Die Unterschiede zum Westen:"Rente mit 63" im Osten: Zahlen und Fakten
Ostdeutsche Ministerpräsidenten warnen vor der Abschaffung der "Rente mit 63". Warum die Frühverrentung dort mehr Menschen trifft und was die Statistiken noch enthüllen.
Die Diskussionen um die Rentenreform nehmen kein Ende. In der Union gibt es internen Zwist über die Abschaffung der Rente mit 63, aus drei ostdeutschen Bundesländern regt sich Widerstand.
03.08.2026 | 1:58 minDie abschlagsfreie Frührente für besonders langjährig Versicherte erfreut sich großer Beliebtheit, seit sie im Juli 2014 eingeführt wurde. Im Jahr 2024 gab es in Deutschland mehr als 2,6 Millionen Rentnerinnen und Rentner, die auf diesem Weg schon vor Erreichen des eigentlichen Renteneintrittsalters ihren Ruhestand angetreten haben. Im Zuge der Rentenreform soll diese "Rente mit 63" abgeschafft werden.
Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten lehnen dies ab mit der Argument, dass eine solche Abschaffung die Menschen mit ostdeutschen Erwerbsbiografien besonders hart treffen würde - dazu einige Zahlen und Fakten:
Was macht die Besonderheit der Erwerbsbiografien im Osten aus?
Die Erwerbsbiografien der Rentner in Ostdeutschland sind immer noch stark von den besonderen Bedingungen der DDR geprägt - wobei sich zwei sehr gegensätzliche Entwicklungen auf die Rente auswirken.
Zum einen trugen die Erfahrungen von Massenarbeitslosigkeit und der Trend zu Teilzeitbeschäftigungen nach dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft dazu bei, dass die Ost-Renten im Schnitt niedriger sind als die im Westen.
Zum anderen aber führten insbesondere der frühere Arbeitsbeginn in der DDR und die stärkere Beschäftigung von Frauen dazu, dass es im Osten auch viele fast lückenlose Vollzeit-Erwerbsbiografien gibt - und Ostdeutsche deutlich häufiger jene 45 Beitragsjahre erreichen, die für den vorzeitigen abschlagsfreien Renteneintritt erforderlich sind.
Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente stößt in Ostdeutschland auf Widerstand. Es würde vor allem Männer und Frauen betreffen, die "am meisten eingezahlt hätten", so Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).
03.08.2026 | 5:05 minWas genau sagt die Statistik?
Im Jahr 2024, für das die aktuellsten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) vorliegen, sind bundesweit rund 1,1 Millionen Menschen in Rente gegangen. Von diesen Neu-Rentnern konnten knapp 270.000 - oder 24,2 Prozent - vom vorzeitigen Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren profitieren. Im Osten waren es mit 27,4 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt, im Westen mit 23,5 Prozent weniger. Dies geht aus den jährlich aktualisierten Zeitreihen der DRV hervor.
Der Anteil der Menschen im Osten, die von der abschlagsfreien Frührente profitieren, geht allerdings seit Jahren kontinuierlich zurück. Im Jahr 2019 profitierte davon noch jeder dritte Neu-Rentner (34,4 Prozent), im Jahr 2022 waren es noch 29,8 Prozent. In der Entwicklung spiegelt sich die Angleichung der Erwerbsbiografien zwischen Ost und West wider.
Wer nach 45 Beitragsjahren vorzeitig in Rente geht, bekommt aufgrund der durch Einzahlungen erworbenen Ansprüche deutlich mehr Geld als der Durchschnitt der Rentner - 1.630 Euro im Monat waren es im Bundesschnitt für die Neurentner im Jahr 2024. Die Durchschnittsrente für alle, die in diesem Jahr mit gesetzlicher Altersrente in den Ruhestand gingen, lag bei 1.137 Euro. Diese Tendenz zeigte sich in Ost- wie Westdeutschland.
Mit Blick auf die aktuell geplante Rentenreform zeigt sich Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) im ZDF-Sommerinterview teilweise offen für Diskussionen.
02.08.2026 | 0:50 minWelche Unterschiede gibt es sonst noch bei der "Rente mit 63"?
Bundesweit gilt: Von der abschlagsfreien Frührente profitieren Männer viel stärker als Frauen - weil Männer häufiger auf eine lückenlose Erwerbsbiografie vorweisen können. Der Mann-Frau-Gegensatz ist bei der "Rente mit 63" deutlicher ausgeprägt als der Ost-West-Gegensatz.
Die aktuellsten Zahlen: Von den Männern, die 2024 in Rente gingen, machten bundesweit 28,1 Prozent von der abschlagsfreien Frührente Gebrauch; bei den Frauen waren es bundesweit nur 20,8 Prozent. Am stärksten profitierten Männer in Ostdeutschland von dieser Möglichkeit (30,3 Prozent), am wenigsten Frauen in Westdeutschland (19,8 Prozent).
Die Bundesregierung fördert ab 2027 private Altersvorsorge mit Zuschüssen zu einem Wertpapierdepot. Das könnte helfen, Rentenlücken zu schließen.
20.07.2026 | 0:40 minWelche Rolle spielen weitere Altersbezüge neben der gesetzlichen Rente?
Die gesetzliche Rente ist im Osten viel wichtiger als im Westen, weswegen Menschen im Osten von der geplanten Reform stärker betroffen sind. Im Osten stammen 90 Prozent aller Leistungen, die aus den Alterssicherungssystemen an Rentner ausgezahlt werden, aus der gesetzlichen Rente, im Westen sind es nur 64 Prozent: Dies geht aus dem 2024 veröffentlichten Alterssicherungsbericht der Bundesregierung hervor.
Im Osten beziehen demnach 74 Prozent der Menschen ab 65 Jahren ihre eigene Alterssicherungsleistung ausschließlich aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Westen sind es 47 Prozent. Dort spielen Betriebsrenten, Beamtenversorgung und andere Sicherungssysteme eine viel größere Rolle.
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