Werbeanzeigen bei ChatGPT:Ex-OpenAI-Mitarbeiterin befürchtet Datenmissbrauch
von Niklas Landmann
OpenAI testet Werbung in ChatGPT. Eine frühere Mitarbeiterin warnt vor dem möglichen Missbrauch von Nutzerdaten. Die Forscherin sieht Gefahren einer neuen Form der Manipulation.
OpenAI hat begonnen, testweise Werbung in ChatGPT einzublenden - zunächst nur in den USA. Hintergrund sind stark gestiegene Kosten des KI-Unternehmens.
12.02.2026 | 0:17 minDie KI-Firma OpenAI will Werbeanzeigen bei ChatGPT schalten. Die ehemalige Mitarbeiterin Zoë Hitzig hat deshalb ihren Job gekündigt. In ihrem Gastbeitrag für die "New York Times" kritisiert die Forscherin die neue Finanzierungsstrategie scharf und befürchtet in der Zukunft einen Missbrauch von Kundendaten.
Seit mehreren Jahren haben ChatGPT-Nutzer ein Archiv menschlicher Offenheit geschaffen, das seinesgleichen sucht, auch weil die Menschen glaubten, mit etwas zu sprechen, das keine Hintergedanken hatte.
Zoë Hitzig, frühere Mitarbeiterin bei OpenAI
Viele Nutzer erzählen Chatbots wie ChatGPT etwa von ihren persönlichen Ängsten oder Beziehungsproblemen. "Werbung, die auf diesem Archiv aufbaut, birgt das Potenzial, Nutzer auf eine Weise zu manipulieren, die wir nicht verstehen und schon gar nicht verhindern können", warnt Hitzig.
Ich glaube nicht, dass Werbung unmoralisch oder unethisch ist. Der Betrieb von KI ist teuer, und Werbung kann eine wichtige Einnahmequelle sein. Aber ich habe große Vorbehalte gegenüber der Strategie von OpenAI.
Zoë Hitzig, frühere Mitarbeiterin bei OpenAI
Der Chatbot ChatGPT von OpenAI wurde auch mit geschützten Inhalten wie Liedtexten trainiert. Das verstößt gegen das Urheberrecht, meint die Gema und hat dagegen erfolgreich geklagt.
11.11.2025 | 1:30 minOpenAI: Anzeigen haben keinen Einfluss auf ChatGPT-Antwort
OpenAI testet Anzeigen zunächst bei kostenlosen und vergünstigten Abonnements in den USA. Das Unternehmen betont zwar, Anzeigen in ChatGPT sollten keinen Einfluss auf die Antworten des Chatbots haben und klar als Werbung gekennzeichnet sein. Die Forscherin befürchtet aber, dass die KI-Firma sich in Zukunft von den eigenen Grundsätzen verabschieden könnte. "Ich glaube, dass die erste Version der Anzeigen wahrscheinlich diesen Grundsätzen entsprechen wird."
Ich befürchte jedoch, dass dies bei späteren Versionen nicht mehr der Fall sein wird, da das Unternehmen einen Wirtschaftsmotor aufbaut, der starke Anreize schafft, seine eigenen Regeln zu umgehen.
Zoë Hitzig, frühere Mitarbeiterin bei OpenAI
So habe beispielsweise auch Facebook seinen Kunden in den Anfangsjahren Datenschutz versprochen, diese Zusagen aber schrittweise aufgeweicht, schreibt Hitzig.
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04.02.2026 | 1:12 minHitzig: KI-Branche braucht Strukturen für Datenschutz
Die Forscherin betont, es gebe Alternativen zu teuren Bezahlmodellen oder einem werbefinanzierten System, in dem sensible Nutzerdaten missbraucht werden könnten. "Tech-Unternehmen können Optionen verfolgen, die diese Tools allgemein verfügbar halten und gleichzeitig die Anreize für Unternehmen begrenzen, ihre Nutzer zu überwachen, zu profilieren und zu manipulieren", erklärt sie.
Es geht darum, ob wir Strukturen entwickeln können, die sowohl den Ausschluss von Menschen von der Nutzung dieser Tools als auch deren potenzielle Manipulation als Verbraucher vermeiden.
Zoë Hitzig, frühere Mitarbeiterin bei OpenAI
Stattdessen schlägt Hitzig Alternativen vor, wie Quersubventionierungen durch Geschäftskunden, unabhängige Aufsichtsgremien für Werbe- und Datennutzung oder Treuhandmodelle für Nutzerdaten. "Was die KI-Branche braucht, ist eine Kombination dieser Ansätze - ein Gremium, dem sowohl unabhängige Experten als auch Vertreter der Menschen angehören, deren Daten auf dem Spiel stehen", meint die Forscherin.
Ein solches Gremium müsse verbindliche Entscheidungsbefugnisse darüber haben, welche Gesprächsdaten für gezielte Werbung verwendet werden dürfen, was als wesentliche Änderung der Richtlinien gilt und was den Nutzern mitgeteilt wird.
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