EU-Außenminister zu Drohnen-Vorfall:Leipzig als Weckruf für ganz Europa
von Isabelle Schaefers, Wicklow
Das Treffen der EU-Außenminister in Irland wurde von einem Thema beherrscht: den Drohnenvorfällen in Leipzig. Auch weil diese zeigen: Russland ist eine Bedrohung für ganz Europa.
Wladimir Putin dementiert die deutschen Anschuldigungen in Wladiwostok. Über die Härte der Gegenmaßnahmen und ob weitere hybride Angriffe folgen, wird noch spekuliert.
02.09.2026 | 2:30 minDass Russland die Nato testen will, das vermuten Experten und Politiker in Europa schon lange. Immer wieder kleine Nadelstiche, zerstörte Unterseekabel in der Ostsee, Drohnen, die in den Luftraum der Länder an der Ostflanke eindringen - und dann die vielen Desinformationskampagnen. Selten können die Vorfälle klar Russland zugeordnet werden.
Leipzig ist kein Einzelfall, aber ein Wendepunkt
Der Vorfall mit den Drohnen am Leipziger Flughafen ist aus drei Gründen ein Weckruf für die Europäer: Die Drohnen waren mit Sprengstoff beladen, die Tat wurde nun klar Russland zugeordnet und sie fand nicht etwa an der Ostflanke statt, sondern mitten in Europa. "Deutschland ist mein Nachbarland, die Gefahr rückt näher. Wir sollten nicht vergessen: Wenn die Ukraine zusammenbricht, wer ist dann der Nächste?", so beschrieb der luxemburgische Außenminister Xavier Bettel, was wohl viele dachten.
- Drohnen in Leipzig: Sabotage oder hybride Kriegsführung?
Und das nach einem Sommer mit vielen weiteren Vorfällen, wie die russische Kampfdrohne, die im Mai in ein Wohnhaus in Rumänien einschlug. Die Vorfälle häufen sich. "Leipzig markiert eine neue Eskalationsstufe auf europäischem Boden, die direkt Russland zugeschrieben wird. Das ist aber Teil eines umfassenden Musters immer gefährlicherer Vorfälle", so beschrieb es EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an diesem Mittwoch.
Die Herkunft der Drohne, die in Rumänien nahe der ukrainischen Grenze ein Wohnhaus getroffen hat, soll russisch sein. Das bekräftigte Rumäniens Staatspräsident Dan nach Untersuchungen.
01.06.2026 | 0:24 minVolle Solidarität für Deutschland
Der deutsche Außenminister erfuhr also die volle europäische Solidarität im irischen Wicklow.
Mich beeindruckt die starke europäische Unterstützung für das, was wir getan haben. Ich erfahre hier sehr viel Geschlossenheit, sehr viel Unterstützung - über Europa hinaus.
Johan Wadephul, Außenminister Deutschlands
"Das ist sehr wichtig, sodass Russland sieht: Europa steht zusammen", so Johann Wadephul.
Viele Mitgliedstaaten wollten auch praktisch ihre Solidarität bekunden und haben ebenfalls die russischen Botschafter in ihren Hauptstädten einbestellt. Und auch auf europäischer Ebene will man sich koordinieren, Maßnahmen geschlossen vereinbaren.
Nach dem gescheiterten Drohnen-Anschlag in Leipzig sollen zwei Verdächtige identifiziert sein. Die Bundesregierung hat bereits Strafmaßnahmen gegen Russland angekündigt. ZDFheute live analysiert.
02.09.2026 | 19:28 minSanktionen kommen an ihre Grenzen
Deutschland will unter anderem die russische Schattenflotte stärker ins Visier nehmen. Das könnte Russland finanziell treffen. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Schattenflotte bereits stark sanktioniert ist. Woran es hapert, ist die Durchsetzung: Außer einigen wenigen Staaten wie etwa Schweden setzt kaum ein Land auch mal ein Schiff fest. Das könnte auch Deutschland bereits tun - ohne weitere Abstimmung.
An einem 22. Sanktionspaket wird weiter gearbeitet - nicht erst seit dem Vorfall von Leipzig. Doch nach 21 Paketen sind viele Optionen ausgeschöpft. Und oftmals kommen nationale Interessen der Konsequenz in den Weg. Das sieht man etwa bei den Visa für Russen: Italien, Spanien und Frankreich verteilen weiterhin Touristenvisa, die dann Urlaub am Mittelmeer machen.
Es ist nicht in Ordnung, dass Russland Menschen tötet und gleichzeitig erfahren die Russen im Urlaub hier weiter die europäische Gastfreundschaft.
Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
"Außerdem werden diese Visa für das Ausführen von Sabotage-Akten verwendet", sagte die EU-Außenbeauftragte heute.
- Drohnen-Vorfall in Leipzig: Wie reagieren EU und Nato?
Nach dem mutmaßlichen russischen Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen informiert Außenminister Wadephul heute seine EU-Kollegen. Gestern kündigte er Sanktionen an.
02.09.2026 | 2:14 minPriorität: Unterstützung für die Ukraine
In einem sind sich alle einig: Russland dürfe und werde es nicht schaffen, Europa einzuschüchtern und zu spalten. Oder gar dazu zu bringen, die Unterstützung der Ukraine runterzufahren. Im Gegenteil. Man wolle hier noch mehr tun. Das ist aus Sicht der Ukraine auch nötig, denn es fehlt Geld. Und es fehlen Waffen. "Es besteht Bedarf an mehr finanzieller Unterstützung, an Luftverteidigung und Drohnenabwehr. Wir wissen, dass es uns noch nicht gelungen ist, das alles zu liefern", musste die irische Außenministerin Helen McEntee eingestehen.
Das Problem: die Depots sind leer, auch die asiatischen Partner wollen ihre Patriotabwehrraketen nicht verkaufen. Griechenland und Spanien sollen noch welche haben. Doch man konnte die Länder nicht überzeugen, sie an die Ukraine zu liefern. Dabei hatte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas eine Hoffnung geäußert:
Die hybriden Angriffe in ganz Europa könnten auch ein Weckruf für jene Länder sein, die bisher nicht so viel beigetragen haben.
Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte
Die Bundesregierung ist überzeugt, dass Russland für den Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig verantwortlich ist. Sie kündigte unter anderem an, das Generalkonsulat zu schließen.
01.09.2026 | 2:51 minKeine Eskalation
Europa sucht also weiter nach Antworten. Als klares Signal an Russland. Doch trotz der einhelligen Solidarität und der sich durchsetzenden Erkenntnis, dass alle betroffen sind, bleibt es mühsam. Und dann ist da ja noch die Maßgabe, dass Europa seine Reaktionen so abwägen will, dass man nicht selbst zur Eskalation beiträgt.
Obwohl Putin die deutschen Maßnahmen ja längst als solche und als schwerwiegenden Fehler tituliert. Darauf hat die finnische Außenministerin Elina Valtonen nur Folgendes zu sagen: "Der schwerste Fehler der letzten fünf Jahre war dieser Krieg in der Ukraine und den hat Putin vom Zaun gebrochen."
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