Union und SPD in der Krise: Koalitionsausschuss berät Reformen

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Regierung von Union und SPD in der Krise:Im Kanzleramt: Worüber der Koalitionsausschuss heute berät

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Nach den Wahlniederlagen im Osten und dem Reformstreit berät der Koalitionsausschuss erstmals den künftigen Kurs. SPD-Fraktionschef Miersch will eine "sehr ehrliche Aussprache".

Merz und Klingbeil bei der 60. Sitzung des Bundeskabinetts.

Mit Ende der Sommerpause trifft sich der Koalitionsausschuss wieder. Auf der Tagesordnung steht die weitere Umsetzung der geplanten Reformen. Offen bleibt, ob sich Union und SPD einig werden.

07.10.2026 | 0:15 min

Zum ersten Mal seit gut drei Monaten kommen die Spitzen aus CDU/CSU und SPD zu einer Sitzung des Koalitionsausschusses zusammen, um über den weiteren Reformkurs zu beraten. Konkrete inhaltliche Beschlüsse zu umstrittenen Vorhaben werden nicht erwartet, aber möglicherweise ein Zeitplan für die Umsetzung.

Auf jeden Fall dürfte es eine offene Diskussion darüber geben, ob aus den Landtagswahlen im September mit teils drastischen Verlusten für die Regierungsparteien Konsequenzen für den weiteren Kurs gezogen werden sollen. Die SPD fordert Änderungen am Paket, während Bundeskanzler Friedrich Merz und die Union die bisherige Linie fortsetzen wollen.

V.l.: Alexander Dobrindt (CSU), Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundeskanzler Friedrich Merz

Die Mehrheit der Deutschen zweifelt daran, dass Bundeskanzler Friedrich Merz es schaffen wird, an seinem Reformkurs festzuhalten. Das zeigt das aktuelle ZDF-Politbarometer.

25.09.2026 | 5:48 min

Miersch erwartet "sehr ehrliche Aussprache"

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte vor der Sitzung, er erwarte eine "sehr ehrliche Aussprache miteinander, wie wir jetzt die Aufgaben auch in den nächsten Monaten angehen". Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) sagte, es gehe nun darum, "in welcher Reihenfolge und wie wir jetzt in den nächsten Wochen diesen großen Arbeitsberg abarbeiten möchten".

Matthias Miersch, SPD-Fraktionschef im Bundestag, im Berlin-direkt-Interview

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (SPD) äußert sich im ZDF zum Stand der Reformen und zur Stimmung in der Koalition.

04.10.2026 | 5:18 min

Der Ausschuss hatte bei der letzten Sitzung Anfang Juli ein Reformpaket beschlossen, das Regelungen zu Rente, Steuer, Pflege und Arbeitsmarkt enthält. Einiges ist schon abgehakt, an vielen Stellen gibt es aber noch Streit. Das sind die Knackpunkte:

Kommen wirklich Steuererhöhungen?

Höhere Steuern auf zuckerhaltige Getränke, auf Tabak und Plastik sollen für mehr Gesundheits- und Umweltschutz sorgen, vor allem aber den Bundeshaushalt entlasten. Auch die Besteuerung von Kryptowährungen wie Bitcoin soll verschärft werden. Die Spitzen von Union und SPD haben die Maßnahmen beschlossen, im Etat sind sie schon eingeplant - doch die Gesetzentwürfe von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sorgen für Streit.

Teile der Union sperren sich dagegen, das Kanzleramt bremste den Entwurf zur Zuckersteuer erst einmal aus. Klingbeil wolle zu stark zulangen und halte sich nicht an Vereinbarungen, so der Vorwurf. Die SPD fühlt sich auch hintergangen: Wer alle Steuererhöhungen konsequent ablehne, der müsse sagen, wie sonst Geld in die Kasse kommen solle. Die Fronten im Steuerstreit sind verhärtet - und zwischen den Koalitionspartnern ist Vertrauen verloren gegangen.

