Kiesewetter bei "Lanz": "Die Brandmauer wird nicht fallen"

Debatte um Migration:Kiesewetter bei Lanz: "Die Brandmauer wird nicht fallen"

von Bernd Bachran

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Bei "Lanz" verteidigt Armin Petschner-Multari das Ziel von Massenabschiebungen, während Roderich Kiesewetter auf Integration setzt und eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnt.

Roderich Kiesewetter zu Gast bei "Markus Lanz".

Zu den Entwicklungen in den USA und die weltweiten Konsequenzen der Politik Donald Trumps sowie über das angespannte deutsch-amerikanische Verhältnis und die Außenpolitik der Bundesregierung.

27.01.2026 | 75:21 min

Am vergangenen Wochenende sorgte ein erneuter tödlicher Einsatz der US-Abschiebebehörde ICE für weltweite Empörung. Die brutalen Methoden der Einsatzkräfte und der massive Gewalteinsatz lösten internationale Kritik und Proteste aus. Unter dem Druck der Demonstrationen lenkte US-Präsident Donald Trump nun teilweise ein: Der umstrittene Grenzschutzchef Gregory Bovino wurde aus Minnesota abgezogen, zudem soll die Zahl der ICE-Agenten in Minneapolis reduziert werden.

"ICE"-Beamte in Minneapolis

Nach den erneuten tödlichen Schüssen durch die amerikanische Einwanderungsbehörde ICE sollen erste Bundesbeamte Minneapolis verlassen. In der Stadt hatte es heftige Proteste gegeben.

27.01.2026 | 0:23 min

Massenabschiebungen auch für Deutschland?

Der ehemalige Kommunikationsberater der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Politikberater Armin Petschner-Multari erwähnte vor wenigen Tagen in einem Podcast, dass auch er das Vorgehen von ICE kritisch sehe, dass er jedoch das Ziel von "Massenabschiebungen" durchaus verstehen kann und auch für Deutschland befürworten würde. Bei "Markus Lanz" bestätigte Petschner-Multari seine Aussage.

Das klingt sehr hart, aber es ist die Durchsetzung des Rechtsstaats.

Armin Petschner-Multari, Politikberater

Petschner-Multari erklärte, der Begriff klinge im Deutschen deutlich härter als im Englischen. "Mass deportation" sei im englischen politischen Sprachgebrauch relativ geläufig und weniger scharf besetzt.

Wenn ich mir das hier (Asylzahlen) in Deutschland anschaue, bin ich auch der Meinung, dass wir natürlich Rückführungen und dergleichen forcieren müssen.

Armin Petschner-Multari, Politikberater

Petschner-Multari weiter: "Wir freuen uns, wenn der Innenminister einen Afghanen, einen Straftäter in die Maschine setzt. Dann sagen die Leute 'Mensch, toll, was der Alexander Dobrindt da macht', aber die Stückzahl (…) ist eine Farce." In diesem Zusammenhang sprach der Politikberater von "Vollzugsdefizit".

Außenminister Wadephul besucht Syrien

Nach seinem Syrien-Besuch im November zweifelte Außenminister Wadephul an der baldigen Rückkehr vieler Flüchtlinge. Dennoch fordert die CSU nun eine umfassende Abschiebeoffensive.

02.01.2026 | 1:43 min

Kiesewetter: Integration und Bildung in den Vordergrund stellen

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter wollte dies nicht so stehen lassen und relativierte die genannte Zahl von 300.000 in Deutschland lebenden Ausreisepflichtigen, indem er darauf verwies, dass von den rund 950.000 Syrern in Deutschland etwa 1.200 als Straftäter festgestellt worden seien und mehr als 90.000 dieser 950.000 besäßen die deutsche Staatsbürgerschaft.

