Digitale Souveränität: Deutschlands Abhängigkeit von der US-Cloud

Interview

Abhängigkeit von US-Tech-Firmen:Deutschland ist "überhaupt nicht digital souverän"

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Wie sicher sind Daten in den Händen der US-Tech-Giganten? Nun bieten sie Clouddienste mit Standort in Deutschland an. Experte Beckedahl erklärt, welchen Unterschied das macht.

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In Brandenburg entsteht eine neue Cloud-Infrastruktur von Amazon, um europäische Unternehmen unabhängiger von US-Anbietern zu machen. Der europäische Markt wird bisher von US-Konzernen dominiert.

15.01.2026 | 1:41 min

ZDFheute: Was halten Sie davon, dass Tech-Giganten, wie die Amazon-Tochter AWS, in Europa Server-Kapazitäten aufbauen?

Markus Beckedahl: Die großen Tech-Konzerne aus den USA bemühen sich, ihre Marktanteile und ihre Dominanz in den IT-Infrastrukturen bei uns zu halten und sie versuchen mithilfe von Souveränitäts-Washing zu garantieren, dass alles in Ordnung sei und wir ihnen vertrauen könnten. Aber das ist nicht der Fall.

ZDFheute: Wie sicher sind die Daten in der Hand von US-Tech-Giganten, wenn sie in Deutschland verwaltet werden?

Beckedahl: Man kann sich ja vorstellen, wie die Amazon-Mutterfirma entscheiden wird, wenn Donald Trump im Hintergrund sagt: "Also schöne deutsche Tochterfirma, ihr habt da deutsche Gesetze, aber ich will jetzt mal diese Daten haben."

ZDFheute: Es wird argumentiert, dass auf die Daten nicht zugegriffen werden kann.

Beckedahl: Ich zweifle erstmal an, dass es vollkommen gewährleistet ist, dass US-Sicherheitsbehörden und Geheimdienste nicht darauf zugreifen können und wir haben noch ein weiteres Problem der sogenannten Exportkontrollen. Donald Trump kann jederzeit willkürlich Sanktionen wegen einer diffusen nationalen Sicherheitslage erheben.

France's President Emmanuel Macron (R), German chancellor Friedrich Merz and Managing director and Head of Europe at General Catalyst Jeannette zu Fürstenberg attend a meeting with investors at the EU AI Champions Initiative at a summit on Europe's technological sovereignty, on November 18, 2025 in the EUREF Campus in Berlin. The German Chancellor and the French President will join forces to push for greater European digital "sovereignty" and less dependence on US tech titans as the AI race gathers pace.

Politisch scheint sich die Welt neu zu ordnen - und dazu die digitale Herausforderung durch KI. Wie unterschiedlich gehen Europa und die USA um mit dieser technischen Revolution?

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Sie können dazu führen, dass Amazon beispielsweise keine Updates mehr für europäische Rechenzentren einspielen kann. Und sobald ihr Rechenzentrum, ihre Cloud-Lösung keine Updates mehr für Sicherheitslücken bekommt, sind die Tore sperrangelweit geöffnet, die Cloud ist unsicher und sie müssen sie sofort runternehmen.

ZDFheute: Die Schwarz-Gruppe (zu ihr gehört Kaufland und Lidl), baut ein Rechenzentrum in der Lausitz - wäre das digital souverän?

Beckedahl: Die Schwarz-Gruppe hat natürlich den Vorteil, dass sie ein europäisches Unternehmen ist. Allerdings hat die Schwarz-Gruppe auch die Herausforderung, dass sie teilweise in ihren Geschäftsmodellen auch auf Google-Software aufsetzt und da bleibt dasselbe Problem mit den Exportkontrollen.

Markus Beckedahl
Quelle: dpa

... ist Autor, Blogger, Journalist und Experte für Netzpolitik und Datenschutz. Er gründete das Blog netzpolitik.org, das 2014 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde, und hat die Konferenz re:publica mitbegründet.


Das heißt auch hier kann Donald Trump jederzeit über Sanktionen verfügen, dass Updates nicht mehr eingespielt werden können und die Cloud-Infrastrukturen auf Basis von Google-Software bei uns nicht mehr funktionieren könnten. Das könnte die Schwarz-Gruppe natürlich umgehen, indem sie auch beispielsweise Open-Source-Software und offene Standards einsetzt, die unabhängig von amerikanischen Unternehmen funktionieren.

thomas-jarzombek

Frankreich und Deutschland haben zu einem Gipfeltreffen für "digitale Souveränität" in Europa nach Berlin eingeladen. "Verglichen mit den USA sind wir nicht da, wo wir sein müssten", so Staatssekretär Thomas Jarzombek (CDU).

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ZDFheute: Wie digital souverän ist die Bundesrepublik?

Beckedahl: Wir haben das Problem, dass wir überhaupt nicht digital souverän sind. Wir haben uns bei den ganzen digitalen Infrastrukturen abhängig gemacht von wenigen Unternehmen und die wiederum fast ausschließlich in den USA ihren Sitz haben.

ZDFheute: Wann könnten wir digital souverän sein?

Beckedahl: Wenn die Bundesregierung beispielsweise heute einen Großteil unserer durch Steuermittel getätigten Ausgaben für IT-Infrastrukturen umleiten würde, weg von wenigen US-Unternehmen, hin zu Lösungen, die open source sind, die von europäischen Mittelständlern oder größeren Konzernen auch betrieben werden.

Dann haben wir einen Lenkungseffekt, der dazu führen kann, dass unsere Infrastrukturen, unsere Ökosysteme, unsere Wirtschaft in der Europäischen Union unabhängiger, besser wird - und wir Produkte auch finanziert und entwickelt bekommen, die es mit den großen Platzhirschen von heute aufnehmen können.

ZDFheute: Als Firma, wie sollte man vorgehen?

Beckedahl: Als Unternehmen würde ich mir die Frage stellen, wie kann ich Infrastrukturen betreiben, aufbauen, weiterentwickeln, die von der Willkür von Donald Trump unabhängig sind.

Und dafür gibt es immer mehr europäische Wettbewerber, die auch Open-Source-Lösungen, die offene Standards anbieten, wo ich mehr Wahlfreiheit habe, wo ich die Kontrolle über meine eigenen Infrastrukturen habe, und das Risiko minimiere, quasi erpressbar zu werden.

Das Interview führte Katrin Lindner.

Über dieses Thema berichtete heute am 15.01.2026 ab 19 Uhr.
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