Klimakonferenz in Antalya:COP31 startet: Kanzler fehlt, Geld fehlt
von Winnie Heescher, Antalya
Kein Kanzler in Antalya: Merz sagt der Weltklimakonferenz ab und erklärt kaum, warum. Die Absage passt ins Bild einer Regierung, die beim Klimaschutz auf die Bremse tritt.
Bundeskanzler Friedrich Merz reist am Mittwoch, seinem Geburtstag, nicht zum Weltklimagipfel. (Archivbild)
Quelle: AFP / John MacdougalWenn der Regierungssprecher die Termine des Kanzlers in der Bundespressekonferenz vorträgt, ist das eher unspektakulär, weil der Kalender meistens schon bekannt ist. Vergangenen Freitag dagegen war es interessant, als Stefan Kornelius die Woche referierte: "Am Mittwoch tagt, wie gewohnt, um zehn Uhr das Kabinett unter Leitung des Bundeskanzlers. (…) Am Donnerstag wird der Bundeskanzler nach Dublin reisen."
Auf Nachfrage der Journalisten, warum Friedrich Merz (CDU) nicht zur gleichzeitig stattfindenden Klimakonferenz reise, sagte der Regierungssprecher: "Der Terminkalender ist sehr voll."
Im türkischen Antalya beginnt die Weltklimakonferenz. Die Gastgeber haben für die COP31 ehrgeizige Ziele definiert - an der Vorbildfunktion des Landes mangelt es allerdings noch.
06.11.2026 | 2:02 minMerz lässt Absage nicht ausreichend erklären
Seitdem rätselt Berlin, warum der Kanzler nicht fährt: Weil er am Mittwoch 71 Jahre alt wird und lieber Geburtstag feiert, oder weil die schwarz-rote Koalition in den Haushaltsberatungen so unter Druck ist, dass es seine Anwesenheit erfordert? Es bleibt eine kommunikative Lücke.
Die füllt sich mit Kritik aus Umweltverbänden und der Opposition: Von einem "absoluten Tabubruch" spricht Luisa Neubauer von Fridays for Future. Der Kanzler lasse "demonstrativ" die jungen Menschen in der eskalierenden Klimakrise im Stich.
"Der Kanzler hat noch im August gesagt, er werde alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen", sagte Katharina Dröge, Fraktionschefin der Grünen.
Nun nimmt er [Kanzler Merz] sich nicht mal die Zeit, an der wichtigsten Entscheidungsplattform für die globale Klimapolitik teilzunehmen.
Katharina Dröge, Grünen-Fraktionschefin
Auf der UN-Klimakonferenz COP31 in Antalya beraten ab Montag, 9. November 2026, zwei Wochen lang fast 200 Staaten darüber, wie die Erderhitzung eingedämmt und armen Staaten geholfen werden kann. Erwartet werden etwa 70 Staats- und Regierungschefs, Zehntausende Diplomaten, Beobachter und Medienvertreter.
Klimakonferenz: Schon andere Bundeskanzler fehlten
Die Klimakonferenz in der Türkei ist die 31. - und nicht die erste, an der ein deutscher Bundeskanzler nicht teilnimmt: Gerhard Schröder hat viele COPs geschwänzt und das Thema lieber seinem Umweltminister Jürgen Trittin überlassen. Auch Angela Merkel war nicht bei allen COPs dabei. Olaf Scholz blieb 2024 in Baku fern, weil daheim seine Ampel-Koalition platzte. Warum also nun die Aufregung um Friedrich Merz?
Hitze, Dürre, Waldbrände: Der Sommer 2026 zeigt, wie schnell sich Wetter und Klima verändern. Özden Terli erklärt, warum die Zeit zum Handeln drängt.
04.11.2026 | 1:52 minWeil die Absage ins Bild passt: Klimapolitik steht in der Koalition klar hinter den Themen Wirtschaft, Verteidigung und Migration. Formal hält die Koalition an den ehrgeizigen deutschen Klimazielen fest. In der Praxis werden sie aufgeweicht oder nicht erreicht:
- Der Kanzler hat sich in Brüssel erfolgreich für die Lockerung des Verbrenner-Aus 2035 eingesetzt.
- Erneuerbare Energien werden schwächer gefördert.
- Das Gebäudemodernisierungsgesetz erlaubt weiterhin den Einbau von Öl- und Gasheizungen.
Der unabhängige Expertenrat für Klimafragen gab es der Bundesregierung schriftlich, sie tue zu wenig. Und das alles unter dem Eindruck des vergangenen Sommers, in dem die globale Erderwärmung weltweit spürbar war wie nie zuvor: 50.000 Hitzetote in Europa, tödliche Sturzfluten in Nepal.
Wir nennen es Sommerwetter. Doch wenn Temperaturen Tag für Tag Allzeitrekorde brechen, wird Hitze zur Gefahr. Der Sommer 2026 zeigt, warum Anpassung und Schutz immer wichtiger werden.
21.09.2026 | 27:20 minDeutschland gibt weniger Geld als zugesagt für Klimaanpassung
Nach Antalya fahren die deutsche Entwicklungsministerin, der deutsche Umweltminister und sachkundige Verhandler aus den Ministerien. Heikel ist allerdings, dass sie weniger Geld zur Konferenz mitbringen, als Deutschland ursprünglich zugesagt hatte: Sechs Milliarden Euro jährlich aus Haushaltsmitteln hatte die Bundesregierung für Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen des globalen Südens zugesagt, erreicht hat sie jedoch nur 4,7 Milliarden Euro - die Haushaltskasse sei zu angespannt.
Deutschland, Indien, Äthiopien – drei Länder, drei Ausgangslagen, eine Herausforderung: Klimawandel. Dabei könnten die Strategien für Klimaanpassung und Transformation unterschiedlicher kaum sein.
06.11.2026 | 43:27 minIm vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung dem Gastland der damaligen COP, Brasilien, eine Milliarde Euro für den Regenwaldfonds zugesagt. Mit den Zinsen des Fonds sollen Projekte zum Schutz des Regenwaldes unterstützt werden. Doch nun droht Merz Ärger aus den eigenen Reihen. Unionsabgeordnete wollen das Geld nicht freigeben - das sei politisch nicht vermittelbar in diesen Zeiten von Sparmaßnahmen.
Damit droht dem Kanzler auch eine internationale Blamage. Dabei wäre ein starkes Auftreten Deutschlands in der internationalen Klimadiplomatie dringend geboten, um die globale Erderwärmung zu bekämpfen - als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Winnie Heescher ist ZDF-Umweltreporterin.
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