Big Tech und autoritäres Denken:Wie Silicon Valleys Vordenker die Trump-Regierung prägen
von Cornelius Janzen
Warum feiern Tech-Milliardäre Donald Trump? Im Silicon Valley hat autoritäres Denken eine lange Tradition. Wie Ayn Rand, René Girard und Curtis Yarvin zu Vordenkern wurden.
Eine "Kulturzeit"-Reihe auf den Spuren dreier Vordenker, die den Einfluss der Tech-Branche auf die US-Politik geprägt haben. Teil 1: Ayn Rand.
12.01.2026 | 12:19 minSan Francisco. Gläserne Bürotürme, leere Straßen, selbstfahrende Robotaxis. Tausende Obdachlose leben im Schatten der Tech-Giganten. Die einstige Hochburg der Gegenkultur wirkt heute teils dystopisch. Und die kalifornische Tech-Elite unterstützt Donald Trump. Auf einer Konferenz im vergangenen Jahr erklärte Vizepräsident J.D. Vance, man wolle die Interessen der Tech-Branche mit denen der USA in Einklang bringen. Ein plötzlicher Wandel einer Branche, die einst die Welt verbessern wollte?
Für den Literaturwissenschaftler Adrian Daub ist das kein Bruch, sondern Kontinuität. Autoritäres Denken habe im Silicon Valley Tradition. "Was man im Valley Denken nennt, ist zutiefst kompatibel mit Faschismus." Auch der Kulturhistoriker Fred Turner von der Stanford Universität sieht eine lange Geschichte demokratiefeindlicher Ideen.
Die rechtsradikale Vision des Valley strebt eine autoritäre, technokratische Herrschaft an. Das Unternehmen wird zum Modell für den Staat und soll ihn irgendwann ersetzen.
Fred Turner, Kulturhistoriker an der Stanford Universität
Mittlerweile dominieren die fünf großen US-Techkonzerne die Sozialen Medien. Welchen Einfluss haben sie auf unsere Demokratie?
25.09.2025 | 41:14 minSilicon Valley: Autoritäre Grundhaltung auf Ayn Rand zurückzuführen
Diese Haltung wurzelt in der Denkweise Ayn Rands (1905 bis 1982). Die in Russland geborene Bestsellerautorin stilisierte den Unternehmer zum Helden, den der Staat in seiner Freiheit beschneidet. Sie forderte die Abschaffung des Wohlfahrtsstaates zugunsten unternehmerischer Freiheit. Im Silicon Valley finden sich Tech-Milliardäre wie Elon Musk in ihren Geschichten wieder. Auch Trump ist Ayn-Rand-Fan.
Für die Programmiererin Aya Jaff war Rand Pflichtlektüre. Als Gründerin im Valley wurde sie von Bitcoin-Investor Tim Draper gefördert. In einem Bootcamp musste sie täglich einen Freiheitsschwur ablegen. "Oft bedeutet das: Freiheit von demokratischer Kontrolle. Der Staat wird zum Feind erklärt." In ihrem Buch "Broligarchie" rechnet Jaff mit den Heilsversprechen der Tech-Elite ab.
Die Chefs der großen US-Tech-Konzerne gehören zu den reichsten Männern der Welt. Seit Trump an der Macht ist, sitzen sie sozusagen direkt im Weißen Haus - eine gefährliche Allianz.
20.05.2025 | 9:02 minTrumps US-Präsidentschaft: Abkehr von demokratischen Verfahren?
Mit Trumps Amtsantritt setzte Musk mit dem Department of Government Efficiency (DOGE) um, was viele im Valley fordern: technologische Lösungen statt demokratischer Verfahren. Die Blaupause stammt von Blogger Curtis Yarvin. Schon 2012 entwarf er das Programm "R.A.G.E." - die Entlassung aller Staatsangestellten. "Yarvin will eine Exekutive, die nicht mehr von Institutionen abhängt", sagt Daub.
Das erinnert an die Gleichschaltung in Deutschland im Jahr 1933.
Adrian Daub, Literaturwissenschaftler
Teil 3 der "Kulturzeit"-Reihe "Control. Alt. Delete": Curtis Yarvin.
12.01.2026 | 9:47 minYarvin propagiert eine "CEO-Monarchie": einen Staat ohne Verfassung und Wahlen. Unproduktive seien unerwünscht. 2008 schrieb er, ärmere Schichten könnten in Biodiesel verwandelt werden - ein Scherz, wie er sagte. Turner erinnert das an die Eugenik der Nazis. "Hier spricht man beim Abendessen über Eugenik", sagt er. In Verbindung mit Trumps offenem Rassismus, Sexismus und seiner Queerfeindlichkeit "fühlt es sich an wie 1933/34".
Palantir-Mitgründer Thiel: "Freiheit und Demokratie nicht mehr kompatibel"
Yarvin gilt als Stichwortgeber der Mächtigen. Auch Vizepräsident J.D. Vance, einst Mitarbeiter von Tech-Investor Peter Thiel, sei von ihm beeinflusst, sagt Daub. Thiel schrieb 2009: "Freiheit und Demokratie sind nicht mehr kompatibel."
Das von ihm mitbegründete Unternehmen Palantir entwickelt Software zur Verknüpfung riesiger Datenmengen. Die "New York Times" berichtete über eine zentrale Datenbank für US-Behörden, Palantir widerspricht. Turner warnt vor einem "Autoritarismus per Knopfdruck", den Trump mit einer solchen Verknüpfung von Daten realisieren könne.
Baden-Württembergs Polizei will die umstrittene Software von Palantir nutzen. Mitbegründer ist der erzkonservative Unternehmer Peter Thiel. ZDFheute live ordnet die Risiken ein.
30.07.2025 | 33:58 minThiel beruft sich auf den Philosophen René Girard. Dessen Theorie der "mimetischen Begierde" erklärt, wie Nachahmung Rivalität und Gewalt erzeugt. Thiel erkannte in Facebook ein Experimentierfeld und investierte schon früh in das soziale Netzwerk. "Er weiß, wie man mimetisches Begehren ausnutzt", sagt Daub. "Er setzt es gezielt ein, um Menschen manipulierbar zu machen." Viele Investoren im Valley teilten dieses Menschenbild: Nur die Erfolgreichsten verdienen Macht, Glück und Reichtum.
Hier treffen sich die Ideologie des Valley und die trumpistische Ideologie.
Adrian Daub, Literaturwissenschaftler
Teil 2 der "Kulturzeit"-Reihe "Control. Alt. Delete": René Girard.
12.01.2026 | 11:33 minUngleichheit in Tech-Metropole San Francisco
Die Folgen sind sichtbar. Milliardenprofite hier, wachsende Armut dort. Über 8.000 Menschen leben in San Francisco auf der Straße. Ayn Rands Lehre, den Armen am besten zu helfen, indem man selbst keiner wird, prägt die Region bis heute. "Die Tech-Industrie schafft extreme Ungleichheit", sagt Turner.
Wir belohnen wenige Oligarchen, die das politische System manipulieren, um ihre Macht zu sichern.
Fred Turner, Kulturhistoriker an der Stanford Universität
Das Silicon Valley versprach Fortschritt - und führte in eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt.
Cornelius Janzen ist ZDF-Redakteur und Reporter für 3sat Kulturzeit.
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