Wegen Vorbehalten gegen US-Konzerne:Amazon-Tochter AWS investiert in Cloud für Europa
Die Amazon-Tochter AWS hat in Brandenburg ein Rechenzentrum für Europa in Betrieb genommen. Mit dem Projekt reagiert der Cloud-Anbieter auf Vorbehalte gegen US-Konzerne.
In Brandenburg entsteht eine neue Cloud-Infrastruktur von Amazon, um europäische Unternehmen unabhängiger von US-Anbietern zu machen. Der europäische Markt wird bisher von US-Konzernen dominiert.
15.01.2026 | 1:41 minDer weltgrößte Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS) hat am Donnerstag in Potsdam ein Rechenzentrum ausschließlich für Europa in Betrieb genommen.
Die Server der neuen AWS European Sovereign Cloud seien physisch und rechtlich von den Rechnern des Mutterkonzerns getrennt. Dadurch soll eine größere technologische Unabhängigkeit von den USA gewährleistet werden.
Merz und Macron sprechen beim Digitalgipfel in Berlin über digitale Autonomie und europäische Zusammenarbeit – auch bei Verteidigung und KI, um Europas Souveränität zu stärken.
18.11.2025 | 3:12 minDer Betrieb dieser Cloud ist den Angaben zufolge auch dann gesichert, wenn die Internet-Verbindungen zwischen den USA und der EU getrennt würden oder die USA den Export von Software untersagen würden.
Digitalminister Wildberger lobt AWS-Investition in Brandenburg
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) begrüßte das Projekt. Das AWS-Engagement "stärkt die Position Deutschlands als europäischer Knotenpunkt für digitale Infrastruktur und sendet ein klares Signal für die Attraktivität unseres Landes für zukunftsweisende Investitionen", sagte Wildberger.
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18.11.2025 | 2:12 minDagegen sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD, Johannes Schätzl, mit Blick auf die Frage der Datensouveränität Deutschlands der Nachrichtenagentur Reuters:
Dies ist mit Sicherheit kein Schritt in die richtige Richtung.
Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD
Schon die Ankündigung der Investitionen von 7,8 Milliarden Euro hatte eine Debatte um die digitale Souveränität Europas ausgelöst.
"Cloud Act" verpflichtet US-Firmen zur Datenweitergabe
Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump sind Befürchtungen in den Fokus gerückt, US-Behörden könnten sich Zugriff auf Daten europäischer Firmen verschaffen. Der "Cloud Act" verpflichtet US-Firmen dazu, US-Behörden auch dann Einblick zu gewähren, wenn die Informationen außerhalb der USA
gespeichert werden.
Richter Nicolas Guillou vom Internationalen Strafgerichtshof ist nach seinem Haftbefehl gegen Netanjahu sanktioniert worden. Die USA haben sein digitales Leben ausgelöscht.
05.12.2025 | 2:55 minDer SPD-Politiker Schätzl sieht hier trotz der Freude über die neuen Investitionen eine Gefahr bei der
Nutzung von Cloud-Angeboten von US-Konzernen:
Was passiert, wenn US-Präsident Trump per Dekret sagt, 'Ihr müsst die Cloud abschalten?'
Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD
Viele ausländische Cloud-Nutzer stellen sich die Frage, ob ihre Daten bei den sogenannten Hyperscalern Google, AWS und Microsoft sicher sind. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom ist für fast zwei Drittel der Unternehmen bei der Auswahl ihres Cloud-Angebots mit ausschlaggebend, dass die entsprechenden Rechenzentren in Deutschland oder der EU stünden.
Deutsche Firmen entwickeln Alternativen zu US-Produkten
Deutsche Unternehmen wollen deshalb vom Trend zu einer stärkeren digitalen Eigenständigkeit profitieren. So rüstet die Deutsche Telekom eines ihrer Rechenzentren mit Tausenden Spezialprozessoren auf, um eine industrielle KI-Cloud anzubieten.
Zudem bietet etwa der Webhoster und Cloud-Anbieter Ionos in Zusammenarbeit mit der deutschen Softwarefirma Nextcloud eine Alternative zur Bürosoftware Office des US-Konzerns Microsoft an.
Nicolas Guillou, Richter am Internationalen Strafgerichtshof, wird von der US-Regierung mit Sanktionen belegt. Das hat drastische Folgen: Er verliert Zugang zu Online-Diensten von US-Anbietern.
04.12.2025 | 50:16 minBSI: AWS-Investitionen stärken Digitalindustrie
Der US-Onlinehändler Amazon betont, dass die neuen AWS-Rechenzentren von einer deutschen Firma betrieben und überwacht werden. Deren Geschäftsführung und Beirat seien mit EU-Bürgern besetzt, sagte Michael Hanisch, Technologiechef bei AWS Deutschland, in einem Reuters-Interview.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) betonte, dass man AWS beim Aufbau der europäischen Cloud unterstütze. Erstens müssten der europäische Markt und die hiesige Digitalindustrie gestärkt werden, sagte BSI-Präsidentin Claudia Plattner. Zweitens müssten außereuropäische globale Produkte "so angepasst und eingebettet werden, dass eine sichere und selbstbestimmte Nutzung möglich wird".
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