Gegründet von Peter Thiel:Trumps Pakt mit der Datenkrake Palantir
von Bettina Blaß
Das Software-Unternehmen Palantir arbeitet eng mit der US-Regierung zusammen und profitiert von Milliardendeals und minimaler Regulierung. Ein Datenimperium im Dienst der Macht?
Peter Thiel, Elon Musk, David Sacks - nur drei der Tech-Milliardäre aus dem Silicon Valley, die in Washington mitregieren. Wie konnte Big Tech derart großen Einfluss gewinnen?
11.03.2026 | 44:51 minEntwickelt, um Terroristen aufzuspüren, heute eine Datenkrake im Dienst von Donald Trumps Abschiebepolitik: die Software Palantir. Was nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA als visionäres Werkzeug zur nationalen Sicherheit begann, hat sich zu einem der mächtigsten und umstrittensten Technologieunternehmen der Welt entwickelt. Das zeigt die ZDFinfo-Dokumentation "Die Akte Trump - Macht der Tech-Giganten". Die Software wird teilweise auch von der deutschen Polizei genutzt, zum Beispiel in Hessen und Bayern.
Gegründet von Peter Thiel ist Palantir heute in den Apparat der US-Regierung eingebettet. Das führt auf der einen Seite zu immensem Reichtum, auf der anderen zu heftiger Kritik. 13 ehemalige Palantir-Mitarbeitende schrieben im Mai 2025 in einem offenen Brief:
Tech-Firmen wie Palantir tragen dazu bei, autoritäre Strukturen unter dem Deckmantel einer von Oligarchen geführten Revolution zu normalisieren. Das müssen wir stoppen.
Auszug aus dem offenen Brief an Tech-Mitarbeiter des Silicon Valley
Palantir: Mit Technologie von Paypal zum Erfolg
Die Wurzeln von Palantir liegen im Tech-Boom des Silicon Valley Anfang des Jahrtausends. eBay kaufte damals den Bezahldienst Paypal für 1,5 Milliarden US-Dollar. Den hatte einst Peter Thiel mit seiner Firma Confinity gegründet und später mit X.com von Elon Musk fusioniert. Thiel und Musk investierten das Geld in neue Projekte: Musk beteiligte sich an Tesla und gründete das Raumfahrtunternehmen SpaceX, Thiel investierte in Facebook und gründete Palantir.
Die Kernidee für Palantir entstand als direkte Reaktion auf die Anschläge von 9/11: Eine Technologie, die ursprünglich zur Aufdeckung von Betrug beim Bezahldienstleister Paypal diente, sollte nun zur Terrorabwehr eingesetzt werden. Diese Software konnte Personendaten mit Transaktionsdaten verknüpfen und so Muster erkennen, die für Sicherheitsbehörden wertvoll waren.
Baden-Württembergs Polizei will die umstrittene Software von Palantir nutzen. Mitbegründer ist der erzkonservative Unternehmer Peter Thiel. ZDFheute live ordnet die Risiken ein.
30.07.2025 | 33:58 minDer entscheidende Durchbruch gelang 2005, als die CIA während der Bush-Regierung zwei Millionen Dollar in das junge Unternehmen investierte. Seither folgten weitere Regierungsaufträge von bis zu zehn Milliarden Dollar.
Sehen Sie die Doku "Die Akte Trump - Macht der Tech-Giganten" am 20. März 2026 um 21:45 Uhr bei ZDFinfo oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Im Dienst der Einwanderungsbehörde
Sowohl unter demokratischen als auch unter republikanischen Regierungen wuchs Palantir. Doch in der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump wurde die Firma zu einem zentralen Instrument bei der Umsetzung seiner strengen Einwanderungspolitik. Seit April 2025 gibt es zwischen der US-Einwanderungsbehörde ICE und Palantir einen Vertrag über rund 60 Millionen Dollar.
Die US-Regierung scheue nicht davor zurück, technologische Abhängigkeiten als Druckmittel zu nutzen. Ein Fall sei Starlink in der Ukraine, sagt Tech-Journalist Fritz Espenlaub.
30.07.2025 | 13:35 minIn einer Stellungnahme betonte Palantir, dass die Zusammenarbeit mit ICE bereits 2011 unter der Obama-Regierung begann. Und: "Unsere Software unterstützt Regierungen dabei, politische Maßnahmen umzusetzen, die mit geltendem Recht und dem politischen Willen der Wähler im Einklang stehen - unabhängig von einer politischen Ausrichtung."
Für den ehemaligen Palantir-Mitarbeiter Juan Sebastián Pinto ist es trotzdem "einer der beängstigendsten Verträge mit einem Tech-Unternehmen, den ich je gesehen habe".
Er deckt den gesamten Verlauf der Abschiebung von Einzelpersonen ab. Von der Identifizierung und Überwachung bis hin zu ihrer Verhaftung.
Juan Sebastián Pinto, ehemaliger Palantir-Mitarbeiter
Beamte der amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE werden in Minneapolis künftig Bodycams tragen. Die Entscheidung gilt als Reaktion auf die tödlichen Schüsse bei vergangenen Protesten.
03.02.2026 | 0:21 minWirtschaftlicher Erfolg trotz Kritik
Palantir profitiert nicht nur vom Deal mit der US-Einwanderungsbehörde ICE. Ein auf zehn Jahre ausgelegter Zehn-Milliarden-Dollar-Vertrag mit dem US-Militär ließ den Aktienkurs in die Höhe schnellen. Das machte die Palantir-Aktie 2025 zu einer der lukrativsten in den USA.
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