Klausurtagung in Seeon:Wie realistisch sind die Abschiebepläne der CSU?
von Julian Schmidt-Farrent
Abschiebeflüge nach Afghanistan und Syrien, ukrainische Männer zurück für den Wehrdienst in die Ukraine - die CSU hat neue Migrationspläne. Experten ordnen die Forderungen ein.
Zum Auftakt forderte Parteichef Söder "eine Generalüberholung des Sozialstaats". Außerdem müsse man bestimmte Vereinbarungen wegen der schlechten Wirtschaftslage neu bewerten.
06.01.2026 | 2:41 minNeues Jahr, alte Debatte: Die CSU will die Flüchtlingspolitik weiter verschärfen, schreibt in einem Positionspapier für ihre Klausurtagung in Seeon von der "Abschiebeoffensive 2026". Und Parteichef Markus Söder verspricht zum Auftakt der Veranstaltung:
Es ist das Jahr, in dem die Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien stattfinden werden.
Markus Söder, CSU-Chef
Wie realistisch sind die Pläne? Zwei Experten ordnen fünf CSU-Vorschläge ein:
Die CSU-Abgeordneten treffen sich im bayerischen Kloster Seeon zur Winterklausur. Schwerpunkt ist die Verschärfung der Migrationspolitik.
06.01.2026 | 1:46 min1. Linienflüge für Rückkehr nach Syrien und Afghanistan
Die CSU will eine "Rückkehr-Roadmap" für Syrer entwickeln. Das Land befinde sich nach dem Sturz von Regierungschef Baschar al-Assad im Wiederaufbau - damit entfalle der Schutzgrund für die meisten Syrer. Nach Syrien und Afghanistan sollten künftig Linienflüge starten, im Flughafen München soll kommendes Jahr ein eigenes Abschiebeterminal entstehen.
Bei der CSU-Winterklausur steht sogenannte "Abschiebeoffensive" der Partei auf der Tagesordnung. "Es ist ein Thema, das die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit beeinflusst", sagt CSU-Generalsekretär Martin Huber.
05.01.2026 | 6:34 minGroße Abschiebezahlen erwarten Experten nicht: Maximal 200 Menschen könnten die Behörden mit einem Flug abschieben, schätzt der Migrationsforscher Daniel Thym. Selbst bei einer Steigerung auf zwei Flüge pro Woche bleibe die Zahl der Abgeschobenen vergleichsweise gering.
Über allem stehe die Rechtmäßigkeit: Die Lage in Syrien und Afghanistan sei nicht sicher genug, kritisiert die Politikwissenschaftlerin Petra Bendel. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge müsse weiterhin den Schutzbedarf individuell prüfen - "und dagegen können die Betroffenen dann klagen", betont auch Experte Thym. Er schätzt, dass die Abschiebezahlen nur leicht steigen werden. Allerdings könnten Maßnahmen wie Abschiebeflüge auch andere zur Ausreise motivieren.
... ist Professorin an der FAU Erlangen-Nürnberg und leitet dort den Forschungsbereich Migration, Flucht und Integration. Von 2019 bis 2022 war die Politikwissenschaftlerin Vorsitzende des Sachverständigenrats für Integration und Migration."
2. Schutzstatus nach Heimaturlaub aufheben
Es ist das Murmeltier der Migrationsdebatte: Die CSU will Menschen den Schutzstatus in Deutschland automatisch entziehen, sobald sie ihr Heimatland wieder besucht haben.
Nach seinem Syrien-Besuch im November zweifelte Außenminister Wadephul an der baldigen Rückkehr vieler Flüchtlinge. Dennoch fordert die CSU nun eine umfassende Abschiebeoffensive.
02.01.2026 | 1:43 minEin solcher Automatismus sei juristisch nicht einfach, erklärt der Jurist Thym. Entscheidend sei ohnehin die Frage, ob die Behörden von solchen Heimatbesuchen erfahren würden.
Diese praktische Umsetzung, das ist das eigentliche Problem.
Daniel Thym, Migrationsforscher
... ist seit 2010 Professor für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht an der Universität Konstanz. Als stellvertretender Vorsitzender gehörte er bis 2022 dem Sachverständigenrat für Integration und Migration an.
3. Europäische "Return Hubs" errichten
Mit dieser Forderung zielt die CSU auf europäische Pläne ab: Wenn abgelehnte Asylbewerber nicht von ihrem Heimatland aufgenommen werden, sollen sie in sogenannten "Return Hubs" außerhalb der EU-Grenze landen.
Kaum ein Thema spaltet Europa so sehr wie die Migration. 2015 herrschte Willkommenskultur, seitdem schwenkt die EU zu einem härteren Umgang mit Geflüchteten.
16.05.2024 | 45:19 minOffen bleibt, welche Drittstaaten entsprechende Hubs einrichten würden - und welchen Preis sie von den EU-Staaten verlangen. "Das ist eine Frage von politischen Verhandlungen", sagt Experte Thym. "Unklar ist auch, wer auf unabhängige Weise dafür sorgt, dass die Einhaltung menschenrechtlicher Standards in diesen Zentren gewährleistet wird", kritisiert die Nürnberger Forscherin Bendel.
4. Grenzkontrollen und Zurückweisungen beibehalten
Die Zurückweisungen an deutschen Grenzen dominierten den Bundestagswahlkampf des vergangenen Jahres - nun möchte die CSU nicht mehr darauf verzichten. Durch die verschärfte Grenzpolitik habe sich die Zahl der Erstanträge halbiert, argumentiert die Partei.
Die Zahl unerlaubter Einreisen ist in den letzten zwei Jahren um mehr als die Hälfte gesunken. Für Innenminister Dobrindt sind vor allem die harten Grenzkontrollen dafür verantwortlich.
27.12.2025 | 2:34 minDas sei zu simpel, meinen die Experten: Asylbewegungen hingen von deutlich mehr Faktoren ab. Vor allem sich verändernde Zustände in den Herkunftsländern wie Syrien spielten eine Rolle. Außerdem sei die deutsche Gesetzgebung grundsätzlich strenger geworden, so Thym.
Die Gesamtrichtung der Koalition ist ein Faktor, der dazu führt, dass weniger kommen. Grenzkontrollen dürften nicht das Entscheidende sein.
Daniel Thym, Migrationsforscher
5. Neue Regeln für ukrainische Flüchtlinge
Eine vergleichsweise neue Forderung enthält das Positionspapier auch: Die CSU drängt darauf, dass wehrfähige ukrainische Männer "ihren Beitrag zur Verteidigung des Landes leisten". Was das konkret bedeutet, bleibt offen.
Das Bundeskabinett hat im November einige Änderungen beschlossen. So soll für Flüchtlinge aus der Ukraine kein Bürgergeldanspruch mehr bestehen.
19.11.2025 | 3:44 minDarüber hinaus sollten alle Asylbewerber unabhängig von ihrem Herkunftsland ihr persönliches Vermögen für den Aufenthalt in Deutschland hinzuziehen. Das passiere bei Neuankömmlingen aus der Ukraine bereits heute, so Expertin Bendel.
Julian Schmidt-Farrent berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in München.
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