Schutz von Vielfalt und Erdatmosphäre:Klimawandel und Biodiversität: Zwei Krisen, ein Ausweg?
von Eva Schmidt
Mischwälder sind widerstandsfähiger gegen Hitze und Dürre - und bieten Raum für vielfältige Pflanzen- und Tierarten. Muss Politik Klima und Biodiversität stärker zusammendenken?
Die UN-Artenschutzkonferenz in Armeniens Hauptstadt Eriwan ist zu Ende. Die Staaten konnten sich auf einen Aktionsplan einigen, allerdings fehlt es an konkreten Maßnahmen und Geld.
01.11.2026 | 0:30 minAuf der politischen Weltbühne sind sie momentan noch getrennt. Es gibt zwei große UN-Konferenzen zu den drängendsten Problemen unserer Zeit, dem Klimawandel und der Zerstörung der natürlichen Vielfalt: die Weltbiodiversitätskonferenz COP17, die kürzlich im armenischen Eriwan zu Ende ging, und die Klimakonferenz COP31 im türkischen Antalya, die kommende Woche beginnt.
Klimaschutz und Biodiversität: Warum getrennt verhandeln?
"Das ist vor allem historisch gewachsen. Klimakonvention und Biodiversitätskonvention wurden 1992 in Rio beschlossen, aber als zwei getrennte Verträge", erklärt Alexander Popp auf Nachfrage von ZDFheute. Alexander Popp forscht am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und ist gleichzeitig Professor für Nachhaltige Landnutzung und Klimaschutz an der Universität Kassel.
Aber müsste die Weltgemeinschaft nicht bei beiden Krisen schon längst an einem Strang ziehen? Es tut sich auch schon einiges, meint Nico Eisenhauer, Biodiversitätsforscher und Bodenökologe an der Universität Leipzig und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung. "Mehr und mehr wird erkannt, dass es gekoppelte Krisen sind."
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Im Prinzip haben beide Krisen die gleiche Ursache: die moderne, nicht nachhaltige Lebensweise des Menschen. Dazu zählt die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas und die Zerstörung von Ökosystemen wie Wäldern und Mooren.
"Die beiden Krisen verstärken sich gegenseitig", meint Alexander Popp, "Hitze und Dürre setzen auch Arten unter Druck." Wälder, Moore und andere Landökosysteme könnten einen Teil des CO2 aufnehmen, das wir ausstoßen. "Aber wenn wir sie zerstören, wird dieser Kohlenstoff wieder freigesetzt", so Alexander Popp.
Klima- und Biodiversitätspolitik sollten auf jeden Fall stärker zusammengedacht werden, da beide Krisen miteinander vernetzt seien, erklärt Klima- und Landnutzungsforscher Popp. Aber es existiere auch eine Kehrseite: Denn nicht jeder Klimaschutz sei gut für die Natur. "Große Bioenergieplantagen oder Aufforstungen mit nur einer Baumart können der Artenvielfalt deutlich schaden", erklärt Popp.
In Deutschland solle es mehr Schutzgebiete für bedrohte Tiere und Pflanzen geben, so die Leopoldina. Der Klimawandel habe den Zustand bestehender Schutzgebiete bereits verschlechtert.
13.10.2026 | 1:38 minBiodiversität: Warum jeder Lebensraum zählt
Die Krise der Biodiversität betrifft keinesfalls nur die Artenvielfalt von Pflanzen oder Tieren. Es geht auch um genetische Vielfalt zwischen verschiedenen Sorten von Äpfeln beispielsweise oder etwa um die Vielfalt von Korallenriffen.
Mit Biodiversität - oder biologischer Vielfalt - ist die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme an Land, im Wasser und in der Luft gemeint.
Selbst wenn Artenvielfalt fälschlicherweise als Synonym verwendet wird, beschreibt der Begriff nur einen Teil der Biodiversität. Denn zur Biodiversität zählt laut der Biodiversitätskonvention sowohl die Vielfalt unterschiedlicher Arten als auch innerhalb einer Art sowie die Diversität von Ökosystemen.
Forschende und Naturschutzorganisationen weisen immer wieder darauf hin, dass der Blick auf den Artenschutz allein nicht ausreicht. Noch wichtiger sei es, das Funktionieren zusammenhängender Systeme zu erhalten.
Während die Klimakrise maßgeblich auf eine Ursache zurückzuführen ist, den Ausstoß von Treibhausgasen, ist die Krise der Biodiversität vielfältiger. Nico Eisenhauer erklärt das gegenüber ZDFheute so: "Biodiversität ist in ihren Antworten viel variabler als die Klimaveränderungen, denn jedes Ökosystem ist anders."
Beim Klima aber, ergänzt Alexander Popp, ließen sich alle Treibhausgase, also etwa CO2, Methan oder Lachgas, auf eine gemeinsame Größe umrechnen und modellieren. Bei der Biodiversität funktioniere das nicht.
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Alexander Popp, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
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29.05.2026 | 43:29 minPopp erklärt, dass man CO2 langfristig auch wieder aus der Atmosphäre holen könne, doch "eine Art, die ausgestorben ist, ist dagegen für immer weg".
Weniger Fleisch: Mehr Platz für Natur, weniger Treibhausgase
Wie können Lösungen konkret aussehen? Natürlich gibt es bei einer solchen Menschheitsaufgabe wie dem Schutz von Klima und natürlicher Vielfalt keine einfachen Antworten. Aber eine erhebliche Wirkung auf beides habe das, was wir essen und wie wir dies erzeugen, sagt Nico Eisenhauer.
Modellrechnungen zufolge könnte eine weltweite Umstellung auf eine rein pflanzliche Ernährung die landwirtschaftliche Fläche um 76 Prozent verringern. Gleichzeitig könnten laut Eisenhauer "die mit der Ernährung verbundenen Treibhausgasemissionen um 49 Prozent, also nahezu die Hälfte, sinken".
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Rinder, Schafe und Ziegen produzieren bei der Verdauung Methan. Auch Gülle setzt Methan und Lachgas frei. Zudem werden für die Tierhaltung Soja, Mais und andere Futtermittel angebaut, was oft zu Monokulturen führt.
Auch Alexander Popp gibt daher der Ernährung einen hohen Stellenwert beim Schutz von Klima und Biodiversität gleichermaßen. Weniger tierische Produkte und weniger Lebensmittelabfälle führten zu weniger Flächenverbrauch.
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