Merz trifft Ministerpräsidenten:Nach den Wahlen: Wie steht es um die Reformen?
von Johannes Lieber
Trotz der jüngsten Wahlniederlagen will Kanzler Merz an Reformen festhalten. Heute trifft er sich mit den Ministerpräsidenten. Sind Änderungen an den Reformplänen zu erwarten?
Drei Wahlen und Personaldebatten setzen Union und SPD unter Druck. Wie reagiert die Bundesregierung: mit einem Weiter-so, oder weicht sie ihren bisherigen Reform-Kurs auf?
22.09.2026 | 2:48 minWenn sich Friedrich Merz heute mit den Ministerpräsidenten der Länder zum Mittagessen trifft, steht eigentlich der neue EU-Haushalt auf dem Programm. Der Kanzler will hier kürzen, was einigen Ländern nicht gefällt.
Spätestens zum Dessert dürfte es im Kanzleramt aber auch um ein weiteres Thema mit Konfliktpotenzial gehen: die Umsetzung der Sozialreformen.
Diverse Länderchefs haben hier zuletzt für Gegenwind gesorgt. Bereits vor den Wahlen im Frühjahr dieses Jahres wurden die Reformen komplett auf Eis gelegt - offenbar aus Angst vor den Wählern. Zuletzt im Wahlkampf in Ostdeutschland wurden sie dann wieder infrage gestellt.
Bei den Beratungen zum EU-Haushalt sitzt Bundeskanzler Merz Ministerpräsidenten gegenüber, welche "für seine politische Zukunft eine wichtige Rolle spielen", so ZDF-Korrespondentin Trams.
24.09.2026 | 1:21 minRente: SPD hat "große Vorbehalte"
Mit besonderer Spannung wird der Entwurf zur Rentenreform erwartet, der aktuell im Arbeitsministerium von Bärbel Bas (SPD) erarbeitet wird. Grundlage sollen die 33 Vorschläge der Rentenkommission sein, die kurz vor der Sommerpause präsentiert wurden.
Darunter: der Einstieg in die Aktienrente, ein höheres Renteneintrittsalter und die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ("Rente mit 63").
Der letzte Punkt ist aber aktuell umstritten. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf äußerte zuletzt "große Vorbehalte" bei diesem Punkt, Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) äußerte sich ähnlich.
Nach den drei jüngsten Wahlen hagelte es Kritik an CDU und SPD. Letztere stellt sich nun die Frage, ob die angekündigten Reformen der Partei helfen oder die Lage verschlimmern.
21.09.2026 | 2:53 minWeiterer Konflikt in Union zeichnet sich ab
Angestoßen hatten die Diskussion die drei ostdeutschen Ministerpräsidenten aus der CDU und die amtierende Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD). Sie befürchten Nachteile für die Menschen in den östlichen Ländern. Kritik kam von allen Seiten an den Plänen der Regierung.
So kündigte auch der Bundeskanzler zuletzt in Berlin an, sich die "Details" nochmal anzuschauen - "insbesondere beim Umgang mit Menschen, die 45 Jahre lang gearbeitet und Beiträge eingezahlt haben". Unions-Fraktionschef Thorsten Frei verwies dagegen darauf, dass sich die Regierung "in Gänze" hinter die Empfehlungen der Rentenkommission gestellt habe.
Die Union verliert die Berlin-Wahl, in Schwerin schafft sie es gar nicht erst ins Parlament. Ein Novum für die Partei. Wie reagiert sie und was macht der Kanzler?
21.09.2026 | 2:49 minJunge Union: Reformpaket nicht aufschnüren
Ähnlich dürften das die jungen Abgeordneten der Union sehen, die schon im vergangenen Jahr die Koalition in der Rentendebatte vor eine Zerreißprobe stellten. Damals knickten sie ein. Der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel (CDU), fordert jetzt, das Reformpaket nicht aufzuschnüren.
Noch heißt es: Warten auf den Gesetzentwurf der Arbeitsministerin. Doch die Diskussion wird damit höchstwahrscheinlich nur in die nächste Runde gehen.
Johannes Winkel von der Jungen Union fordert nach den Wahlen, gerade das Rentenpaket nicht aufzuschnüren: "Dann besteht die große Gefahr, dass das gesamte Paket nicht kommen kann."
22.09.2026 | 6:16 minNeuer Pflege-Vorstoß am kommenden Mittwoch
Bereits für kommenden Mittwoch ist ein anderer entscheidender Reformentwurf angekündigt. Der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will seine Pläne für eine Pflegereform vom Kabinett beschließen lassen.
Wer zum Beispiel die eigenen Eltern zu Hause pflegt, soll keine Kürzungen bei seiner eigenen Rente befürchten müssen. Pflegende Angehörige seien "die stillen Helden unserer Gesellschaft", so Linnemann im Bundestag. Die Finanzierung ist noch offen.
Die Pflegekassen stehen finanziell unter Druck. Nun soll gespart werden. Für pflegende Angehörige ist unklar, was die Reform für sie bedeutet.
31.08.2026 | 2:10 minGesetze unter Zeitdruck
Wo der Minister stattdessen sparen will, ist bisher nicht bekannt. Sicher ist aber: Das Ganze steht unter enormen Zeitdruck. Der kommende Mittwoch ist einer der letzten Termine, an denen Linnemann sein Gesetz einbringen kann. Bis Ende des Jahres muss es in Kraft treten, um empfindliche Beitragserhöhungen zu vermeiden.
Die SPD fordert, dass sich auch die privaten Pflegekassen beteiligen. Die Union lehnt das ab.
Das Gesetz ist aber nur eine Akuthilfe für das kommende Jahr. Größere Änderungen im System will Linnemann von einer Kommission entwickeln lassen - ähnlich wie bei der Rente oder dem Gesundheitssystem.
Die geplante Pflegereform der Bundesregierung sorgt für ordentlich Aufsehen. Gekürzte Leistungen und strengere Auflagen: ZDF-Korrespondentin Britta Spiekermann klärt über die Reformpläne auf.
05.06.2026 | 5:23 minGesundheit: Abschaffung der privaten Kassen?
Genau hier wird es bis Ende des Jahres ebenfalls weitere Entscheidungen geben. Die Finanzkommission Gesundheit erarbeitet aktuell Empfehlungen, wie das Gesundheitssystem strukturell verändert werden kann - unabhängig von einzelnen Sparmaßnahmen wie aktuell. Eventuell wird dann auch wieder über die privaten Krankenkassen gesprochen.
Zuletzt konnte man den Kanzler so verstehen, dass er möglicherweise offen wäre für eine Abschaffung der privaten Kassen. Viele Menschen würden hier ein "Gerechtigkeitsproblem" sehen, was er teile.
Ein Sprecher teilte später mit, dass der Kanzler "das System der Krankenversicherung nicht infrage gestellt" habe. Auch Unions-Fraktionschef Frei schloss hier eine Änderung aus. Ob sich daran etwas ändert, wird sich wohl aber erst im Frühjahr kommenden Jahres zeigen.
Johannes Lieber berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
Nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern:Wie reagiert die CDU auf die historische Pleite?
von Jörg Brase, Sue Odenthal und Maximilian HübnerVideo7:37SPD glaubt zu träumen:Private Krankenversicherung: Merz und die Gerechtigkeit
von Britta Spiekermannmit Video60:56- Analyse
Frontalangriff auf den Kanzler:Manuela Schwesig - die Schatten-Vorsitzende der SPD
von Dominik Rzepkamit Video2:30 Geplante Rentenreform:"Rente mit 63" vor dem Aus: Bas verspricht Vertrauensschutz
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