Rentenniveau, Eintrittsalter, Beiträge:Das sind die 33 Empfehlungen der Rentenkommission
von Wulf Schmiese
Die Rentenkommission hat Reformvorschläge erarbeitet - sie liegen dem ZDF vor. Was steht drin, was sind die wichtigsten Punkte? Ein Überblick.
Die geplante Abschaffung der Rente nach 45 Jahren stößt auf Kritik. Viele Bürger zeigen sich offen für längeres Arbeiten, erwarten aber klare und faire Regeln.
22.06.2026 | 2:50 minDie von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hat ihren Bericht erstellt. Er liegt dem ZDF exklusiv vor. Die 33 Empfehlungen (Link öffnet PDF) sind Kern des gesamten, 76 Seiten umfassenden Berichts. Sie sind dort eingebettet in erklärende Ausführungen.
Das ganze Konvolut baut aufeinander auf, die einzelnen Maßnahmen sollen einander verbinden. Die Kommission rät daher dringend dazu, die Empfehlungen nicht als Angebot zur Auswahl zu verstehen, sondern als zusammenhängendes Ganzes zur langfristigen Stabilisierung des deutschen Rentensystems.
Im Kern schlägt das Expertengremium unter dem Vorsitz von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda eine weitreichende Reform der Rente vor, die auf längerem Arbeiten, einer neuen Aktienkomponente und einer breiteren Basis von Beitragszahlern beruht.
"Wenn wir jetzt nichts machen, würde das Rentenniveau weiter absacken und Beiträge steigen", so Annika Klose, SPD, Sprecherin für Arbeit und Soziales, die sich für Strukturmaßnahmen bei der Rente ausspricht.
22.06.2026 | 5:30 minDie Empfehlungen lassen sich zu folgenden Hauptpunkten zusammenfassen:
Renteneintrittsalter und Lebensarbeitszeit
- Kopplung an die Lebenserwartung: Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll ab dem Jahr 2032 schrittweise angehoben werden. Ab 2041 soll es alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen. Dies bedeutet rechnerisch eine Rente mit 67,5 Jahren im Jahr 2041, mit 68 Jahren im Jahr 2051 und die Rente mit 70 Jahren in den 2090er-Jahren.
- Aus für die "Rente mit 63": Der frühere Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren soll abgeschafft werden, da er als zu teuer gilt und dem Fachkräftemangel entgegenwirke.
- Schutz für Härtefälle: Für Arbeitnehmer mit besonders belastenden Arbeitsbiografien oder gesundheitlichen Einschränkungen sollen neue Ausnahmeregelungen geschaffen werden.
Nach den Rentenreformvorschlägen reagieren die Regierungsparteien positiv. Es werde jedoch eine gemeinsame Kraftanstrengung, so ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese. Von der Opposition kommt Kritik.
21.06.2026 | 1:02 minEinführung einer verpflichtenden kapitalmarktgedeckten Zusatzrente
- Verpflichtende Kapitalsäule: Nach schwedischem Vorbild soll das Umlageverfahren durch eine verpflichtende, kapitalmarktgedeckte Zusatzrente für alle Beschäftigten eingeführt werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen nach stufenweiser Einführung zwei Prozent zu gleichen Teilen des Bruttolohns.
- Verwaltung per Fonds: Die Gelder sollen in einem staatlich gelenkten Fonds angelegt werden. Bis dieser Erträge abwirft, soll ein staatlicher Steuerzuschuss dafür sorgen, dass das Rentenniveau künftiger Generationen über dem heutigen Wert liegt.
Am Dienstag übergibt die Rentenkommission ihre Vorschläge an den Bundeskanzler und die Arbeitsministerin. Gut möglich, dass die eigentlichen Konflikte erst danach sichtbar werden.
21.06.2026 | 4:03 minErweiterung des Beitragszahlerkreises
- Einbeziehung von Selbstständigen und Politikern: Um die gesetzliche Rentenkasse kurz- und mittelfristig zu stabilisieren, sollen Abgeordnete sowie Selbstständige ohne berufsständische Absicherung verpflichtend einzahlen.
- Langfristige Einbindung von Beamten: Perspektivisch wird die Integration von Beamten vorgeschlagen. Akut wird empfohlen, dass Bund und Länder weniger Personal verbeamten und dies strikt auf rein hoheitliche Aufgaben begrenzen.
Weitere Maßnahmen
- Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors: Der Nachhaltigkeitsfaktor soll reaktiviert werden, um die Rentenentwicklung automatisch an das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern anzupassen.
- Einschränkung bei Minijobs: Beitragsfreie Minijobs sollen künftig regulär wegfallen und ausschließlich für Schülerinnen und Schüler möglich sein.
Am Dienstag wird der Bericht im Kanzleramt dem Bundeskanzler sowie der Bundesarbeitsministerin als der formalen Auftraggeberin übergeben.
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