Pläne durchgesickert:Rentenreform: Lob von SPD und CDU, viel Kritik aus Opposition
Die Rentenreform-Vorschläge stoßen in CDU und Teilen der SPD auf Zustimmung, während Opposition und Gewerkschaften Kritik üben. Streit gibt es um Rentenniveau und Eintrittsalter.
"Wenn wir jetzt nichts machen, würde das Rentenniveau weiter absacken und Beiträge steigen", so Annika Klose, Sprecherin der SPD für Arbeit und Soziales, die sich für Strukturmaßnahmen bei der Rente ausspricht.
22.06.2026 | 5:30 minDie Reformpläne der Rentenkommission sind bereits an die Öffentlichkeit durchgesickert. Annika Klose ist als SPD-Politikerin Teil der Kommission und bezeichnete die Pläne am Montag im ZDF-Morgenmagazin als positive Nachricht für jüngere Generationen.
Wir werden ein Maßnahmenpaket vorlegen, das es auch jüngeren Menschen ermöglicht, eine höhere Rente zu haben, als es aktuell der Fall ist. Also ein Rentenniveau, was auch wieder steigt.
Annika Klose, SPD
Die geplante Abschaffung der Rente nach 45 Jahren stößt auf Kritik. Viele Bürger zeigen sich offen für längeres Arbeiten, erwarten aber klare und faire Regeln.
22.06.2026 | 2:50 minKlose für Einbeziehung weiterer Beitragszahler-Gruppen
Die Maßnahmen könnten nicht jeden glücklich machen, sagte die Sprecherin der SPD-Fraktion für Arbeit und Soziales. "Ich würde mir wünschen, dass man sich trotzdem das Gesamtkonzept dann mal anschaut, wenn es morgen vorgelegt wird, und eben dann bewertet, ob es die Anforderung erfüllt, nämlich dass alle eine höhere Rente haben, als das im geltenden Recht der Fall wäre."
Klose sprach sich im Interview auch für die Einbeziehung weiterer Beitragszahler wie Beamte aus.
Juso-Chef für Kopplung von Renteneintritt und Beitragsjahren
Auch mehrere Stimmen aus der CDU lobten die durchgesickerten Reformpläne. Neben dem Vorsitzenden der Senioren-Union, Hubert Hüppe, und dem Vorsitzenden der Jungen Union, Johannes Winkel, unterstützte sie auch Gitta Connemann im ZDF-Morgenmagazin. Die parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium bezeichnete die Pläne als "Start nach vorne", das stimme sie "durchaus optimistisch".
"Wir brauchen einen Gesamtanlauf", so Gitta Connemann (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, zu den Reformplänen der Rentenkommission. Sie erachte die kapitalgedeckte Altersvorsorge als wichtig.
22.06.2026 | 6:13 minInnerhalb der SPD wurde jedoch auch Kritik laut: Juso-Chef Philipp Türmer bezeichnete etwa die Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung als ungerecht. Der Funke Mediengruppe sagte er:
Wer mit 18 oder 19 auf dem Bau anfängt oder in der Pflege schuftet, arbeitet somit länger, doch lebt statistisch deutlich kürzer.
Philipp Türmer, Juso-Chef
Das sei das Gegenteil von gerecht. Eine Kopplung des Renteneintritts an die Beitragsjahre sei die gerechtere Option, sagte Türmer.
Am Dienstag übergibt die Rentenkommission ihre Vorschläge an den Bundeskanzler und die Arbeitsministerin. Gut möglich, dass die eigentlichen Konflikte erst danach sichtbar werden.
21.06.2026 | 4:03 minOppositionsfraktionen üben Kritik
Auch die Oppositionsfraktionen von Grünen, Linken und AfD kritisierten die Vorschläge. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann wertete es als "Fehler, das Rentenniveau nicht bei 48 Prozent zu stabilisieren". Sehr viele Menschen seien im Alter allein auf die gesetzliche Rente angewiesen, sagte Haßelmann. "Sie alle haben dann keine Sicherheit." Positiv bewertete es Haßelmann, dass die Kommission eine Stärkung der Kapitaldeckung bei der Rente und eine weitgehende Abschaffung der so genannten Rente mit 63 vorschlägt.
Durchweg negativ bewertete die Linke den Entwurf. Der neue Linken-Chef Luigi Pantisano kündigte entschiedenen Widerstand an. Mit dem Kürzungsprogramm werde die Kommission "Friedrich Merz' feuchten Träumen gerecht: noch länger arbeiten, noch mehr arbeiten", sagte er in Potsdam.
Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, René Springer, wies auf "brauchbare Vorschläge" in dem Kommissionsentwurf hin - etwa, Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Generell liefen die Empfehlungen aber darauf hinaus, dass Menschen "länger arbeiten und höhere Beiträge zahlen" müssten, kritisierte er.
Nach den Rentenreformvorschlägen reagieren die Regierungsparteien positiv. Es werde jedoch eine gemeinsame Kraftanstrengung, so ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese. Von der Opposition kommt Kritik.
21.06.2026 | 1:02 minOffiziell sollen Ergebnisse am Dienstag vorgestellt werden
Scharfe Kritik übte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Die Vorschläge der Alterssicherungskommission eignen sich in weiten Teilen nicht dazu, einfach umgesetzt zu werden, wie das im Vorfeld von Mitgliedern der Bundesregierung angekündigt wurde", erklärte Verdi-Chef Frank Werneke. So wäre etwa die Abschaffung der so genannten Rente mit 63 "eine völlige Missachtung der Lebensleistung der betroffenen Menschen".
Offiziell will die Kommission ihre Vorschläge am Dienstag vorstellen. Dem ZDF liegen die 33 Einzelvorschläge bereits vor. Demnach sollen die als "Rente mit 63" bekannte Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren und die von Rentenbeiträgen befreiten Minijobs abgeschafft werden. Außerdem sollen mehr Menschen als bislang in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, etwa Selbstständige, Beamte und Abgeordnete. Zudem empfiehlt die Kommission eine kapitalgedeckte Zusatzrente, die das Rentenniveau mindestens sichern soll.
Differenziert wird das Thema Renteneintrittsalter behandelt: Eine pauschale Anhebung auf 70 Jahre empfiehlt der Bericht nicht, vielmehr soll das Eintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden.
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