Deutsche Mission in die Antarktis:Danger Islands: Ein Zufluchtsort für immer mehr Pinguine?
von Carsten Behrendt
Monatelang wurden nach einer Reise in die Antarktis Pinguinnester gezählt. Das Ergebnis: Auf den Danger Islands leben mehr Adéliepinguine als früher. Woran das liegen könnte.
Mission Pinguin - Mit dem Segelboot in die Antarktis
01.11.2026 | 43:54 minVor einem Jahr war das ZDF dabei, als deutsche Wissenschaftler mit einem Segelboot zu einem der abgelegensten Orte der Antarktis aufbrachen: den Danger Islands. Nur für einen Tag öffnete das Eis den Weg zu den sieben kleinen Inseln. Doch diese kurze Zeit reichte, um mit Drohnen alle Inseln zu überfliegen, Pinguine mit Sendern auszustatten und Proben zu sammeln. Die Auswertung dauerte Monate. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.
Nach der Rückkehr aus der Antarktis wurden die Drohnenbilder in Jena ausgewertet.
Quelle: ZDFDanger Islands beheimaten größte Brutpopulation von Adéliepinguinen weltweit
Die sieben kleinen Inseln an der Spitze der Antarktischen Halbinsel beheimaten die weltweit größte bekannte Brutpopulation von Adéliepinguinen weltweit. Wie groß sie ist, wurde erst vor zehn Jahren deutlich. Damals erfasste eine Expedition 750.000 Brutpaare. Seit 2024 stehen die Inseln und ihre Pinguine unter besonderem Schutz. Es ist das erste Gebiet dieser Art, für das Deutschland die Verantwortung übernommen hat.
Profisegler Boris Herrmann und ZDF-Reporter Carsten Behrendt reisten drei Wochen lang mit einem Forschungsteam durch die Antarktis. Bei "Volle Kanne" erzählen sie von ihren Erlebnissen.
18.12.2025 | 27:48 minMit Drohnen haben die Forscher nun alle Inseln fotografiert und die Aufnahmen zu Hause in Deutschland ausgewertet. Monatelang haben Osama Mustafa und sein Team vom Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Jena Pinguinnester gezählt. Das Ergebnis: 850.000 Adéliepinguin-Brutpaare, gut 13 Prozent mehr als bei der letzten Zählung vor zehn Jahren. Das entspricht rund 1,7 Millionen erwachsenen Pinguinen während der Brutzeit.
Sehen Sie die Doku "Mission Pinguin - Mit dem Segelboot in die Antarktis" am 8. November um 16:15 Uhr im ZDF oder jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Adéliepinguine als Klimaflüchtlinge
Bemerkenswert ist für die Forscher auch der Gegensatz zu anderen Regionen: Während die Bestände der Adéliepinguine in vielen Bereichen der Antarktischen Halbinsel zurückgehen, wachsen sie auf den Danger Islands. Eine mögliche Erklärung: Die Inseln könnten zu einem Rückzugsort für die Tiere geworden sein.
"Man könnte die Adéliepinguine als Klimaflüchtlinge bezeichnen", sagt Fritz Hertel vom Polarteam des Umweltbundesamts. Hertel hat die Mission geleitet.
Auf den Danger Islands haben die Pinguine stabilere Bedingungen, während es ihnen in sehr nahegelegenen Bereichen offensichtlich zu warm geworden ist.
Fritz Hertel, Umweltbundesamt
Ob tatsächlich einzelne Pinguine aus wärmer werdenden Gebieten auf die Danger Islands abgewandert sind, lässt sich bislang nicht nachweisen. Doch auch der Polarbiologe Simeon Lisovski vom Alfred-Wegener-Institut sieht in den Inseln einen möglichen Rückzugsort. Die Danger Islands könnten "wirklich so etwas wie ein Refugium" für Adéliepinguine sein.
Expedition zu den Danger Islands: Forschende segeln in die Antarktis und beobachten Pinguine, um die Folgen des Klimawandels besser zu verstehen.
14.11.2025 | 2:32 minExtreme Lebensbedingungen in der Antarktis
Die Zunahme der Population bedeutet allerdings nicht, dass die Brut jedes Jahr erfolgreich ist. Das zeigen die Daten der Pinguine, die während der Expedition mit Satellitensendern ausgestattet wurden. Einige Tiere entfernten sich mehrere hundert Kilometer von ihren Nestern, ungewöhnlich weit während der Brutzeit. Die Forscher vermuten, dass das außergewöhnlich dichte Eis während der Expedition viele Tiere an der Rückkehr auf die Danger Islands hinderte. Dadurch könnten zahlreiche Pinguinküken verhungert sein.
Für Osama Mustafa zeigt das auch, wie extrem die Lebensbedingungen in der Antarktis sind. Ein möglicher kompletter Brutausfall klinge zwar dramatisch, komme dort aber immer wieder vor.
Die Bedingungen sind einfach grenzwertig auch für diese Tiere.
Osama Mustafa, Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz
PFAS in Pinguineiern gefunden
Ein weiteres Ergebnis zerstört die Hoffnung der Forscher auf völlig unberührte Natur. In Pinguineiern von den Danger Islands fanden Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums Hereon in Geesthacht sogenannte Ewigkeitschemikalien, PFAS. Diese Stoffe werden von der Industrie beispielsweise für wasserdichte Outdoorjacken und Antihaftbeschichtungen verwendet. Die Konzentration in den Eiern lag ähnlich hoch wie bei früheren Untersuchungen an anderen Orten der Antarktis.
Die Wissenschaftler wie Fritz Hertel nahmen Eierproben auf den Danger Islands.
Quelle: ZDFFür die Forscher zeigt der Fund, wie weit menschliche Spuren reichen. Selbst in extrem entlegenen Gebieten gelangen die Chemikalien in die Nahrungskette und werden an die nächste Generation weitergegeben. Für Osama Mustafa betone das die Verantwortung für das alltägliche Tun hierzulande.
Schwierige Mission in die Antarktis
Die Antarktis ist anderthalbmal so groß wie Europa. Sie gilt noch immer als wenig erforscht. Jede Probe ist ein weiteres Puzzleteil zum Verständnis des eisbedeckten, südlichsten Kontinents der Erde.
Wie schwierig es war, die Proben von den Danger Islands zu gewinnen, zeigt die ZDF-Dokumentation "Mission Pinguin - Mit dem Segelboot in die Antarktis". Die 14-köpfige Crew aus Seglern, Wissenschaftlern und Journalisten kämpfte sich mit dem Forschungssegelboot "Malizia Explorer" durch dichtes Eis und extreme Stürme. Mit dabei war auch der Hochseesegler Boris Herrmann. Seinem Team Malizia gehört das Forschungsschiff. Für Herrmann war es nach mehreren Weltumrundungen entlang der Eisgrenze die erste Tour in die Antarktis. "Das waren die härtesten Bedingungen, die ich jemals erlebt habe", gesteht der Extremsportler.
Der Einsatz des Segelboots hat sich für das Expeditionsteam ausgezahlt. "Nicht alles hat geklappt", bilanziert Simeon Lisovski. Insgesamt sei aber "ein wunderbarer Grundstein für die kommenden Jahrzehnte" gelegt worden. Die Forscher planen bereits die nächste Mission: 2027 wollen sie auf die Danger Islands zurückkehren.
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