Sprengsatz-Drohne am Flughafen Leipzig:Warum Deutschland aktuell kaum Chancen zur Abwehr hat
Nach dem Fund einer Sprengsatz-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle warnen Experten: Ohne bessere Sensorik bleibt Deutschland Angriffen aus der Luft weitgehend schutzlos ausgeliefert.
In der vergangenen Nacht wurde am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne gefunden. ZDFheute live analysiert, wie sicher unsere Flughäfen sind.
05.08.2026 | 18:47 minDer Fund einer mit Sprengstoff und Zünder präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle bringt erneut eine schon länger im Raum stehende Frage aufs Tablett: Wie gut ist Deutschland vorbereitet, solche Angriffe rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren? Nach Einschätzung von Experten ist die Antwort ernüchternd.
Experten fordern mehr Sensorik zur Erkennung von Drohnen
Der Drohnenexperte Christian Kaiser erklärt bei ZDFheute live, dass Abwehr erst der letzte Schritt einer längeren Kette sei. Zuerst müsse man überhaupt feststellen, dass sich eine Drohne im Luftraum befindet - etwa über Frequenzscanner, Kameras oder Radarsysteme. Erst danach lasse sich einschätzen, ob von dem Flugobjekt eine Gefahr ausgeht, bevor Behörden reagieren können.
Am Flughafen Leipzig-Halle ist eine Drohne mit Sprengstoff und Zünder entdeckt worden - in der Nähe ukrainischer Frachtmaschinen. Russland wird dahinter vermutet.
05.08.2026 | 1:46 minBei den infrage kommenden Drohnentypen bleibe dafür kaum Zeit: Sie seien "klein, schnell, günstig aufzubauen" und erreichten Geschwindigkeiten zwischen 90 und 120 Stundenkilometer.
Wenn das System (die Drohne, Anm. d. Red.) in der Nähe des Flughafens aufgestiegen ist, da hingeflogen ist, hat man keine Chance, etwas zu machen.
Christian Kaiser, Geschäftsführer der Copting GmbH in Braunschweig
Auch der Verteidigungs- und Sicherheitsexperte Nico Lange sieht hier die zentrale Schwachstelle: Es fehle in Deutschland an der nötigen Sensorik, um Drohnen an Flughäfen und anderer kritischer Infrastruktur zuverlässig zu erkennen. "Wir brauchen dringend diese technologische Erkennung", so Lange im Gespräch mit phoenix - etwa durch elektrooptische und akustische Sensoren, wie sie in der Ukraine bereits breitflächig verbaut seien.
Trotz vergleichbarer Vorfälle an den Flughäfen München und Kopenhagen im vergangenen Jahr sei "seitdem eigentlich fast nichts" passiert, kritisiert der Experte.
Sicherheitsexperte Nico Lange: Drohnenvorfall in Leipzig "passt ins Schema russischer hybrider Angriffe".
05.08.2026 | 8:21 minGemeinsames Drohnenabwehrzentrum eher chancenlos
Für die Drohnenabwehr an Flughäfen ist in Deutschland die Bundespolizei zuständig. Das Ende vergangenen Jahres eingerichtete Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) von Bund und Ländern sei "die Bündelung der Erkenntnisse, der technischen Möglichkeiten und des Entstehens eines Lagebildes für Drohnen in Deutschland", so Drohnenexperte Kaiser. Im konkreten Fall Leipzig hätte das Zentrum aber wenig ausrichten können: Gegen eine Drohne, die mit 120 km/h aus wenigen Kilometern Entfernung einfliegt, könne man "nichts tun", so der Experte.
Auch die vielfach geforderte Ausweitung von Schutzzonen um Flughäfen sieht Kaiser skeptisch: Eine Schutzzone mache nur mit begleitenden Flugverboten Sinn, doch da auch legitime Drohnennutzung - etwa "landwirtschaftlich, Rehkitzrettung und Ähnlichem" - in Flughafennähe stattfinde, sei fraglich, ob eine größere Schutzzone "zu einer Erhöhung der Sicherheit der Flughäfen führt".
Innenminister Dobrindt hat in Berlin das neue Abwehrzentrum gegen hybride Bedrohungen eröffnet. Es soll vor Drohnen- und Cyberangriffen schützen und diese direkt vor Ort analysieren.
16.06.2026 | 1:51 minExperte: Vorfall passt ins Schema russischer hybrider Angriffe
Sicherheitsexperte Nico Lange ordnet den Vorfall bei Leipzig in den größeren Kontext russischer hybrider Kriegsführung gegen Deutschland ein, zu der neben Drohnenüberflügen auch Sabotage, Brandstiftungen und Cyberangriffe zählten.
Da Deutschland bislang kaum Konsequenzen daraus ziehe, entstehe für Russland kein Risiko: "Es hat also für Russland keine Folgen, wenn es solche Dinge tut." Lange fordert:
Wir müssen der anderen Seite die Botschaft vermitteln: Tut das nicht, weil das hat schwere Folgen für euch. Wenn wir das nicht können, bleiben solche Dinge nicht nur ungestraft, sondern sie sind ja extrem gefährlich für Infrastrukturen wie Flughäfen.
Nico Lange, Experte für Sicherheitspolitik
Mehr zum Thema Drohnen
- Interview
Expertin nach Vorfall in Rumänien:Nato-Drohnenabwehr: "Mit viel zu großen Kanonen auf Spatzen"
mit Video5:18 Baltikum macht Russland Vorwürfe:Drohnenalarm in Litauen: Staatsspitze zeitweise im Bunker
mit Video2:33- Interview
Drohnen im Kampf gegen Russland:Pistorius: Ukraine ist westlichen Ländern weit voraus
mit Video7:18