Moskau kündigt Schließung an:Goethe-Institut vor Aus: Ende deutscher Soft Power in Russland
von Lucas Eiler
Russland will die Niederlassungen des deutschen Goethe-Instituts schließen. Damit fällt auch der wichtigste verbliebene Kanal für den kulturellen Austausch mit Deutschland weg.
Die Goethe-Institute in Russland werden geschlossen. Außenminister Lawrow nennt die Schließung des Russischen Hauses in Berlin als Grund. Die EU hatte zuvor neue Sanktionen angekündigt.
03.09.2026 | 1:15 minRusslands Außenminister Sergej Lawrow sitzt auf dem Podium des Wirtschaftsforums von Wladiwostok, als er nach den Maßnahmen aus Deutschland gefragt wird. Dass Russland etwas zu tun hatte mit der bewaffneten Drohne, die auf dem Leipziger Flughafen gefunden wurde, weist er als "Spekulation" zurück.
Dann kommt er auf die russischen Gegenmaßnahmen zu sprechen: "Deutschland unterhält hier Zweigstellen des Goethe-Instituts", sagt er. "Aber natürlich werden diese geschlossen, nachdem unser Kulturzentrum von dort ausgewiesen wurde."
Für den russischen Außenminister ist klar: "Das ist ganz einfach, verstehen Sie, sonst würden wir unsere Selbstachtung verlieren." Deutschlands Schritte seien bewusste Handlungen. In der Konsequenz heißt das für Lawrow "das Ende der deutschen kulturellen Präsenz in Russland".
Ende deutscher Soft Power
Der wichtigste verbliebene Kanal der kulturellen Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland wird damit geschlossen. Das Goethe-Institut Russland feiert in einem Monat den 34. Jahrestag der Eröffnung seiner ersten Niederlassung in Moskau. Daneben gibt es Einrichtungen in St. Petersburg und in Nowosibirsk. Das Institut bietet Deutschkurse an, mit eigenen Prüfungszentren, die über die Jahre mehr als 100.000 Deutschzertifikate ausstellten.
Der russische Präsident Putin ist zu einem Wirtschaftsgipfel nach Wladiwostok gereist. Zugleich verschärft sich der Konflikt mit Deutschland über das Vorgehen gegen Russlands Schattenflotte.
03.09.2026 | 1:49 minZum Angebot gehörten Filmvorführungen, Ausstellungen zu Dürer, dem Bauhaus und deutscher Fotografie an verschiedenen Orten in ganz Russland. Das Goethe-Institut bot Ausstellungen zu Thomas Mann an, zu Kafka, deutscher Underground-Musik und Comics.
Das Institut spricht selbst vom "Ende einer Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen":
Unsere Mitarbeitenden leisten unter schwierigsten Bedingungen wichtige Arbeit. In enger Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt sondieren wir die Lage kontinuierlich, um gemeinsam das weitere Vorgehen zu besprechen.
Mitteilung des Goethe-Instituts
Hunderttausende Schüler und Studenten haben in den vergangenen 33 Jahren am Goethe-Institut in Russland gelernt. In diesen Jahren wurden über 100.000 Deutschzertifikate ausgestellt. Viele derjenigen, die am Goethe-Institut Deutsch lernten, fanden Arbeit in Deutschland und zogen dorthin, doch noch mehr blieben in Russland und wirkten dort als Förderer der deutschen Kultur.
Das Goethe-Institut wird hauptsächlich vom Auswärtigen Amt finanziert und stellt ein klassisches Instrument der Soft Power dar. Durch das Erlernen der deutschen Sprache und die Förderung der deutschen Kultur soll es in aller Welt zu einem positiven Deutschlandbild beitragen. Viele Jahre konzentrierten sich die Aktivitäten des Goethe-Instituts ausschließlich auf die Geisteswissenschaften und waren frei von politischen Untertönen. Das kam den russischen Machthabern gelegen.
Doch 2023 eskalierten die diplomatischen Spannungen zwischen Deutschland und Russland. Das russische Außenministerium beschränkte die Anzahl der Repräsentanten in deutschen Auslandsvertretungen auf 350 Personen. Diese Beschränkung betraf nicht nur Diplomaten, sondern auch deutsche Dozenten und die Leitung des Goethe-Instituts. Infolgedessen war das Goethe-Institut gezwungen, deutsche Staatsbürger aus Russland zurückzuholen und einen Teil seiner Mitarbeiter vor Ort zu entlassen, wodurch der Betrieb auf ein Minimum reduziert wurde.
