Neue Infos zum Flugobjekt:Drohnen-Vorfall in Leipzig: Experte sieht "Supergau"
von K. Belousova, J. Klaus, J. Schneider
Auch am Tag nach dem Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle bleiben viele Fragen zu dem Vorfall. Zur Ausstattung der Drohne gibt es nun neue ZDF-Informationen.
Nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig dauern die Ermittlungen weiter an. Hinweise auf eine russische Beteiligung sind bislang nicht bekannt.
06.08.2026 | 1:34 minAn der mit Sprengstoff beladenen Drohne, die am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt wurde, waren 5G-Antennen verbaut. Das erfuhr ZDF frontal am Donnerstag aus Sicherheitskreisen. Das spreche für eine Steuerung über Mobilfunk - und keine "Baumarktdrohne".
"Das ist der Supergau für die Detektion", erklärt der Drohnen-Experte Christian Kaiser dazu im Gespräch mit dem ZDF: "Wenn eine Drohne mittels 5G-Antennen gesteuert wird, dann ist darin eine SIM-Karte verbaut, die ein Pilot ansteuern kann. Der Pilot kann theoretisch in einem Café in Leipzig oder auch im Ausland sitzen - er benötigt lediglich Internet an seinem Endgerät."
Per Frequenzscanner am Flughafen ist die so gesteuerte Drohne dann nicht von einem Mobiltelefon unterscheidbar.
Christian Kaiser, Drohnen-Experte
Was ist am Flughafen Leipzig/Halle passiert?
Eine Drohne mit Sprengladung wurde in der Nacht zum Mittwoch am Flughafen Leipzig/Halle von einem Flughafenmitarbeiter entdeckt. Bei dem Mitarbeiter handelt es sich um einen Busfahrer. Das erfuhr das ZDF aus Sicherheitskreisen. Demnach informierte der Busfahrer auch die Sicherheitsbehörden.
Experten der Bundespolizei entschärften die Sprengladung, die offenbar nur deshalb nicht detonierte, weil der Zünder nicht funktionierte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der Sprengsatz Semtex enthalten haben. Der Plastiksprengstoff wird bei kommerziellen Sprengungen eingesetzt und auch vom Militär verwendet.
Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen wird die Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen vorangetrieben. Ermittler prüfen die Hintergründe und mögliche Hinweise auf Sabotage.
06.08.2026 | 1:51 minErmittler bestätigten zudem, dass ein zweites Flugzeug nach einem abgebrochenen Landeanflug mit einem "mutmaßlich zweiten unbekannten Flugobjekt" zusammengestoßen sei. Die DHL-Frachtmaschine musste wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn durchstarten. Sie konnte sicher in Hannover landen, wo leichte Beschädigungen festgestellt wurden.
Die weiteren Ermittlungen hat mittlerweile die Bundesanwaltschaft übernommen. Grund sei die besondere Bedeutung des Falles, teilte die Behörde am Donnerstagabend in Karlsruhe mit. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Die Bundesanwaltschaft stuft die Tat als schwerwiegenden Angriff auf die Infrastruktur ein.
Damit ist die Tat geeignet, die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen.
Mitteilung der Bundesanwaltschaft
Warum fiel die Drohne nicht auf?
Ob und warum entsprechende Detektoren nicht oder nicht rechtzeitig angeschlagen hätten, werde weiterhin untersucht, heißt es aus Sicherheitskreisen. Hartmut Fricke, Professor für Technologie und Logistik des Luftverkehrs an der TU Dresden, erklärte im Gespräch mit dem ZDF, dass die technischen Herausforderungen bei der Drohnenabwehr erheblich seien: Erkannt werden müssten "sogenannte Multikopter - wenige zehn Zentimeter große Drohnen", und das bei schlechter oder gar keiner Sicht im Dunkeln. Zudem müssten Drohnen zuverlässig von Vögeln unterschieden werden.
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"So weit sind wir an den deutschen Flughäfen grundsätzlich noch gar nicht", so Fricke. Es gebe "erste Systeme, die bei guter Witterung funktionieren". Die Abwehr sei daher technisch machbar, de facto aber noch nicht implementiert.
Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann hatten wir mehr Glück als Verstand, dass das in Leipzig so ausging, wie es ausging.
Hartmut Fricke, Professor für Technologie und Logistik des Luftverkehrs an der TU Dresden
Ganz anders schildert der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) den aktuellen Stand. Demnach würden die acht größten deutschen Flughäfen vom Bund derzeit "in Lichtgeschwindigkeit" mit neuester Drohnenabwehrtechnik ausgestattet, erklärte BDL-Geschäftsführer Joachim Lang gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Am größten Flughafen Frankfurt sei bereits sehr leistungsfähige und nachrüstbare Technik eingeführt worden. Auch der Flughafen in Leipzig/Halle soll priorisiert damit ausgestattet werden.
ZDFheute live analysiert, wie sicher unsere Flughäfen sind.
05.08.2026 | 18:47 min"Wir sind zuversichtlich, dass bis Ende des Jahres der Großteil der Flughäfen davon profitieren wird", sagte Lang. Wichtig sei, dass das hohe Tempo bei Detektion und Abwehr - nun auch zentral in Zuständigkeit der Bundespolizei - beibehalten werde. Der Vorfall in Leipzig zeige, wie dringend das sei.
Warum wurde der Flughafen Leipzig zum Ziel?
Eine mögliche Erklärung ist, dass der Flughafen als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen für die Ukraine gilt. Berichte, wonach die Drohne neben einem mit Munition beladenen Flugzeug gelandet sei, dementierten Parlamentskreise gegenüber ZDF frontal. In einer gemeinsamen Obleute-Unterrichtung von Innen- und Verteidigungsausschuss am Donnerstag hieß es demnach, die Maschinen seien "leer" gewesen.
Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art am Flughafen Leipzig/Halle: Im Juli 2024 kam es zu einem Zwischenfall mit einem brennenden Paket. Aktuell läuft dazu in Litauen ein Gerichtsverfahren. Beim Prozess gegen fünf mutmaßliche Versender von Brandsätzen in Kurierpaketen wurde deutlich, wie knapp die DHL damals einem Zwischenfall an Bord eines Frachtflugzeugs entkam. Dass das Paket mit dem Brandsatz noch am Boden im DHL-Logistikzentrum am Flughafen Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geraten ist, sei auf die Verspätung der Maschine zurückzuführen gewesen.
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