Folgen des Iran-Kriegs:Experte: Kerosinmangel könnte Sommerurlaub gefährden
Der Iran-Krieg setzt den Flugverkehr unter Druck. Experte Großbongardt warnt angesichts knappen Kerosins vor steigenden Preisen und Ausfällen auf dem Weg in den Sommerurlaub.
Das Interview mit Großbongardt in voller Länge.
20.04.2026 | 13:07 minWie sicher ist der nächste Flug in den Urlaub? Die Luftfahrtbranche kämpft mit den Auswirkungen des Iran-Kriegs - rund ein Fünftel des europäischen Treibstoffbedarfs wird durch Importe aus den Golfstaaten gedeckt, die seit Wochen wegen der Blockade der Straße von Hormus ausbleiben.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gab dennoch Entwarnung: "Versorgungsengpässe bestehen nicht", so Reiche nach einer Konferenz mit Vertretern der Luftfahrtbranche. Verschärfe sich die Situation am Golf, werde "in der Runde gegebenenfalls über erforderliche Maßnahmen beraten".
Welche Optionen könnten das sein? Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt erklärt im Interview mit ZDFheute live, wie er die Lage einschätzt.
Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) hat mit Vertretern der Luftfahrtbranche über einen möglichen Kerosinmangel infolge der Sperrung der Straße von Hormus beraten.
20.04.2026 | 1:46 minSehen Sie oben das Gespräch in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Experte Großbongardt zu der Frage, ...
... wie es um die deutschen Kerosinvorräte steht
In der vergangenen Woche sei der letzte Tanker aus dem Golf angekommen, erklärt Großbongardt. Selbst wenn die Straße von Hormus morgen wieder geöffnet werde, könne bis zur nächsten Treibstofflieferung ein knapper Monat verstreichen. Deutschland habe eine Kerosin-Reserve von rund einer Million Tonnen Treibstoff, sagt Großbongardt. Doch die werde für Notfälle vorgehalten.
Und wenn die weg ist, dann steht man eben ganz blank da und auch blank da im Fall eines Spannungsfalls zum Beispiel.
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte
Das Kerosin sei vor allem für das Militär gedacht, etwa im Fall einer Verschärfung der Situation mit Russland. Allerdings sei es denkbar, dass die zivile Luftfahrt einen Teil der Reserven für ihren Weiterbetrieb erhalte.
Das wäre eine Milchmädchenrechnung, zu sagen: Ach, wir haben es ja.
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte
Wenn es zu einem Engpass kommen sollte, würde dieser nicht zuerst in Deutschland, sondern in Asien auftreten, so ZDF‑Wirtschaftsexperte Florian Neuhann.
20.04.2026 | 1:39 min... wie gefährdet die Flüge in den Sommerurlaub sind
Von der Annahme ausgehend, dass der Kerosinbedarf in Deutschland noch bis Ende Mai gesichert ist, rechnet der Experte mit einer Verknappung ab Juni oder Juli. "Und das heißt, mitten in der Reisezeit, also mitten auch in der Zeit, in der die meisten Flüge stattfinden, in der auch der höchste Kerosinverbrauch ist."
Jeder werde sich darauf einstellen müssen, "dass die Flüge, die gebucht sind, unter Umständen nicht so stattfinden, wie sie gebucht sind, dass man umgebucht wird", sagt Großbongardt und ergänzt:
Es wird auch sicherlich vorkommen, dass einzelne Flüge gestrichen werden. Vor allem kritisch sind aber Langstreckenflüge.
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte
Ausbleibende Kerosin-Lieferungen wegen des Iran-Kriegs lassen eine baldige Treibstoffknappheit befürchten. ZDFheute live analysiert, ob deshalb bald Flugausfälle drohen.
20.04.2026 | 24:17 min... ob bei Kerosinmangel Flüge teurer oder gleich gestrichen werden
Die Airlines würden im Falle eines Mangels sicherlich Flüge streichen, betont der Experte.
Denn höhere Preise richten ja nichts aus. Es ist einfach dann kein Treibstoff beziehungsweise zu wenig Treibstoff da, um alle Flüge, die geplant sind, durchzuführen.
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte
Denkbar sei etwa, dass die Fluggesellschaften Flüge zusammenlegen.
Da müssten sich die Reisenden wirklich auf ganz massive Veränderungen einstellen.
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte
Wegen ausbleibender Kerosin-Lieferungen könnten Flugpreise steigen. Was man tun kann, wenn schon gebuchte Reisen teurer werden, erklärt Elif Tanto von der Verbraucherzentrale.
20.04.2026 | 8:20 min... welche Auswirkungen er für Europa und Deutschland durch die Kerosinpreise sieht
Die hohen Kerosinpreise träfen die Fluggesellschaften extrem - doch nicht jede in gleichem Umfang. Manche Airlines wie die Lufthansa hätten Verträge mit Lieferanten zu bestimmten Preisen abgeschlossen, die den Kerosin-Einkauf bereits im Vorfeld regelten. Doch nicht alle Fluggesellschaften täten dies und besonders bei kleineren Fluggesellschaften schlage die Erhöhung "extrem hart durch".
Kerosin ist unter allen Kostenfaktoren, die eine Fluggesellschaft hat, der höchste Posten.
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte
Denkbar sei, dass die Airlines ihre Verbindungen ausdünnen oder gleich ganze Flüge streichen. Besonders Langstreckenflüge nach Südostasien könnten betroffen sein, da der Kerosinmangel dort bereits heute akut sei.
Das Problem ist, dass eine Lufthansa dann beispielsweise nach Bangkok oder nach Hanoi fliegt - und da aber dann nicht mehr den Sprit für den Rückflug bekäme.
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperte
Experten warnen vor Kerosinknappheit in Europa. Es gebe ein „drohendes Defizit im Sommer, in der Hochsaison, von rund 100.000 Tonnen am Tag“, so Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.
20.04.2026 | 4:12 min... was die Politik für die Lösung des Problems tun könne
Die Politik habe eigentlich nur die Möglichkeit, auf europäischer Ebene zu koordinieren. "Sie kann kein Kerosin herbeizaubern und letzten Endes wird es darum gehen, sich auf eine Krise vorzubereiten." Zudem müsse alles auf europäischer Ebene koordiniert werden. "Denn es hilft nichts, wenn wir fliegen können, aber alle anderen nicht", betonte Großbongardt.
... ist Experte für die deutsche Luftfahrtbranche. Großbongardt arbeitete unter anderem als Pressesprecher für Boeing und berät heute verschiedene Airlines und Unternehmen der Luftfahrtindustrie.
... es alternative Kraftstoffe gibt, die man nutzen könnte
"Kurzfristig gibt es da gar nichts, was man heranziehen könnte", sagt der Luftfahrtexperte. Biokraftstoffe würden bislang in so geringen Mengen hergestellt, dass es "überhaupt keinen Effekt hätte". Und vollsynthetische Kraftstoffe werde es in nennenswerten Mengen erst in den 2030er Jahren geben.
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