"Aber etliche 10.000 (dieser Syrer) in Arbeit integriert sind, davon auch etwa 70.000 Pflegekräfte und etwa 8.000 Ärztinnen und Ärzte. (…) Ich glaube, unsere Herausforderung ist, Integration und Bildung und weniger das Thema Migration in den Vordergrund zu stellen", so Kiesewetter.

Ganz entscheidend ist aus meiner Sicht, dass wir den Fokus auf Integration und Bildung legen. Wir dürfen nicht den Eindruck vermitteln, als ob die, die zu uns gekommen sind, im Wesentlichen aus Straftätern bestehen.

Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordneter

ZDF-Korrespondentin Patricia Wiedermeyer

Ein Straftäter ist nach Syrien abgeschoben worden. Es ist die erste Abschiebung dorthin seit 14 Jahren. Einschätzungen von ZDF-Korrespondentin Patricia Wiedemeyer.

23.12.2025 | 1:18 min

Markus Lanz verwies darauf, dass es in Deutschland rund 300.000 ausreisepflichtige Menschen gebe, die ein rechtsstaatliches Verfahren durchlaufen hätten und dennoch im Land blieben. Dadurch entstehe seiner Ansicht nach bei vielen Menschen ein Gefühl von Ungerechtigkeit, was man teilweise nachvollziehen könne.

Von diesem Gefühl der Menschen profitiert besonders die AfD. Markus Lanz sah in diesem Zusammenhang einen Riss zwischen den Unionsparteien, "zwischen denen, die sagen 'auf gar keinen Fall mit der AfD' und der anderen Seite, die sagt 'natürlich, das müssen wir jetzt demnächst irgendwann ausprobieren.'".

SGS-Hagel-Sievers

Die AfD sei eine Art Fieberthermometer der Gesellschaft, sagt Manuel Hagel, Parteichef der CDU in Baden-Württemberg. Man müsse die Probleme angehen, die die AfD stark machten.

20.10.2025 | 6:42 min

Kiesewetter: "Die Brandmauer wird nicht fallen"

CDU-Politiker Kiesewetter sah die Situation eindeutig: "Die Brandmauer wird nicht fallen." Es werde auch keine Kooperation mit der AfD geben.

Die Zusammenarbeit mit der AfD haben wir überwunden (…), dass irgendwelche Leute glauben, mit der AfD zu kooperieren, ist vorbei.

Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordneter

Kiesewetter erklärte dies unter anderem mit dem "Riesenfehler", den die Union vor genau einem Jahr gemacht habe, als die Union "gezwungen war, mit der AfD über etwas abzustimmen, was uns schwer geschadet hat. Die Umfragewerte fielen von 32 Prozent auf 28 Prozent. Unser Generalsekretär hat sehr klar gesagt, dass das im Bundestagswahlkampf der größte Fehler war. Ich glaube, das war äußerst heilsam."

Berlin, Deutschland, 20.10.2025: Konrad-Adenauer-Haus: CDU-Bundesvorstandssitzung: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Bundeskanzler Friedrich Merz grenzt sich auf der CDU-Parteiklausur in Berlin deutlich von der AfD ab. Teile der CDU hatten zuletzt eine „Brandmauer“ zur AfD abgelehnt.

20.10.2025 | 1:47 min

Der ehemalige Kommunikationsberater der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Armin Petschner-Multari wollte sich nicht festlegen, würde aber zu einer Zusammenarbeit mit der AfD "tendenziell eher Nein sagen". In Sachsen-Anhalt könne es durchaus sein, so Petschner-Multari, dass sich eine Brandmauer-Debatte erübrige, weil die AfD durch den Wählerwillen - den man akzeptieren müsse - möglicherweise eine absolute Mehrheit erringen werde.

Was Petschner-Multari sich vorstellen könne, "wäre eine Minderheitsregierung unter CDU-Führung, die sich dann auf wechselnde Mehrheiten stützen muss."

Über das Thema berichtete die Sendung Markus Lanz am 27.01.2026 um 22:45 Uhr.

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