Künstliche Intelligenz an der Börse: Boom, Blase - oder beides?

Milliarden-Investitionen:Künstliche Intelligenz: Boom, Blase oder beides?

von Nils Mooney

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Beim Thema Künstliche Intelligenz entsteht ein neuer Investitionshype, Milliarden werden in KI-Projekte gesteckt. Doch Experten sehen Parallelen zur Dotcom-Blase.

KI-Fabrik der Deutschen Telekom in München

Hunderte Milliarden fließen in KI, doch Investoren zweifeln am Ertrag. Experten warnen: Sollte die Blase platzen, drohen der Weltwirtschaft weitreichende Folgen.

26.02.2026 | 3:16 min

Schon die Namen der Projekte sollen wohl ein Zeichen setzen: Colossus, Hyperion, Stargate. Riesige Datenzentren-Komplexe, die in beachtlichem Ausmaß gebaut werden. Das Ziel: Die eigenen KI-Modelle zu trainieren, um mit der besten, schnellsten KI die Konkurrenz in den Schatten zu stellen.

Künstliche Intelligenz: "Größer als die industrielle Revolution"

Das ist teuer. Hunderte Milliarden werden in die Bauprojekte gesteckt. Ein Großteil der Investitionen kommt von einer Handvoll Konzernen in den USA. "Und der Trend nimmt auch nicht ab", sagt Prof. Ulrike Malmendier, Ökonomin an der Universität Berkeley. Die angekündigten Ausgaben der Tech-Riesen für 2026 übertreffen die des vergangenen Jahres zum Teil um das Doppelte.

Es ist das am schnellsten wachsende Gewerbe in der Menschheitsgeschichte. Größer als die Eisenbahn, größer als die industrielle Revolution.

Larry Ellison, CEO von Oracle

Das Resultat ist ein regelrechter Boom. Doch Investitionen müssen sich rechnen. Mit steigenden Ausgaben kommt die Frage auf, wann steigende Einnahmen folgen.

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Künstliche Intelligenz stellt die Arbeitswelt auf den Kopf. Experten schätzen, dass rund 800.000 Jobs wegfallen könnten, jedoch auch ähnlich viele neue entstehen.

28.11.2025 | 1:18 min

Experten: Berechtigte Ängste vor Finanzblase

Noch können die bekannten großen KI-Modelle häufig gratis genutzt werden, obwohl die Rechenleistung - und damit die Kosten - beachtlich sind. Inwiefern diese KI-Modelle in Zukunft gewinnbringend sein können, ist unklar.

Wächst das Produkt im Sinne, wird es gewinnträchtiger, können wir es monetarisieren? Da steht immer noch eine große Frage im Raum.

Prof. Ulrike Malmendier, Ökonomin an der Universität Berkeley

Zweifel schüren Ängste vor einer Blase, die platzen könnte. Einem Crash, der Kettenreaktionen an den Finanzmärkten nach sich ziehen könnte. Prof. Markus Brunnermeier ist Ökonom an der Princeton-Universität und Experte für Finanzblasen. Im KI-Hype sieht er einige Anzeichen für eine Blase.

FRANCE-TECHNOLOGY-AI-OPENAI

OpenAI hat begonnen, testweise Werbung in ChatGPT einzublenden – zunächst nur in den USA. Hintergrund sind stark gestiegene Kosten des KI-Unternehmens.

12.02.2026 | 0:17 min

Etwa in sogenannten Ringkäufen. Ein Beispiel: Der Chiphersteller Nvidia kündigte an, 100 Milliarden Dollar in OpenAI - den Entwickler von ChatGPT - zu investieren. Geld, mit dem OpenAI dann von Nvidia Chips für neue Rechenzentren kaufen soll. "Im Endeffekt finanziert Nvidia die eigenen Verkäufe durch diese Transaktion", sagt Brunnermeier.

Es fließt an sich kein Geld von Nvidia zu OpenAI. Es wird an sich nur eine Zahl erfunden und die kann […] nicht ganz beliebig, aber zu einem großen Grad beliebig erfunden werden.

Prof. Markus Brunnermeier, Ökonom an der Princeton-Universität

Ein Warnsignal sei auch, dass jene KI-Firmen, die noch nicht börsennotiert sind, nun an die Börse zu drängen scheinen, wie auch zunehmende Volatilität - stark schwankende Aktienkurse. Ein genauer Zeitpunkt, an dem eine Blase platzen könnte, sei schwer vorherzusagen.

