Drohnen-Vorfall am Flughafen:Experte: Diese Gründe sprechen gegen eine "False Flag"-Aktion
Steckt Russland hinter dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen? Ein Täuschungsmanöver der Ukraine ergäbe laut dem Sicherheitsexperten Peter Neumann jedenfalls "keinen Sinn".
Der Drohnenvorfall in Leipzig passe "in den strategischen Kontext", mit dem Russland vorgehe, sagt Sicherheitsexperte Neumann.
06.08.2026 | 5:39 minDie Bundesregierung bleibt bislang vage, wenn es darum geht, Verantwortliche für den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle zu benennen. Der Sicherheitsexperte Peter Neumann vom Londoner King's College weist jedoch darauf hin, dass Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in seiner ersten öffentlichen Reaktion "einige Tipps" gegeben habe.
So habe Dobrindt von "fremden Mächten" sowie von "professionellen" Akteuren gesprochen. "Das deutet ja alles auf einen Staat hin", schlussfolgert Neumann. Mit dem Hinweis auf "hybride Bedrohungen" habe der Innenminister zudem einen Begriff verwendet, "den wir erstens in Bezug auf Staaten und meistens in Bezug auf Russland verwenden".
Mit dem Fund einer mit Sprengstoff beladenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle wurde wohl ein möglicher Anschlag verhindert. Doch Fragen zu den Hintergründen bleiben noch offen.
06.08.2026 | 2:54 minWas laut Neumann für Russland spricht
Aus der Sicht Neumanns ergäbe es Sinn, wenn Russland hinter dem Vorfall steckte. Dafür spreche:
- Ziel des Angriffs sei eine Operation zur Unterstützung der Ukraine gewesen.
- Russland führe "seit 2022 ganz häufig" gefährliche Drohnenflüge durch.
- Es passe "in den strategischen Kontext", dass Russland wegen des erfolgreichen Drohnenkriegs der Ukraine "im Gegenzug auch das Hinterland der Ukraine, das heißt die Nato-Staaten, angreifen möchte".
Warum Neumann nicht an eine "False Flag"-Aktion der Ukraine glaubt
Trotz dieser Indizien kursiert - unter anderem in sozialen Medien - aber auch die Hypothese, dass die Ukraine selbst hinter dem Angriffsversuch stecken könnte. Verwiesen wird dann auf die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee, bei der zunächst schnell Russland verdächtigt wurde, am Ende aber ein Ukrainer angeklagt wurde und gegen weitere ukrainische Verdächtige ermittelt wird.
Armin Schuster (CDU), Innenminister Sachsens, spricht von einem "mutmaßlichen Anschlagsszenario". Zum ersten Mal sei eine Drohne mit Sprengstoff bestückt gewesen.
05.08.2026 | 6:58 minKönnte es sich also auch bei dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle um ein ukrainisches Täuschungsmanöver, eine "False Flag"-Aktion handeln? Neumann hält das für unwahrscheinlich: "Der Unterschied ist natürlich ein ganz deutlicher", erklärt er. Die Pipelines habe mutmaßlich die Ukraine gesprengt, um Russland zu schaden - erfolgreich.
"Hier ist es ja eher so, dass der Ukraine geschadet wird", so der Experte. "Unmittelbar, weil ihre Transportflugzeuge zerstört werden, mittelbar, weil wir jetzt eine Diskussion über genau dieses Thema haben und möglicherweise eine Diskussion über die Unterstützung der Ukraine."
Der Ukraine schadet das eher und deswegen macht es auch keinen Sinn, dass die Ukraine das selbst durchführen würde.
Peter Neumann, Sicherheitsexperte
Ein Vergleich zwischen der Sprengung der Pipelines und dem Drohnenvorfall hinke also.
Wie Deutschland laut Neumann nun reagieren sollte
Neumann sieht jetzt dringenden Handlungsbedarf in Deutschland. Man müsse "die eigenen Hausaufgaben machen" in den Bereichen Drohnenabwehr, Drohnenerkennung, der Schaffung eines einheitlichen Rechtsrahmens und "dem Kompetenzwirrwarr, was es nach wie vor gibt".
Der Vorfall in Leipzig hat gezeigt: Deutschland ist bei der Drohnenabwehr verwundbar. Wie die Politik das ändern will, berichtet ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann.
06.08.2026 | 1:55 minZudem müsse Deutschland, "wenn es denn Russland war, tatsächlich eine Botschaft senden". Entscheidend sei dabei, "genau den richtigen kommunikativen, strategischen Punkt" zu finden. Es dürfe keine Überreaktion sein, aber auch kein Zeichen der Schwäche. "Gar nichts zu tun, das würde von Putin so interpretiert, als wäre es möglich, diese Art von Angriff zu machen, und es passiert nichts."
Das Interview im heute journal führte Marietta Slomka. Zusammengefasst wurde es von Torben Heine.
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