Abhängigkeit von US-Software: Wie wird Deutschland souveräner?

Abhängigkeit von US-Software :Die Achillesferse der deutschen Verwaltung

Marie Scholl

von Marie Scholl

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In Deutschland wächst die Sorge vor Abhängigkeit von US-Software. Die Tech-Giganten aus den USA wirken übermächtig. Doch ein Bundesland zeigt: Es gibt Alternativen.

Computerkabel stecken in einem Server eines Bürorechners.

Als erstes Bundesland setzt Schleswig-Holstein auf Open-Source-Software – und kündigt Microsoft. Denn Clouds von US-Firmen sind für deutsche Behörden ein Sicherheitsrisiko.

07.02.2026 | 3:20 min

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie kommen ins Büro, fahren den Computer hoch, wollen sich in Ihre Mails einloggen. Normalerweise sind morgens schon ein paar Nachrichten eingetrudelt - aber heute: nichts.

Der Grund: Ihr Arbeitgeber wurde mit US-Sanktionen belegt. Und die verbieten US-Techunternehmen, Ihnen in Deutschland Dienstleistungen bereitzustellen.

Worst Case: Kein Zugriff mehr auf US-Technologie

US-Präsident Donald Trump setzt Europa unter Druck - und dreht uns die digitale Leitung ab. Zugespitzt formuliert bereitet dieses Szenario aktuell einigen europäischen Unternehmen und Behörden Sorge.

Eingetreten ist das bisher nicht - aber: "Im Worst Case wäre es theoretisch möglich, dass infolge von US-Exportkontrollbeschränkungen die Nutzung von Software nicht mehr möglich ist, weil Technologie nicht mehr nach Europa exportiert werden kann", sagt Dennis-Kenji Kipker vom Cyberintelligence Institute.

Nahaufnahem des Gesichts von Donald Trump

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05.12.2025 | 2:55 min

Schleswig-Holstein will unabhängig werden

Bis dahin will die CDU-geführte Landesregierung in Schleswig-Holstein nicht warten. Als erstes Bundesland verbannt sie hier Microsoft-Programme fast vollständig aus den Behörden.

Bürosoftware kommt nun aus Deutschland, "weil sich staatliche Souveränität nicht mehr nur an militärischer Stärke oder der Durchsetzungsfähigkeit von Recht und Ordnung im Innern entscheidet, sondern an der Frage, wie wir unsere IT-Systeme selbst bestimmen können", erklärt Digitalminister Dirk Schrödter.

Microsoft: Unangefochtener Platzhirsch

Der Schritt weg von Microsoft ist bisher einzigartig. Die Marktmacht des Konzerns ist groß: Berechnungen zufolge liegt der Marktanteil in Deutschland bei über 90 Prozent im Bereich Office. Der Bund gab 2024 mehr als 200 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen aus.

Langer Gang eines Rechenzentrums.

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Sorge vor Datenabfluss

Ein weiterer Grund für den Wechsel in Schleswig-Holstein: Einem Gutachten der Uni Köln für das Innenministerium zufolge können US-Behörden mit Hilfe verschiedener Gesetze auf Daten in Clouds US-amerikanischer Anbieter zugreifen - selbst, wenn diese Daten auf Servern in der EU liegen.

Daten, die beim Staat liegen, Steuerdaten, Justizdaten, in einer Hersteller‑Cloud wie von Microsoft zu haben, ist ein Problem.

Dirk Schrödter, Digitalminister in Schleswig-Holstein

Microsoft widerspricht und betont, Kundendaten zu schützen, sollten US-Behörden Zugriff verlangen. Man könne Daten zudem so verschlüsseln, "dass selbst wir sie nicht mehr lesen können", so ein Sprecher. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik erlaubt Behörden die Nutzung solcher Clouds und arbeite an "Kontrollschichten", die unerwünschten Zugriff unmöglich machen sollen.

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Schrödter reicht das nicht. Er ist überzeugt, dass Open-Source-Lösungen Abhängigkeiten vollständig auflösen können. Bei Open Source kontrolliert nicht der Hersteller den Code - jeder kann ihn einsehen und verändern.

Es gibt Alternativen

Für Office-Anwendungen, Betriebssysteme oder Cloud-Angebote existieren bereits solche Open-Source- oder europäischen Alternativen.

Das Problem ist oft, dass sie IT-Beschaffern nicht so bekannt sind, weil die Marketingbudgets geringer sind.

Dennis-Kenji Kipker, Cyberintelligence Institute

Eine solche Alternative kommt vom Zentrum für digitale Souveränität (ZenDiS): einer extra Bundes-GmbH, die Bund, Länder und Kommunen aus kritischen Abhängigkeiten lösen soll.

ZenDiS bietet mit "OpenDesk" eine eigene Office-Alternative. Die Nachfrage sei groß: etwa in Gesundheitsämtern, dem Kultusministerium Baden-Württemberg oder dem Bundesdigitalministerium. Auch der Bundestag sucht Alternativen zu US-Software.

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Keine länderübergreifende Strategie

In Schleswig-Holstein sind bisher rund 44.000 Mailaccounts von Outlook auf unabhängige Software umgezogen. Windows läuft noch, soll aber bald durch eine Linux-Lösung ersetzt werden.

Während der Norden vorprescht, setzt Bayern etwa auf "einen ausgewogenen Mix aus Open Source (…) und Standardsoftware". Eine länderübergreifende Strategie fehlt. Doch der raue transatlantische Wind könnte noch andere zur Veränderung antreiben.

Marie Scholl ist Reporterin beim ZDF heute journal.

Über dieses Thema berichtet das heute journal, online verfügbar am 07.02.2026 ab 7:51 Uhr, im ZDF am 09.02.2026 ab 21:45 Uhr.

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