Paypal: Schlechte Zahlen und Gerüchte um Übernahme durch Stripe

Schlechte Zahlen, Übernahmegerüchte:Wie geht's weiter mit Paypal?

Susanne Pohlmann | ZDF-Reporterin in Brüssel

von Susanne Pohlmann

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Paypal ist bei vielen Kunden beliebt. Doch die wirtschaftlichen Prognosen für 2026 sind unsicher. Wo die Probleme liegen. Welche Vorteile eine Übernahme durch Stripe haben könnte.

12.05.2022, Sachsen, Dresden: Eine Frau hält ein Smartphone mit dem Logo des Bezahldienst Paypal. (gestellte Szene)

Paypal lieferte zuletzt schwache Quartalszahlen, eine unsichere Prognose für 2026 und verfehlte Umsatzerwartungen. Nun kommen auch noch Übernahmegerüchte hinzu.

07.03.2026 | 0:36 min

Was haben das Abschiedsgeschenk für den Kollegen, der Kauf eines Bustickets und die Spende für eine Hilfsorganisation gemeinsam? Die Bezahlung über den blauen Button von Paypal. Es geht so schön schnell und einfach. Das finden insgesamt rund 7,6 Millionen Nutzer in Deutschland. Fast 30 Prozent aller Online-Umsätze laufen über den blauen Button von Paypal.

Konkurrenz für Paypal nimmt zu

Doch Paypal, einst der Prototyp des digitalen Bezahlens, hat in den vergangenen Jahren massiv an Boden verloren: durch schwache Quartalszahlen, eine unsichere Prognose für 2026 und verfehlte Umsatzerwartungen. Dazu kommt zunehmende Konkurrenz durch Apple Pay und Google Pay.

Service: Neue Bezahl-Systeme

Es sind vor allem US-amerikanische Online-Bezahl-Dienste wie Paypal, die von deutschen Verbrauchern verwendet werden. Jetzt aber wollen auch Europäer verstärkt mitmischen.

10.01.2025 | 2:41 min

Daher ließ ein kurzfristiger Kursanstieg von 6,7 Prozent beim US-Zahlungsanbieter, den die Börse Ende Februar verzeichnete, aufhorchen. Der Grund: Übernahmegerüchte durch den US-Fintechkonzern Stripe.

"Paypal schwächelt und deswegen wird Paypal jetzt interessant für alle möglichen Akteure", beobachtet Barbara Brandl, Wirtschaftssoziologin an der Goethe-Universität Frankfurt. Das gelte für Stripe, aber Brandl zufolge auch für Kreditkartenunternehmen wie Visa oder Mastercard. "Der Wettbewerb und die Gewinnmargen sind extrem hoch im Zahlungsverkehr."

Paypal hat mit Technologie nicht Schritt gehalten

Paypals Versäumnis sei, so Brandl, rechtzeitig auf den Hype von Kryptozahlung oder "Buy Now, Pay Later" (Kauf jetzt, zahl später) aufzuspringen, mit dem beispielsweise Klarna und Afterpay groß geworden sind. Paypal habe dadurch möglicherweise eine Gewinnchance liegen gelassen.

Die Gewinne im Zahlungsverkehr werden zu großen Teilen mit Überziehungszinsen gemacht, nicht über die Zahlungen an sich.

Prof. Barbara Brandl, Wirtschaftssoziologin an der Goethe-Universität Frankfurt

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Stripe auch mit Hauptsitz in Europa

Der Zahlungsdienstleister Stripe, um den es laut Medienberichten bei den Übernahmegerüchten geht, bietet seit 2010 eine Softwareplattform an, über die Unternehmen weltweit Zahlungen online, mobil und im stationären Handel akzeptieren können. Stripe wird in vielen Ländern genutzt und zählt Unternehmen wie Walmart, Amazon, Google und BMW zu seinen Kunden.

Bemerkenswert ist laut Barbara Brandl, dass Stripe im Gegensatz zu allen anderen großen Dienstleistern außer Klarna einen Hauptsitz in Europa hat. Stripe ist ein irisch-US-amerikanisches Technologieunternehmen mit zwei Hauptsitzen: San Francisco und Dublin. "Das ist in geopolitischen Krisen ja immer das Problem, dass wir nur US-amerikanische Dienstleister haben, die Zahlungen abwickeln können", erläutert Brandl. "Wenn wir jetzt einen Dienstleister hätten, der auch in Europa, sogar in der EU wäre, wäre das vielleicht gar nicht so schlecht."

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Stripe und Paypal könnten sich ergänzen

Paypal ist eine Konsumentenplattform, Stripe eine Händler- und Infrastrukturplattform. Es gäbe Möglichkeiten, bei denen sich die Unternehmen technisch ergänzen, erklärt Wirtschaftsrechtsexperte Sebastian Omlor von der Philipps-Universität Marburg. "Stripe ist stark in modularer Zahlungsinfrastruktur, Paypal im Wallet- und Konsumentenbereich. Synergien lägen vor allem bei Betrugsprävention, Datenanalyse und Checkout-Optimierung."

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Dass sich bei einer kompletten oder teilweisen Übernahme für Paypal-Kunden in Deutschland kurzfristig etwas ändern wird, erwarten weder Brandl noch Omlor. Mittelfristig, glaubt Omlor, könnten Händler von stärker gebündelten Services und verbesserten Risikotools profitieren und Verbraucher von einem nahtloseren Bezahlvorgang.

Die entscheidende Frage ist, ob Größenvorteile zu sinkenden Gebühren führen - oder ob die Marktmacht eher zu stabilen beziehungsweise höheren Preisen führt.

Prof. Sebastian Omlor, Experte für Wirtschafts- und Handelsrecht an der Philipps-Universität Marburg

Dieser Aspekt wäre für die kartellrechtliche Prüfung zentral, erläutert Omlor. Denn mit Sicherheit würden Wettbewerbshüter in den USA und Europa eine solche Unternehmens-Verbindung intensiv prüfen.

Neuer CEO seit März im Amt

Was hinter den Konzerntüren von Paypal derzeit passiert und wer tatsächlich mit wem verhandelt, ist nicht öffentlich. Auf Nachfrage des ZDF bei Paypal in den USA antwortete eine Pressesprecherin mit: kein Kommentar.

Anfang Februar trennte sich das Unternehmen von CEO Alex Chriss. Seit März bekleidet der ehemalige Verwaltungsratschef Enrique Lores dieses Amt. Er wird viel zu tun haben.

Susanne Pohlmann ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Übernahmegerüchte um Online-Bezahldienst" am 06.03.2026 um 07:21 Uhr.

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