Drohnenvorfall in Leipzig:Neue Spuren: Ermittler finden Antenne nahe des Flughafens
von Arndt Ginzel, Julia Klaus, Nils Metzger, Christian Rohde
Ermittler haben eine Antenne nahe des Flughafens Leipzig gefunden. Das zeigen Recherchen von ZDF frontal. Mutmaßlich diente sie zur Steuerung von Drohnen bei dem Angriffsversuch.
Nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle will Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) die Drohnenabwehr der Bundespolizei deutlich ausbauen.
10.08.2026 | 1:55 minSeit Dienstagmittag suchen Polizeibeamte und Kriminaltechniker ein kleines Waldstück im Norden des Leipziger Flughafens ab. Unterstützt werden sie von Spürhunden. Vor Ort sind mehrere Mannschaftswagen und Spezialisten in Schutzanzügen zur Beweissicherung.
Sie sind auf der Suche nach Spuren, die die mutmaßlichen Täter des Drohnenangriffs auf ukrainische Frachtmaschinen hinterlassen haben. Reporter von ZDF frontal konnten beobachten, wie die Ermittler in der Erde gruben und Fundstücke am mutmaßlichen Tatort bargen.
Ermittler finden eine Antenne im Baum
Mit den Ermittlungen Vertraute bestätigten ZDF frontal, dass Kriminaltechniker eine Antenne in einem Baum am nördlichen Rand des Flughafens gefunden haben. Der Fundort ist weniger als drei Kilometer vom eigentlichen Tatort - den geparkten Antonow-Frachtmaschinen - entfernt.
Ermittler suchen am Flughafen Leipzig nach Beweisen.
Quelle: ZDFÜber die Funktion der Antenne rätseln die Ermittler. Möglicherweise nutzen die Angreifer sie, um die Drohne zu steuern oder das Signal bei dem Angriff auf das Antonow-Frachtflugzeug zu verstärken. Denkbar ist auch, dass die Antenne auch dazu diente, mehrere Signalwege zu ermöglichen und so auch Kameras an den Drohnen zu steuern.
Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle geht die Debatte über Drohnenabwehr weiter. „Müssen bei der Ausrüstung unserer Flughäfen schneller werden“, so Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU).
10.08.2026 | 4:47 minDrohne war mit 5G-Technik ausgestattet
An einer der Drohnen wurden 5G-Antennen gefunden, wie ZDF frontal berichtet hatte. Christian Kaiser, Drohnen-Experte und Geschäftsführer von Copting, sagt dazu:
Der genaue Zweck der Antenne ist nicht ganz klar. Für die Steuerung einer Drohne mittels 5G ist eine Antenne nicht nötig.
Christian Kaiser, Drohnen-Experte
"Sie lässt sich aber als Signalverstärker einsetzen - dazu ist noch ein weiteres Hardware-Teil nötig", so Kaiser weiter. "Als Drohnenpilot kann ich meinen Laptop oder mein Smartphone anschließen und so die Drohne steuern. Auch mehrere Drohnen könnten mit einer Antenne angefunkt werden."
5G-Technik erlaubt es laut Kaiser, dass der Pilot sich nicht in direkter Nähe zum Flughafen aufhalten musste.
Am Flughafen Leipzig/Halle war eine Sprengstoff-Drohne entdeckt worden. Offiziell ist die Rede von einem „hybriden Anschlagsszenario“. Experten haben einen konkreten Verdacht.
09.08.2026 | 2:18 minBehörden sehen schwerwiegenden Angriff auf deutsche Infrastruktur
Nach dem Anschlag am Abend des 4. August hatte die Bundesanwaltschaft wegen der besonderen Bedeutung des Falles die Ermittlungen an sich gezogen. Es handele sich um einen schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland.
Damit sei die Tat geeignet, die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen, teilte die Behörde mit. Es lägen Anhaltspunkte vor, dass mittels einer Drohne eine Explosion verursacht werden sollte. Hierzu seien an der Drohne professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht worden. Eine Frachtmaschine, die wegen des Vorfalls durchstarten musste, sei im erweiterten Bereich des Flughafens in der Luft mit einem Gegenstand kollidiert, mutmaßlich einer weiteren Drohne.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat es bisher vermieden, sich konkret zu Tatverdächtigen zu äußern. Mehrere Politiker aus Regierung und Opposition machen Russland für den Drohnenangriff verantwortlich. Die russische Botschaft hat dies als Propaganda zurückgewiesen. Am Mittwoch will sich der Innenausschuss des Sächsischen Landtags in einer Sondersitzung mit dem Fall beschäftigen und sich über die Rolle und Arbeitsweise des neu gegründeten Drohnenabwehrzentrums im Zusammenhang mit dem Anschlag informieren.
Würde nachgewiesen, dass Russland hinter der Drohne am Leipziger Flughafen steckt, wäre das "ein Angriff auf Deutschland und die NATO", so Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler.
09.08.2026 | 5:37 minFlughafen Leipzig ist wichtiges Militär-Drehkreuz
Der Flughafen Leipzig ist auch ein militärisches Drehkreuz in Europa. Die Antonow-Maschinen spielen dabei eine strategische Schlüsselrolle. Einerseits wird mit ihnen aus der ganzen Welt Militärgerät und Munition für die ukrainischen Streitkräfte herangeschafft.
Genaue Angaben zum Umfang dieser Aktivitäten wollte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag Mitte Oktober 2025 nicht machen. Die Informationen seien so sensibel, "dass selbst eine Hinterlegung als eingestufte Verschlusssache in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages der erheblichen Brisanz der Informationen und dem außerordentlichen Schutzbedürfnis der Interessen unserer Partnernationen nicht ausreichend Rechnung tragen würden", so die Bundesregierung.
Nach dem Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle kommt der Nationale Sicherheitsrat zusammen. Im Fokus steht die Frage, wie Deutschland den Schutz vor Drohnenangriffen verbessern kann.
07.08.2026 | 1:50 minAuch die Nato ist auf Antonow angewiesen
Auch die Nato baut auf Antonow. Das Unternehmen im Besitz des ukrainischen Staates hat wegen des Krieges einen großen Teil seiner Aktivitäten nach Leipzig verlagert. Schon 2018 schlossen eine ganze Reihe europäischer Nato-Staaten einen Vertrag mit Antonow, damit das Militärbündnis auf deren Frachtmaschinen zugreifen kann.
"Strategic Airlift International Solution" (Salis) ist der Fachbegriff dafür - und ein Eingeständnis: Ohne Antonow könnten Staaten wie Deutschland, Frankreich, Tschechien oder Polen viele ihrer schwersten Fahrzeuge nur langsam zu Land oder Wasser transportieren.
Im Ernstfall, etwa bei einem Angriff auf das Baltikum, würde das Russland Zeit verschaffen. Die Zahl der An-124 Riesenflieger ist begrenzt. In Leipzig stationiert sind lediglich sechs Stück. Schon der Verlust eines einzigen Flugzeugs durch eine winzige Drohne wäre für die Nato ein Problem.
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