Verdacht auf Sanktionsbruch:USA stoppen iranischen Tanker: Das sind die Hintergründe
von Arndt Ginzel und Martin Kraushaar
US-Streitkräfte haben nach Pentagon-Angaben einen sanktionierten Öltanker aus dem Iran gestoppt. Laut ZDF-Recherchen hat die "Tifani" bereits öfter Sanktionen gebrochen.
Die Feuerpause zwischen Iran und den USA ist verlängert worden. Man wolle von Angriffen absehen, bis die Gespräche mit Iran zu einem Ende kommen, so US-Präsident Trump.
22.04.2026 | 1:17 minDas US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben den iranischen Schattentanker "Tifani" auf seiner Fahrt Richtung Südostasien gestoppt. Laut US-Regierung wurde das Schiff in der Nacht auf Dienstag im Golf von Bengalen aufgebracht. Washington wirft dem Tanker vor, iranisches Öl transportiert zu haben.
In der Erklärung heißt es weiter, die USA würden damit fortfahren, "illegale Netzwerke zu zerstören" und Schiffe abzufangen, "die dem Iran helfen". Internationale Gewässer seien dabei "kein Zufluchtsort".
ZDF-Recherche zu iranischem Schattentanker
Das Schiff ist nicht unbekannt. Bereits vor einem Jahr hatte ein ZDF-Team die "Tifani" vor Singapur bei einem sogenannten Ship-to-Ship-Transfer gefilmt, also beim Umladen von Öl von einem Tanker auf einen anderen.
Dabei waren die Namen der Schiffe und selbst die IMO-Nummer abgedeckt, mit der Schiffe eindeutig zu identifizieren sind. Genau solche Methoden gelten als typisch für die iranische Schattenflotte.
Der Verdacht wiegt schwer: Eine Berliner Geschäftsfrau wickelt von ihrer Wohnung aus den internationalen Ölhandel für den Iran ab. Der steht in vielen Ländern auf Sanktionslisten.
08.10.2025 | 29:28 minVerdeckte Umladungen auf offener See
Die damaligen Recherchen führten das ZDF-Team von der Straße von Hormus bis nach Südostasien. Im Zentrum stand ein System, mit dem iranisches Öl trotz Sanktionen weiter auf den Weltmarkt gelangt: Tanker schalten Ortungssignale ab, wechseln Namen, verschleiern Besitzverhältnisse und laden ihre Fracht auf See um. Vor allem die Gewässer vor Malaysia und Singapur gelten seit Jahren als wichtige Drehscheibe dieser Geschäfte.
Nach Angaben des US-Außenministeriums war die "Tifani" schon 2025 auffällig geworden. Das Schiff habe damals vor Singapur bei verdeckten Transfers iranisches Öl übernommen und dabei Positionsdaten verfälscht. Genau dieses Muster hatte das ZDF bereits vor Ort dokumentiert.
Öl-Schmuggel: Spur aus Südostasien nach Berlin
Die ZDF-Recherchen endeten nicht auf See. Dokumente, die dem Team vorlagen, lieferten Hinweise darauf, dass ein Berliner Ölhandelsunternehmen in Geschäfte mit Sanktionsöl aus dem Iran verstrickt gewesen sein könnte.
Iran schmuggelt immer wieder Öl - und umgeht so Sanktionen. Auch eine deutsche Ölhandelsfirma ist scheinbar verwickelt. Wie verwischen Schmuggler die Spuren?
11.10.2025 | 1:26 minIm Beitrag folgte das ZDF den Spuren eines Netzwerks aus Tarnfirmen, Zwischenhändlern und Tankern, über das iranisches Öl weiter nach China gelangt sein soll. Auch Geschäftsleute aus dem Umfeld der deutschen Firma landeten später auf US-Sanktionslisten.
Die aktuelle Aufbringung der "Tifani" gibt den damaligen Recherchen neue Brisanz. Denn der Fall zeigt, dass die iranische Schattenflotte weiter aktiv ist - und dass jene verdeckten Öltransfers, die das ZDF schon 2025 dokumentiert hatte, aus Sicht der USA Teil eines größeren Netzwerks zur Umgehung von Sanktionen sind.
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