EU-Zahlungsdienst:Paypal-Alternative: Deshalb hakt es bei Wero
Europa will unabhängiger von US-Zahlungsdiensten werden und mit Wero ein eigenes Produkt etablieren. Doch die Umsetzung lahmt. Woran das liegt - und warum Wero dennoch Chancen hat.
Das Bezahlsystem Wero soll in der EU attraktiver werden. (Symbolbild)
Quelle: imagoDie Daten zum europäischen Zahlungsdienst Wero lesen sich nicht gerade wie eine Erfolgsstory: Laut einer Verivox-Umfrage sind bisher zehn Prozent der Befragten in Deutschland für Wero registriert, vier Prozent haben es schon einmal verwendet. Im Alltag etabliert hat sich das Projekt der Europäischen Bankeninitiative EPI also ein Jahr nach dem Start noch kaum. Woran hakt es?
Anders als etwa beim Platzhirschen Paypal aus den USA steckt hinter Wero nicht ein Konzern mit Strategien aus einem Guss. Das macht es kompliziert, sagt Verivox-Finanz-Experte Ralph Wefer.
Wero ist ein Gemeinschaftsprojekt zahlreicher europäischer Banken, das heißt: All diese Institute mit unterschiedlichen Interessen müssen sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.
Ralph Wefer, Finanz-Experte bei Verivox
Seit Juli 2024 ist das europäische Zahlungssystem Wero als Alternative zu Paypal erhältlich und zielt mit erweiterten mobilen Zahlungsoptionen auf europäische Kunden ab.
26.11.2024 | 1:34 minNicht alle Banken machen mit
In Deutschland sind zwar mit den Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, der Postbank und jetzt auch der ING wichtige Player im Privatkundengeschäft an Bord. Andere Banken wie die Commerzbank oder die Digitalbank N26 dagegen nicht.
"Wir haben entschieden, uns in der Startphase nicht zu beteiligen", schreibt die Commerzbank auf Anfrage. N26 verweist auf ihr eigenes Zahlungstool "Moneybeam", das denselben Service biete wie Wero.
- Wero erlaubt seinen Usern, Geld per Smartphone zu versenden - statt Bankdaten reichen, wie bei anderen etablierten Zahlungsdiensten, eine Handynummer oder Mailadresse.
- Möglich sind bisher nur private Zahlungen zwischen Usern, deren jeweilige Banken an Wero teilnehmen. Aktuell bieten Banken aus Deutschland, Frankreich und Belgien Wero an, in diesen drei Ländern ist der Service nach eigenen Angaben mittlerweile für 75 Prozent der privaten Bankkunden verfügbar.
- Nächste Schritte sollen laut Wero sein: Starts in weiteren Ländern (u.a. in den Niederlanden), Zahlungsmöglichkeiten im Handel (online und offline) und für Abodienste.
Auch diverse Länder der Europäischen Union setzen eher auf eigene Lösungen, Spanien etwa auf das nationale Bankenprojekt Bizum. So hat sich bisher keine gemeinsame, international schlagkräftige Alternative etabliert.
Über die Panne bei PayPal und den gestoppten Lastschriften in Milliardenhöhe berichtet ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann an der Börse in Frankfurt.
27.08.2025 | 1:08 minWero: Bisher nur private Zahlungen zwischen Freunden und Familie
Dass bisher nicht alle mitmachen, führt zum nächsten Problem: Dem Nutzwert von Wero. Der Dienst kann nur verwendet werden, wenn sowohl die zahlende als auch die empfangende Person ihr Konto bei einer teilnehmenden Bank haben.
Zudem bietet Wero bisher lediglich private Zahlungen zwischen Freunden und Familie an. Zwar war für diesen Sommer der Rollout von Zahlungsoptionen auch im Onlinehandel angekündigt worden - doch dieser verzögert sich.
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15.07.2024 | 17:23 minBisher fehlt Mehrwert zu anderen Anbietern
"Als reiner Peer-to-Peer-Zahlungsdienst bringt Wero noch keinen Mehrwert gegenüber etablierten Playern wie Paypal - den bräuchte es aber, damit die Menschen umsteigen", sagt Ralph Wefer.
Doch selbst mit Onlinekaufoption im Handel sei Wero kein Selbstläufer, ergänzt Wesselin Kruschev, Managing Principal bei der Unternehmensberatung Capco:
Für Händler bedeutet es immer Aufwand, eine neue Zahlungsoption wie Wero einzubinden - das machen sie nur, wenn sie schon breit genutzt wird.
Wesselin Kruschev, Unternehmensberatung Capco
Breit genutzt werde ein Dienst wiederum erst, wenn er an vielen Stellen angeboten werde. "Den Teufelskreis muss man aufbrechen, das ist jetzt vor allem eine Marketingfrage", sagt Kruschev.
Wie man sicher online einkauft.
14.03.2025 | 2:32 minExperte: "Wachsendes Bewusstsein" für europäische Lösung
Immerhin, bei dem Thema tut sich laut Verivox etwas: "Es gibt offenbar ein wachsendes Bewusstsein in der Bevölkerung, dass eine europäische Lösung gut wäre, um nicht von einzelnen US-Konzernen abhängig zu sein", meint Ralph Wefer.
Im Status Quo ist genau das nämlich noch der Fall: Laut dem Kölner EHI Retail Institute ist Paypal aktuell im deutschen Onlinehandel die am häufigsten verwendete Zahloption.
- Am meisten wird im deutschen Onlinehandel laut EHI mit Paypal bezahlt - diese Option macht 28,5 Prozent aller Zahlungen aus.
- Erst danach folgt mit 25,8 Prozent der Kauf auf Rechnung, den etwa der schwedische Konzern Klarna anbietet.
- Weit abgeschlagen folgen Lastschrift (17,3 Prozent) und erst danach Kreditkartenzahlung (12,3 Prozent).
- Wero hat bisher einen verschwindend geringen Anteil, doch die Bekanntheit wächst rasant: Laut Verivox-Umfrage aus August kennen dank intensiver Werbekampagnen mittlerweile immerhin 30 Prozent der Befragten den europäischen Zahlungsdienst. Bei der vorangegangenen Umfrage im Oktober 2024 wussten erst zwölf Prozent der Befragten überhaupt, was Wero ist.
- 45 Prozent der Befragten sind mittlerweile außerdem optimistisch, dass Wero es langfristig mit Konkurrenten wie Paypal aufnehmen und sich am Markt behaupten kann. 2024 glaubten das erst 39 Prozent.
Experte Wesselin Kruschev sieht mittelfristig sogar Pluspunkte für Wero:
Es basiert wie Echtzeitüberweisungen auf der Instant Payments Infrastruktur, die für alle europäischen Banken ohnehin verpflichtend ist.
Wesselin Kruschev, Verivox
Weil das nicht erst aufwändig aufgebaut werden müsse, könnten die Gebühren geringer ausfallen, die etwa Händler für den Dienst künftig zahlen müssen. "Für Verbraucher und Händler ist das eine gute Nachricht, denn dieser Wettbewerb könnte auch Paypal unter Druck setzen, die Gebühren zu senken", sagt Kruschev.
Zudem unterliege Wero den hohen Sicherheits- und Kontrollregelungen für Banken in der EU: "Und die sind aktuell das Sicherste, was es am Markt gibt." Beide Experten glauben trotz der Startschwierigkeiten, dass Wero eine Chance hat und dass der Druck auf Banken steigen könnte, mitzumachen.
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