Digitale Souveränität Frankreichs:KI: Mistral-Gründer will weniger Abhängigkeit von USA
Das Start-up Mistral gilt als europäische Hoffnung im Bereich Künstliche Intelligenz. Über technologische Unabhängigkeit und warum Souveränität nicht bedeutet, sich abzuschotten.
Beim Thema KI dominieren US-Player den Markt. Doch Europa will unabhängiger werden. Wie das gelingen könnte, zeigen seltene Einblicke bei Frankreichs Militär und beim KI-Riesen Mistral.
25.03.2026 | 6:32 minVor gerade einmal drei Jahren wurde Mistral AI gegründet, und schon jetzt wird sein Wert auf 12 Milliarden Euro geschätzt. Das Start-up im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) mit Hauptsitz in Paris gilt als größter europäischer Konkurrent zu internationalen Tech-Riesen.
Bekannt geworden ist das Unternehmen vor allem in Frankreich durch seinen Chatbot "Le Chat". Insbesondere aber arbeitet Mistral an angepassten KI-Lösungen bei Geschäftskunden. Der 33-Jährige Arthur Mensch ist einer der Gründer des Start-ups.
ZDFheute: Aktuell geht es viel um europäische Souveränität im Digitalbereich. Warum?
Arthur Mensch: Rund 80 Prozent der digitalen Services in Europa kommen aus den USA. Diese Abhängigkeit ist nicht wirklich akzeptabel - auf wirtschaftlicher Ebene, aber auch in Bezug auf die nationale Sicherheit von Staaten.
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10.04.2026 | 0:48 minZDFheute: Kritiker sagen: Wirklich eigenständig kann Europa gar nicht sein. Auch Hardware und Investitionen kommen beispielsweise aus den USA.
Mensch: Strategische Autonomie heißt nicht Isolationismus. Es geht um Verhandlungsmacht und strategische Hebel. Wenn man fast alles importiert, kann man keine Bedingungen stellen. Bei unseren Kunden geht es nicht darum, die Abhängigkeit von 80 auf null zu senken, sondern vielleicht auf 50 Prozent. Dafür muss man nicht die gesamte Wertschöpfungskette neu ausrichten.
ZDFheute: Wie will Mistral das schaffen?
Mensch: Wir sind in der Lage, unsere Technologie und unsere Software an die technische Infrastruktur unserer Kunden anzupassen. Mit Mistral können wir KI-Dienste für unsere Kunden außerdem völlig unabhängig von konkurrierenden Anbietern bereiben.
Wir denken also das digitale Ökosystem unser Kunden neu, was letztendlich zu besseren Preisen und mehr Widerstandsfähigkeit bei Unternehmen führt.
ZDFheute: Die USA und China scheinen deutlich mehr Geld in KI zu investieren. Wie kann man sich da behaupten?
Mensch: Wenn es in Europa einen echten Markt für europäische KI gibt, kommen auch Investitionen. In den USA war es lange der Staat, der über öffentliche Aufträge Technologie aufgebaut hat. Europa könnte das auch, aber weil es ein bisschen zu spät dran ist, importiert es digitale Produkte.
Das Problem dabei ist, dass der dadurch erzeugte Umsatz abfließt und sich in Europa kein echtes Ökosystem und Wachstum entwickeln können.
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05.02.2026 | 2:41 minZDFheute: Mistral arbeitet auch mit staatlichen Stellen, etwa im Verteidigungsbereich. Worum geht es dabei?
Mensch: Die Verteidigungssysteme von morgen sind in erster Linie Software. Dabei spielt Künstliche Intelligenz eine ausschlaggebende Rolle. Wenn man diese Systeme importieren muss, bedeutet das, dass die Exporteure kontrollieren können, was unsere Armee tun kann. Wir sehen, dass wir in vielen Situationen nicht auf einer Linie sind mit den Exporteuren der Technologie.
Künstliche Intelligenz im Verteidigungsbereich ist eine Frage der Selbstbestimmung der Völker.
ZDFheute: Ist ein Konflikt wie kürzlich zwischen der US-Regierung und Anthropic auch in Europa vorstellbar?
Mensch: Unser Geschäftsmodell funktioniert anders als das vieler Konkurrenten, wir setzen auf offene Modelle und Technologie. Die Art und Weise, wie sie angewandt werden, etwa im Militär, muss von demokratischen Staaten festgelegt werden. Wir maßen uns nicht an, der Technologie vorzuschreiben, was sie darf und was sie nicht darf. Dafür haben wir nicht die Berechtigung.
Das Interview führte Lukas Nickel aus dem ZDF-Auslandsstudio Paris, das für die Berichterstattung in Frankreich, Spanien und Portugal zuständig ist.
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