Schröder-Moment von Merz?:Wenn Deutschland Nein zum Krieg sagt
von Jan Henrich & Johannes Lieber
Gerhard Schröder erteilte 2003 einer deutschen Beteiligung am Irak-Krieg eine Absage. Ähnlich äußerte sich nun Friedrich Merz zum Iran-Krieg. Wie vergleichbar ist die Situation?
Nur wenige Öl- und Gastanker passieren derzeit die von Iran blockierte Straße von Hormus. US-Präsident Trump fordert Unterstützung aus Europa, doch viele Staaten stellen sich gegen seinen Kurs.
17.03.2026 | 2:18 minMan stehe für "Abenteuer nicht zur Verfügung". So formulierte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder vor etwa 23 Jahren die frühe Absage an eine deutsche Irak-Krieg-Beteiligung. Es folgte eine Eiszeit der transatlantischen Beziehungen.
Nun drängt der aktuelle US-Präsident Donald Trump auf militärische Hilfe, und zwar bei der Absicherung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. Wieder ertönt ein deutliches "Nein" aus Deutschland. "Solange der Krieg andauert, werden wir uns daran nicht beteiligen", so Bundeskanzler Friedrich Merz gestern bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Dabei verweist er auf ein fehlendes Mandat der Vereinten Nationen, der EU oder der Nato. Das wäre gemäß des Grundgesetzes erforderlich.
Dieser Krieg ist nicht Angelegenheit der Nato.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
2003: Streit um UN-Mandat
Um völkerrechtliche Mandate ging es auch im Vorfeld des Irak-Kriegs 2003. Im Zentrum der Diskussionen stand damals eine Resolution des UN-Sicherheitsrats. Der gab dem Irak damals eine letzte Chance, Abrüstungsverpflichtungen einzuhalten.
Trump drängt die NATO, sich an einem Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen. Die EU-Staaten lehnen das ab. Diana Zimmermann und Claudia Bates berichten.
16.03.2026 | 4:18 minDie USA und das Vereinigte Königreich interpretierten die Resolution damals als Ermächtigung für ihr militärisches Eingreifen. Viele UN-Mitgliedstaaten, insbesondere Deutschland und Frankreich, sahen das anders. Hinzu kamen damals weitere Vorbehalte.
Bundeskanzler Gerhard Schröder machte deutlich, dass sich die Bundesrepublik auch mit einer legitimierenden UN-Resolution nicht am Krieg beteiligen würde. Der deutsche Außenminister zweifelte damals öffentlich an den von den USA vorgelegten Beweisen für Massenvernichtungswaffen.
I am not convinced. (Ich bin nicht überzeugt.)
Joschka Fischer (Grüne), damaliger Bundesaußenminister, 2003
Das transatlantische Klima war danach über Jahre hinweg stark belastet. Und das, obwohl sich Deutschland am Afghanistan-Einsatz noch beteiligt hatte, der zwei Jahre zuvor als Nato-Bündnisfall beschlossen wurde.
Der Ölmarkt ist unter Druck: Trotz massiver Freigabe von strategischen Reserven fällt der Preis nicht, im Gegenteil. Was das für unsere Inflation bedeutet.
13.03.2026 | 8:51 minEinzelne Abweichler in der CDU
Davon, dass sich die Bundeswehr heute am Krieg im Iran beteiligen soll, sind alle Parteien im Bundestag ebenfalls "nicht überzeugt". AfD-Bundessprecherin Alice Weidel bezeichnete es als "ziemlich abenteuerlich", einen Staat zu unterstützen, der einen anderen angreift. Sie warnte davor, die Nato von einem Defensivbündnis in ein Offensivbündnis zu "verwandeln".
Auch die Beteiligung an einer Sicherungsmission von Frachtschiffen in der Straße von Hormus durch die deutsche Marine lehnen alle Parteien ab. Nur einzelne Stimmen aus der CDU würden dies befürworten. So bezeichnete es der CDU-Verteidigungspolitiker Bastian Ernst als "falsch", dass die Bundesregierung einen Einsatz ausschließe.
"Ich bezweifle, dass man durch Eskorten Schiffe schützen kann", so Jürgen Hardt (CDU), außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, zur Straße von Hormus als iranisches Druckmittel auf Öl-Märkte.
17.03.2026 | 5:32 minEs sei wichtig, "einen eigenen Beitrag zur Aufklärung der Lage in der Straße von Hormus zu leisten", so der Bundestagsabgeordnete in der "Zeit". Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion Steffen Bilger erwartet allerdings "keine kontroverse Debatte" in der Fraktion. Die Linie der Regierung habe in der Union "sehr breite Unterstützung".
Experte: Sicherungsmission "noch keine Teilnahme" am Krieg
Ob eine Sicherungsmission in der Straße von Hormus schon eine Kriegsbeteiligung wäre, lässt sich nur schwer präzise beantworten, sagt der Völkerrechtler Christoph Safferling bei ZDFheute.
Eine reine Sicherungsmission wäre zwar mit dem "bewaffneten Konflikt in der Region verbunden", nach Safferlings Einschätzung aber "noch keine Teilnahme" an dem Krieg. In den Konflikt mit "hineingezogen zu werden" wäre dabei aber "die große Gefahr".
Europa könne Handelsschiffe schützen und die Hormus-Straße entminen. Jedoch sei die Bedrohung der Ölpreise in Europa weniger "existenziell". Man müsse zwischen Besatzungs-Leben und teurem Benzin abwägen, so Moritz Brake, Experte für maritime Sicherheit.
16.03.2026 | 5:48 minDer Völkerrechtler Franz Mayer von der Universität Bielefeld weist darauf hin, dass ein Einsatz der Bundeswehr nur in einem engen Rahmen möglich ist. So liegt beispielsweise für einen anderen Einsatz zum Schutz von Handelsschiffen im Roten Meer ein EU-Mandat sowie ein Beschluss des Bundestags vor. Den brauche es im Normalfall immer. Der Parlamentsvorbehalt für Einsätze der Bundeswehr sei vom Bundesverfassungsgericht vorgegeben, so Mayer.
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