Bekommt die Koalition überhaupt einen Haushalt zusammen?

Wenn die Einnahmen aus den geplanten Steuererhöhungen fehlen, steht es schlecht um Klingbeils Haushalt. Zur Debatte stehen außerdem Zusatzforderungen der Union etwa nach höherem Elterngeld und einem Ausgleich der inflationsbedingten kalten Progression.

Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales und SPD-Parteivorsitzende, Manuela Schwesig (r SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Krach (l), SPD-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin, und Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzender, geben nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenhauswahl in Berlin eine Pressekonferenz.

Nach den drei jüngsten Wahlen hagelte es Kritik an CDU und SPD. Letztere stellt sich nun die Frage, ob die angekündigten Reformen der Partei helfen oder die Lage verschlimmern.

21.09.2026 | 2:53 min

Damit dürfte Klingbeils Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 nicht mehr aufgehen. Das ist jetzt vor allem ein Problem der Haushälter der Koalitionsfraktionen. Denn derzeit laufen die Beratungen im Haushaltsausschuss, Mitte November soll in der sogenannten Bereinigungssitzung alles festgezurrt, Ende November im Bundestag abgestimmt werden.

Doch dafür müssten die Parlamentarier noch einige Milliarden auftreiben. In der Koalition wird nicht ausgeschlossen, dass der Termin verschoben und eventuell vor Jahresende gar kein Haushalt mehr beschlossen wird.

Was wird aus der Pflege?

Nach erheblichem Gerangel bis zur letzten Minute brachte das Kabinett gerade erste Sparpläne auf den Weg, um die Pflegeversicherung zumindest für den Start ins kommende Jahr finanziell zu stabilisieren. Doch allen ist klar: Eine viel grundlegendere Reform muss noch folgen, um die chronischen Finanznöte in den Griff zu bringen. Der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will nun zunächst eine Expertenkommission mit Vorschlägen dafür beauftragen.

Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) spricht vor dem Bundestag

Einigung zwischen Union und SPD: Nach wochenlangen Verhandlungen beschließt das Kabinett die Pflegereform. Was die Reform konkret vorsieht, analysiert ZDFheute live.

30.09.2026 | 30:03 min

Die große Frage ist, ob das die wieder aufgebrochenen schwarz-roten Konflikte überbrücken kann. So macht die SPD Druck dafür, die immer weiter steigenden Eigenanteile für die reine Pflege zu deckeln. Denn die Pflegeversicherung trägt anders als die Krankenversicherung nur einen Teil der Kosten. Erst einmal zügig im Parlament durchbringen müssen Union und SPD jetzt auch die finanzielle "Erste Hilfe", um den allgemeinen Pflegebeitrag 2027 stabil halten zu können.

Was ist mit der Rentenreform?

Die Union erwartet von Arbeitsministerin Bärbel Bas, dass sie nun schnell ihren Gesetzentwurf für die Reform vorlegt. Sie wird wegen eines Trauerfalls in der Familie aber in der Sitzung fehlen. Knackpunkt ist die Abschaffung der früheren Rente ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, die vor allem von der SPD-Wahlsiegerin in Mecklenburg-Vorpommern vehement gefordert wird.

Eine ältere Frau trägt eine grüne Winterjacke. Man sieht sie nur von hinten

Die Bevölkerung wird älter und die Einwohnerzahl insgesamt sinkt. Laut einer Studie werden 2045 wesentlich weniger Menschen im Erwerbstätigenalter sein.

06.10.2026 | 1:35 min

Es soll Härtefall- und Übergangsregelungen für Menschen geben, die besonders hart gearbeitet haben. Von deren Ausgestaltung wird abhängen, ob eine Einigung zwischen Union und SPD zu schaffen ist.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete die ZDFheute Xpress am 07.10.2026 um 9:43 Uhr im Beitrag "Koalition tagt erstmals nach Sommerpause".

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