PFAS: Wo die Gefahren wirklich lauern | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Gute PFAS, schlechte PFAS? So gefährlich sind sie wirklich

von Christian Scharun

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Die "Ewigkeitschemikalien" PFAS haben einen schlechten Ruf - teilweise zu Recht. Doch das reale Risiko lässt sich nur bewerten, wenn wir die Unterschiede verstehen.

Terra X | Nano - Die Wissens-Kolumne: Christian Scharun


Die sogenannten PFAS sind eine chemische Stoffgruppe von über 10.000 unterschiedlichen Substanzen. Einige von ihnen werden mit schweren gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht. Trotzdem kommen wir über zahlreiche Produkte in unserem Alltag mit ihnen in Berührung und ein pauschales Verbot gibt es bisher nicht. Werden wir schleichend vergiftet?

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


Was sind PFAS überhaupt?

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS, werden seit vielen Jahrzehnten in Laboren überall auf der Welt hergestellt. Mittlerweile finden sie sich in den Böden aller Kontinente, jedem Gewässer dieser Erde, in Pflanzen und Lebewesen - auch im Blut von uns Menschen und ungeborenen Babys wurden sie nachgewiesen.

Nicht mehr zu trennen - die stärkste Verbindung zweier Elemente

PFAS bestehen aus unterschiedlich langen Ketten von Kohlenstoff und Fluor und gehen die stärkste Verbindung ein, die wir von zwei Elementen im Periodensystem kennen. Das macht sie extrem widerstandsfähig: PFAS reagieren mit nichts, sind wasser-, öl-, und schmutzabweisend.

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Daher eignen sie sich für viele Produkte in unserem Alltag, von Anti-Haftbeschichtungen und Feuerlöschern über Kinderwagen und Lebensmittelverpackungen bis hin zu Regenjacken und Zahnseide. Weil sie sich auf keinem natürlichen Weg abbauen, gelten sie als "Ewigkeitschemikalien" - und genau das macht sie so gefährlich.

Teflon mitessen? Harmlos - PFAS-Gefahren lauern woanders

Polymere PFAS wie Teflon gelten eher als unkritisch, denn sie werden vom Körper nicht aufgenommen. Selbst wenn man aus Versehen etwas von der Beschichtung einer Teflonpfanne mitisst, dann ist das zwar nicht besonders schmackhaft, aber es entsteht nach aktuellem Wissensstand kein gesundheitlicher Schaden.

Vorausgesetzt, dass wir PFAS-haltige Materialien sachgemäß verwenden - also unsere beschichtete Pfanne nicht über 350 Grad Celsius erhitzen oder die Regenjacke nicht zu heiß waschen.

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Problematisch sind eher kurzkettige PFAS, die verwendet werden um langkettige PFAS wie zum Beispiel Teflon herzustellen. Bei den Produktionsprozessen gelangen sie in Luft, Boden oder Wasser und schließlich in die Nahrungskette von Mensch und Tier. Einige dieser Stoffe stehen mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Unfruchtbarkeit und Krebs in Verbindung.

Ein pauschales PFAS-Verbot?

Zwar sind einige dieser gefährlichen PFAS in der EU inzwischen verboten (PFOA seit 2020 und PFOS seit 2006), jedoch bleiben Unklarheiten über die Auswirkungen weiterer Substanzen. Sollte man die gesamte Stoffgruppe pauschal verbieten?

Ein Problem damit hätte vor allem die Industrie. Für zahlreiche Produkte gelten PFAS als wichtiger Bestandteil, weshalb für den Fall eines Verbots immer wieder mit Milliardenschäden argumentiert wird.

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Und auch für uns Verbraucher hätte ein Komplettverbot Auswirkungen, denn wir wollen schließlich, dass der Kaffee-to-go-Becher nicht durchweicht, die Regenjacke dicht bleibt und die Energiewende vorangeht - denn auch in diesen Technologien sind PFAS momentan schwer zu ersetzen.

Warum ein PFAS-Verbot mit Ausnahmen sinnvoll wäre

Einige europäische Länder, darunter auch Deutschland, haben trotzdem ein PFAS-Verbot bei der Europäischen Kommission beantragt. Denn momentan haben wir es mit einer Stoffgruppe von über 10.000 Substanzen zu tun, deren individuelle Risiken nicht vollständig bewertet werden können.

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Die Auswirkungen jeder einzelnen Substanz mit Langzeitstudien zu prüfen, wäre ein immenser Aufwand. Deshalb könnte es sinnvoller sein, aus Sicherheitsgründen zunächst die gesamte Stoffgruppe zu verbieten und nach einer gründlichen Risiko-Nutzen-Abwägung einzelne PFAS für bestimmte Anwendungsbereiche zuzulassen.

Blick auf eine große Fabrikanlage. Auf der linken Seite läuft grell grünlich schimmerndes Wasser durch ein Abflussrohr in einen Bach

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... ist wissenschaftlicher Autor in der Redaktion von MAITHINK X. Wissenschaftliche Inhalte kommuniziert er auf unterhaltsame Art und Weise auch bei Science Slams sowie auf YouTube und anderen sozialen Netzwerken. 2022 konnte er mit "FameLab Germany" einen der größten Wettbewerbe für Wissenschaftskommunikation gewinnen. Neben seiner Passion für die Wissenschaft selbst war Christian Scharun als Klimaforscher aktiv. Dabei beschäftigte er sich mit den Emissionen von Treibhausgasen und simulierte mit Klimamodellen ihren Beitrag zur globalen Erwärmung.


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Über dieses Thema berichtete MAITHINK X in der Sendung "PFAS - Fluch der Ewigkeitschemikalien" bei ZDFneo am 12.04.2026 ab 22:15 Uhr.

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