Sicherheitstechnologie in der EU:"Wichtig, dass wir unsere eigenen Systeme haben"
Die Macht der großen Tech-Konzerne aus den USA bekommen wir auch in Europa zu spüren. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen setzt sich für mehr Unabhängigkeit ein.
Drei Tage lang liegt die Aufmerksamkeit auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Bundeskanzler Merz fand bei seiner Eröffnungsrede mahnende Worte.
13.02.2026 | 2:17 minUm in der globalen Wirtschaft weiter vorne mitspielen zu können, müssten Schlüsseltechnologien in Europa gehalten und die Wettbwerbsfähigkeit gestärkt werden. Das fordert die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna Virkkunen, zur Abhängigkeit der EU im Bereich Technologie und Sicherheit im ZDFheute-Interview auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen: Wichtig, dass Europa technisch unabhängig ist.
Quelle: action pressZDFheute: Welche Rolle spielen Autonomie und Souveränität Europas im Bereich Technologie und Sicherheit in der aktuellen Weltordnung?
Henna Virkkunen: Wir sehen einen enormen globalen Wettbewerb im Bereich dieser Technologien. Und wir glauben, dass diejenigen, die diese kritischen Technologien kontrollieren, die Wirtschaft regieren - und in der Zukunft die Welt regieren werden. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir diese Kompetenzen in Europa halten und wir nicht abhängig sind von Drittstaaten oder einem einzigen Unternehmen, vor allem, wenn es sich um ein sehr kritisches Gebiet der Wirtschaft und Gesellschaft handelt. Das wird enorm wichtig in den kommenden Jahren.
Europa braucht eine eigene und von den USA unabhängige Sicherheitsstrategie. Das sagte Bundeskanzler Merz bei seiner Eröffnungsrede auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
13.02.2026 | 0:27 minZDFheute: Was planen Sie, um die Unabhängigkeit zu stärken?
Virkkunen: Wir haben einige kritische Technologien identifiziert, bei denen es wichtig ist, dass wir dafür unsere eigenen Kapazitäten haben. Die Künstliche Intelligenz ist eine davon. Die ist sehr wichtig, weil sie künftig Wirtschaft und Gesellschaft stark verändern wird. Aber es gibt auch Quantencomputing. Das ist eine Zukunftstechnologie, und da sind wir in Europa schon sehr, sehr gut. Dabei wollen wir sicherstellen, dass wir in der Lage sind, unsere Geschäfte zu revolutionieren und upzudaten.
Und dann natürlich die Chip- und Halbleiter-Produktion. Das ist ein Gebiet, das einer sehr sensiblen Handhabung bedarf. Denn diese Chips sorgen dafür, dass diese ganzen neuen Technologien überhaupt funktionieren. Wir wissen, dass die Lieferketten sehr global und sehr anfällig sind. Daher ist es sehr wichtig, dass wir hier unsere eigenen Ressourcen haben und diese abrufen können - und technisch wirklich unabhängig sind.
Bei der Sicherheitskonferenz mahnte Kanzler Merz, dass Europa unabhängiger von den USA werden muss. Inwiefern die EU das bereits schafft, analysiert ZDF-Korrespondent Ulf Röller.
13.02.2026 | 1:12 minAber wir haben natürlich auch zuverlässige Partner, die diese Chips liefern, so dass wir wählen können und nicht alternativlos sind. Das ist ein großer und wichtiger Sicherheitsaspekt. Wenn wir das nicht hätten, gäbe es riskante Abhängigkeiten, die auch gegen uns eingesetzt werden könnten.
ZDFheute: Und wie sieht es im Bereich Sicherheit und Lieferketten aus?
Virkkunen: Wir haben festgestellt, dass wir für unsere kritischen Sektoren eigene Kapazitäten aufbauen müssen, um genügend Alternativen zu haben. Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine haben viele Länder festgestellt, dass sie beim Thema Energie stark von Russland abhängig sind. Also müssen wir diese gefährliche Abhängigkeit vermeiden und unsere eigenen Energiequellen aufbauen.
Nach Merz, Macron und Rubio spricht der ukrainische Präsident Selenskyj bei der Münchner Sicherheitskonferenz. ZDFheute live analysiert, was er sich von Europa erhofft.
14.02.2026 | 88:54 minGenauso gehört auch Medizin für Krankenhäuser dazu, die oft sehr schwierig zu bekommen ist. Da müssen wir ebenfalls ran und ein Vorratssystem schaffen, um sicherzustellen, dass wir handlungsfähig sind.
ZDFheute: Viele kritisieren, dass Europa aktuell zu bürokratisch ist, um im Bereich Technologie und Verteidigung voranzukommen. Was sagen Sie?
Virkkunen: Wir wollen Technologien, die auf unseren Werten und Regeln basieren. Und es stimmt auch, dass Menschen kritisieren, dass wir zu langsam und zu bürokratisch sind. Wir müssen schneller werden, einfacher denken, härter arbeiten und weniger kompliziert sein für die Wissenschaft. Wir müssen unseren Startups helfen, ihre Geschäfte auszubauen, ihnen Möglichkeiten eröffnen - und wir arbeiten daran, dass das auch passiert.
Wir haben alles hier, um wettbewerbsfähig zu sein. Wir haben eine starke Forschung und Wissenschaft, großes Potenzial in unseren Startups, wir haben eine gute sehr starke Industrie. Wir haben alles, was wir brauchen, aber wir müssen zusammenarbeiten - und das schnell.
Das Interview führte Elisa Miebach aus dem ZDF-Landesstudio in Bayern.
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