Streit um Anthropic: Hilft Deutschland dem KI-Internehmen?

Streit um US-Unternehmen eskaliert:Rettet Deutschland die Anthropic-KI vor Trump?

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Es herrscht Aufruhr auf dem KI-Markt. Das Unternehmen Anthropic hat sich mit Donald Trump überworfen und steht jetzt vor Problemen. Eine Idee aus der SPD könnte die Firma retten.

Die Anthropic-Website und das Firmenlogo werden am Donnerstag, dem 26. Februar 2026, auf einem Computerbildschirm in New York angezeigt.

Der SPD-Digitalexperte Matthias Mieves fordert, das KI-Unternehmen Anthropic nach Europa zu holen. Er sieht darin eine Chance für mehr digitale Souveränität.

03.03.2026 | 0:32 min

Das KI-Unternehmen Anthropic hat mit seinem Sprachmodell "Claude" weltweit Schlagzeilen gemacht. Besonders gelobt werden unter anderem die menschliche Ausdrucksweise und die Programmierfähigkeiten des Modells.

Auch das US-Verteidigungsministerium setzte bis zuletzt auf den ChatGPT-Konkurrenten. Unter anderem soll die Software bei der Entführung des venezolanischen Ex-Präsidenten Nicolás Maduro im Einsatz gewesen sein.

Anthropic-Forderung sorgt für Wut bei Trump

Anthropic wollte dem jetzt Grenzen setzen. Die Technik solle nicht für "Massenüberwachung" in den USA und für vollautonome Waffensysteme genutzt werden. Das schreibt Anthropic-CEO Dario Amodei in einem Statement.

In einigen wenigen Fällen glauben wir, dass KI demokratische Werte eher untergraben als verteidigen kann.

Dario Amodei, CEO Anthropic

Zudem seien "einige Anwendungen" noch "außerhalb der Grenzen dessen, was die heutige Technologie sicher und zuverlässig leisten kann", so Amodei. Diese Äußerungen führten zum Bruch mit der US-Regierung. US-Präsident Donald Trump wies daraufhin alle US-Behörden an, die Technik von Anthropic nicht mehr zu nutzen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika werden niemals zulassen, dass ein radikal linkes Woke-Unternehmen diktiert, wie unser großartiges Militär Kriege führt und gewinnt!

Donald Trump, US-Präsident

Auf Anthropic folgt im US-Verteidigungsministerium jetzt wohl der Chatbot "ChatGPT", vom US-Unternehmen OpenAI, auch wenn die Firma von CEO Sam Altman ähnliche Grenzen für den Einsatz der eigenen Software gezogen hat. US-Bürger dürfen beispielsweise "nicht absichtlich" mithilfe von OpenAI-Technik überwacht werden, so Altman auf X.

KI-Waffen

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SPD-Politiker will KI-Firma nach Europa holen

Das Unternehmen stehe jetzt unter "massivem Druck", sagt KI-Experte Daniel Abbou. An diesem Beispiel sehe man, "wie erpressbar amerikanische Tech-Konzerne sind", so der Geschäftsführer des KI-Bundesverbands gegenüber ZDFheute.

Der SPD-Digitalpolitiker und Bundestagsabgeordneter Matthias Mieves schlägt deshalb vor, die Firma doch nach Europa zu "holen". Das fordert er in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU), der ZDFheute vorliegt.

Ein solcher radikaler Schritt böte Überlebenschancen für beide Seiten.

Matthias Mieves (SPD), Mitglied im Digitalausschuss

Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, nimmt während der Eröffnung der KI-Fabrik «Industrial AI Cloud» der Telekom und NVIDIA an einer Pressekonferenz teil.

Die Deutsche Telekom hat gemeinsam mit dem amerikanischen KI-Chip-Hersteller Nvidia in München eine neue KI-Fabrik eröffnet – laut eigener Aussage eine der größten in Europa.

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Antrophic in Europa: Chance für beide Seiten?

Anthropic könne sein Geschäftsmodell ausgerichtet auf "menschenzentrierte, vertrauenswürdige KI" in Europa unter "optimalen Rahmenbedingungen" fortsetzen. Als neuen Standort schlägt Mieves entweder Berlin, Paris oder München vor. In diesen Städten gäbe es die "besten Standortbedingungen".

Doch auch Europa würde von dieser "einmaligen Chance" profitieren. Mit Anthropic wäre es möglich, "eine große Lücke in der KI-Wertschöpfung zu schließen und einen wesentlichen Beitrag zur digitalen und technologischen Souveränität zu leisten", so der Digitalpolitiker. Um das zu finanzieren, bringt Mieves sogar "Euro-Bonds", also gemeinsame EU-Schulden, ins Spiel.

Kuenstliche Intelligenz,KI,Open AI,Chat GPT,ChatGPT,

Künstliche Intelligenz stellt die Arbeitswelt auf den Kopf. Experten schätzen, dass rund 800.000 Jobs wegfallen könnten, jedoch auch ähnlich viele neue entstehen.

28.11.2025 | 1:18 min

Experte: Vorschlag "nicht realistisch"

KI-Experte Abbou bezeichnet die Idee zwar als "sehr sympathischen Vorschlag", hält ihn aber für "nicht realistisch". In der EU gäbe es noch immer zu viele Standortnachteile für KI-Unternehmen, die eine Ansiedlung von Anthropic verhindern würden.

Die größten Probleme des europäischen Standorts sind zum einen die Bürokratie, zum anderen der Zugang zu Investorengeldern. Das ist in den USA deutlich einfacher.

Daniel Abbou, Geschäftsführer KI-Bundesverband

Ein Sprecher der Bundesregierung wollte den Vorschlag auf Anfrage von ZDFheute nicht kommentieren. Man arbeite aber konsequent daran, Deutschland als "attraktiven Standort für Forschung, Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz zu stärken" und "exzellente Rahmenbedingungen für KI-Entwicklerinnen und -Entwickler zu schaffen."

Aktuell gibt es in Europa mit Mistral nur ein konkurrenzfähiges KI-Unternehmen. Doch auch an der französischen Firma sind viele US-Investoren beteiligt, so Experte Abbou. Europäische Souveränität bleibt also vorerst ein hehres Ziel.

Über dieses Thema berichtete das ZDF am 03.03.2026 um 11:45 Uhr in dem Beitrag: "SPD-Experte will Anthropic nach Europa holen".

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