Google und die KI: Darum geht's bei den EU-Ermittlungen

EU leitet Ermittlungen ein:Google und die KI: Darum geht's

von J. Henrich, J. Lieber, D. Rzepka

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Die EU-Kommission leitet eine Untersuchung gegen Google ein. SPD und AlgorithmWatch begrüßen den Schritt, Google selbst warnt vor Konsequenzen. Um was es in dem Streit geht.

SGS Börse Google

Die EU verdächtigt den US-Internetriesen Google, für seine Künstliche Intelligenz rechtswidrig Online-Inhalte Dritter genutzt zu haben. Dazu ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann.

09.12.2025 | 1:40 min

Wer Google fragt, was der Hit des Jahres war, bekommt als Antwort zuerst einen kurzen Text angezeigt, generiert von Künstlicher Intelligenz:

Der Hit des Jahres 2025 in Deutschland ist "Wackelkontakt" von Oimara, ein unerwarteter Party-Ohrwurm, der über 180 Millionen Mal gestreamt wurde.

KI-Antwort von Google

Google verwendet für diese Auskunft Artikel, etwa von Zeitungen oder Nachrichtenportalen. "Es gibt sehr viel Streit darüber, ob Google das darf", sagt Matthias Spielkamp, Geschäftsführer der Organisation AlgorithmWatch.

Verlage und Urheber hätten im Moment nämlich keine Alternative. Spielkamp sagt ZDFheute:

Wenn man sagt, man will nicht von Google durchsucht werden, dann wird man bei Google nicht gefunden und dann ist man tot sozusagen. Dann existiert man nicht.

Matthias Spielkamp, AlgorithmWatch

Sängerin Taylor Swift performt auf der Bühne in Miami, Florida.

Die KI hat übrigens Recht: Während Taylor Swift die Album-Charts 2025 dominiert, schafft Oimara mit "Wackelkontakt" den meistgestreamten Song.

08.12.2025 | 0:51 min

AlgorithmWatch begrüßt die Ermittlungen

Die Europäische Kommission hat Ermittlungen eingeleitet und wirft Google vor, für KI-Inhalte die Daten von Dritten zu nutzen, ohne den Inhabern der Websites "eine angemessene Vergütung zu zahlen und ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, eine solche Nutzung ihrer Inhalte abzulehnen".

Matthias Spielkamp von AlgorithmWatch begrüßt das. "Ich finde das super, dass das jetzt passiert." Beschwerden gegen Google nach dem Wettbewerbsrecht gebe es schon länger. Die EU habe bereits ein wenig Zeit gehabt, die Beschwerden zu prüfen.

Dass sie sich entschieden haben, die Untersuchungen zu beginnen, ist meiner Ansicht nach eine sehr gute Entscheidung, ein sehr gutes Zeichen.

Matthias Spielkamp, AlgorithmWatch

Was regelt das EU-Recht?



Helene Reiner und Dunja Hayali in "heute journal - der Podcast"

Der Ton in den Sozialen Medien ist rauer geworden. Mittlerweile dominieren die fünf großen US-Techkonzerne die Sozialen Medien. Welchen Einfluss haben sie auf unsere Demokratie?

25.09.2025 | 41:14 min

SPD spricht von "notwendigem Schritt"

Ähnlich äußert sich auch der medienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Rabanus. Er bezeichnet die Ermittlungen als "notwendigen Schritt", um "Kreativität, geistiges Eigentum und journalistische Arbeit" zu schützen. Rabanus sagt ZDFheute:

Bei jedem anderen Rohstoff würden wir penibel darauf achten, wer ihn nutzt, wie er vergütet wird und ob jemand ungefragt abschöpft. Genau das muss auch hier gelten.

Martin Rabanus, SPD

Allgemeine Suchbegriffe in den Google-Trends 2025

ZDFheute Infografik

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Die Medienlandschaft und die Urheberinnen und Urheber seien kein "Selbstbedienungsladen", so Rabanus.

Auch Medienstaatsminister Wolfram Weimer hatte sich zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse im Oktober kritisch gegenüber den Betreibern von Künstlicher Intelligenz geäußert. Ihnen warf er "geistigen Vampirismus" und "digitalen Kolonialismus" vor.

ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann

Google will in Rechenzentren in Deutschland investieren. Welche Bedeutung das für die deutsche Wirtschaft hat, erklärt ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann.

11.11.2025 | 1:25 min

AfD: EU verfolgt "ganz andere Ziele"

Götz Frömming, Sprecher für Medien und Kultur der AfD-Fraktion, hält das Urheberrecht ebenfalls für schützenswert. Die EU verfolge mit den Ermittlungen aber "ganz andere Ziele". Diese könnten die "Informations- und Meinungsfreiheit in Europa" einschränken, so Frömming gegenüber ZDFheute.

Ganz anders sieht das die Linken-Fraktion. Deren medienpolitischer Sprecher David Schliesing nennt das Vorgehen der EU "völlig richtig und überfällig". Der "geistige Diebstahl", der von KI-Konzernen betrieben werde, sei "keine Petitesse, sondern ein fettes Problem", so Schliesing zu ZDFheute.

Wer unsere Gesellschaft nicht den Kapitalinteressen der Tech-Konzerne ausliefern will, muss letztlich Google und Co. zerschlagen. Egal wie laut und heftig Trump und Musk zetern.

David Schliesing, Die Linke

Google sieht Risiko für Innovationen

Google selbst zeigt wenig Verständnis für die Untersuchung. KI-Technologie käme bei der Google-Suche schon lange zum Einsatz. Die KI-Zusammenfassungen, die nun prominent oben auf der Seite auftauchen, seien eines der Beispiele dafür.

Die Europäerinnen und Europäer hätten ein Recht darauf, von der neuesten Technologie zu profitieren, sagt ein Google-Sprecher ZDFheute.

Diese Beschwerde riskiert, Innovationen in einem Markt zu ersticken, der wettbewerbsintensiver denn je ist.

Google-Sprecher

Google verweist unter anderem darauf, dass Verleger die Option hätten, den Zugriff auf Inhalte ihrer Seite für KI-Modelle auszuschließen. Außerdem arbeite der Konzern eng mit Kreativschaffenden zusammen. In den vergangenen vier Jahren habe man weltweit 100 Milliarden US-Dollar im Rahmen des YouTube-Partnerprogramms an Künstler und Medienunternehmen ausgezahlt.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "EU-Kommission ermittelt gegen Google" am 09.12.2025 um 11:48 Uhr.

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