Das ist ein bisschen wie Cholesterin. Der Arzt kann sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass du einen Herzinfarkt bekommst, ist hoch, weil du hohes Cholesterin hast. Aber wann genau der Herzinfarkt kommen wird, ist an sich sehr schwierig zu sagen.

Prof. Markus Brunnermeier, Ökonom an der Princeton-Universität

Gita Gopinath, eine ehemalige Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds, errechnete in einem Artikel für "The Economist" einen möglichen weltweiten Schaden von 35 Billionen US-Dollar, sollte eine Blase so platzen, wie es im Dot-Com-Crash der Fall war.

Dot-Com-Déjà-vu?

Börsencrashs haben verschiedene Ursprünge: Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie sind ein Beispiel - ein kollabierender Immobilienmarkt in den USA im Zuge der Finanzkrise ein besonders drastisches.

Ende der 1990er Jahre begeisterte das Internet als vielversprechende Technologie die Investoren. Firmen erhielten riesige Geldsummen in Erwartung enormer Gewinne, doch die blieben aus. Unternehmen gingen Bankrott, Aktiengewinne verpufften und erholten sich über Jahre nicht.

ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller

Vor allem die Künstliche Intelligenz hat die Wirtschaft im Jahr 2025 angekurbelt. Auch Trumps Zollpolitik hatte Einfluss auf den Weltmarkt, so ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

30.12.2025 | 1:02 min

Heute sind globale Finanzmärkte jedoch vernetzter. Anleger weltweit sind in die großen Tech-Firmen investiert, ein Crash könnte noch weitreichendere Auswirkungen haben als noch vor 25 Jahren. Er könnte aber auch abgeschwächt werden:

Das liegt zunächst mal daran, dass es halt diese großen, auch liquiden Unternehmen sind, die diese Investitionen tätigen. Es ist nicht wie im Dotcom-Boom, dass das alles durch Überschuldung, Verschuldung finanziert wird.

Prof. Ulrike Malmendier, Ökonomin an der Universität Berkeley

Zukunftsvisionen oder Märchenstunde?

Weshalb investieren die Tech-Riesen so massiv und schnell in immer größere Projekte? In einem Podcast wurde Meta-Chef Mark Zuckerberg auf die Möglichkeit eines Crashs angesprochen:

Wenn wir ein paar hundert Milliarden Dollar falsch ausgeben, wäre das natürlich sehr bedauerlich. Aber ich denke, das Risiko ist andersherum noch viel größer.

Mark Zuckerberg, CEO von Meta

Es handelt sich um ein Wettrennen um ein Monopol. CEOs übertreffen sich regelmäßig mit Behauptungen, was die KI alles tun wird: Neue Technologie erfinden, Krebs heilen, menschliche Arbeiter gänzlich ersetzen. Noch aber ist das Zukunftsmusik. Große Versprechen sind im Interesse der Unternehmen, um den Hype am Leben zu halten.

Ein Roboter auf der Messe in Hannover, Hannover 16.04.2023

Klimawandel, hohe Energiepreise, Fachkräftemangel – die Herausforderungen für die Industrie sind groß. Die Hannover Messe zeigt: Künstliche Intelligenz bietet innovative Lösungen.

16.04.2023 | 2:38 min

Dass Künstliche Intelligenz profitabel wird, bezweifeln auch Ökonomen nicht. Jedoch möglicherweise nicht so, wie sie beworben wird. Prof. Malmendier vermutet "gewinnträchtige Modelle eher im Industriebereich, […] im Zusammenhang mit Industrieprozessen, mit Planung, mit Wartung, mit Optimierung der Prozesse."

Und da passiert halt in den USA bislang recht wenig. Ich glaube, das ist eine Riesenchance für Deutschland und Europa, da reinzugehen.

Prof. Ulrike Malmendier, Ökonomin an der Universität Berkeley

Durch KI dürften "sehr viel Wert geschaffen und sehr viele Möglichkeiten geschaffen" werden, prognostiziert auch Prof. Brunnermeier. Die Frage sei nur: "Wo wird die Wertschöpfung stattfinden - und wer wird die großen Profite davon machen?"

Nils Mooney ist Reporter im heute journal.

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 26.02.2026 um 21:45 Uhr.

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