne.

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Kolumne

Auf europäischer Ebene forderte neben Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Ende letzten Jahres auf einem Digitalgipfel in Berlin: "Europa muss in vereinter Kraftanstrengung einen eigenen digitalen Weg gehen."

Raus aus der Abhängigkeit

Im Kleinen kann jeder durch die Nutzung europäischer Alternativen einen Beitrag leisten. Auch unser Autor resümiert zum Ende seines Selbstexperiments, dass er künftig vermehrt solche nutzen wird. Ein paar Apps wie WhatsApp hat aber auch er sich wieder runtergeladen - zu groß sind für ihn aktuell noch die Nachteile.

Für Digitalexperte Martin Andree ist die Stärkung der Alternativen nur ein Baustein für Unabhängigkeit. "Gleichzeitig muss die Politik auch helfen, dass diese Märkte geöffnet werden", um die Vormachtstellung der US-Konzerne zu schmälern. Passiere das nicht, würden unsere Abhängigkeit und mit ihr die Gefahren in Zukunft noch größer werden.

Richard Luttke ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete WISO am 08.06.2026 ab 19:25 Uhr.

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