Die Zweigstellen in Moskau und St. Petersburg blieben formell bestehen, für die Zweigstelle in Nowosibirsk wurde jedoch nur eine Kontaktperson eingerichtet. Bankkonten wurden eingefroren. Sämtliche Bildungsangebote wurden ins Internet verlegt. Das Goethe-Institut beschränkte sich formell auf seine Bibliotheksräume.
Wird seinen Betrieb einstellen müssen: Das Goethe-Institut in Moskau.
Quelle: action press | Timur GusarovReaktion auf Schließung von Russischem Haus in Berlin
Mit dieser Maßnahme als Konsequenz hatten Beobachter schon gerechnet. Es ist die spiegelbildliche Reaktion auf die angekündigte Schließung des Russischen Hauses in Berlin. Zum 18. September soll zudem auch das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen werden. Diese beiden Institutionen erfüllten für Russland aber nicht nur diplomatische und kulturelle Funktionen, erklärt Sarah Pagung, Politikwissenschaftlerin und Russlandexpertin bei der Körber-Stiftung.
Sie wurden eben nicht nur genutzt beispielsweise für die Ausstellung von Visa oder für kulturellen Austausch, sondern sind auch bekannt dafür, dass sie geheimdienstlich genutzt werden, dass sie auch genutzt werden für Einflussoperationen in Deutschland.
Sarah Pagung, Leiterin des Hauptstadtbüros der Körber-Stiftung
Nach den Maßnahmen der Bundesregierung sei die Stimmung in Russland "deutlich aufgeheizter" als nach früheren Sanktionen, so ZDF-Korrespondent Felix Klauser. Russland schließe die Goethe-Institute.
03.09.2026 | 2:43 minKonsequenzen auch für deutsches Generalkonsulat in St. Petersburg möglich
Die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn könnte auch Konsequenzen für das deutsche Generalkonsulat in St. Petersburg haben. So erklärte der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko laut "Kommersant", Moskau könnte hier mit "Einschränkungen" reagieren.
Medwedew fordert Militärschläge
In der russischen Propaganda gehen die Forderungen noch weiter. Zuvor sagte der Fernsehmoderator und Putin-Vertraute Wladimir Solowjow: "Ich bin der Ansicht, dass wir mit mehr als halben Sachen reagieren müssen: Wir müssen alle deutschen diplomatischen Vertreter ausweisen."
Noch schärfere Forderungen kamen über Telegram von Dmitri Medwedew, ehemals Präsident, heute stellvertretender Vorsitzender von Putins Sicherheitsrat:
Sie verdienen direkte Militärschläge auf alle deutschen Einrichtungen, die Militärausrüstung produzieren […]. Und möglicherweise auch an bestimmten anderen Orten in Berlin.
Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des nationalen Sicherheitsrats Russlands
Außenminister Wadephul berät mit seinen Amtskollegen aus Frankreich und Polen über hybride Bedrohungen durch Russland. Moskau hat derweil die Schließung der Goethe-Institute angekündigt.
03.09.2026 | 1:41 minRussische Propaganda soll Angst vor Eskalation schüren
Was ist von solcher harter Rhetorik zu halten? "Seine Rolle ist vor allen Dingen die eines Scharfmachers", sagt die Politikwissenschaftlerin Pagung über Medwedew. "Man ist sich durchaus bewusst, dass er eben auch hier in Deutschland und Europa sehr bekannt ist."
Mit harschen, gewaltbereiten Kommentaren sei seine Rolle, Angst vor einer Eskalation zu schüren, "jetzt gerade auch im Vorfeld von wichtigen Landtagswahlen im Osten".
Weitere spiegelbildliche Maßnahmen?
Die einzige offizielle Maßnahme neben der angekündigten Schließung der Goethe-Institute bisher: Der Geschäftsträger der deutschen Botschaft wurde ins Moskauer Außenministerium einbestellt. Als Reaktion auf "antirussische Handlungen und Äußerungen der deutschen Behörden".
Auf offizieller Ebene sind weitere spiegelbildliche Maßnahmen zu erwarten, die den deutschen Maßnahmen entsprechen. Ob Russland darüber hinaus geht, ist unklar. Doch was immer die offizielle Antwort des Kreml ist: Entscheidend bleibt die Frage, ob Russland mit weiteren hybriden Angriffen eskalieren wird.
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