Abschlagsfreie Frührente:Rente mit 63: CDU-Spitzen halten an Abschaffung fest
Die CDU-Führung will an der Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren festhalten. CDU-Fraktionschef Thorsten Frei nennt die Vorschläge ein "Gesamtkunstwerk".
Mehrere CDU-Ministerpräsidenten aus Ostdeutschland kritisieren in einem Brandbrief an Bundeskanzler Merz die geplanten Sozialreformen.
30.07.2026 | 1:44 minIm parteiinternen Streit um die Abschaffung der "Rente mit 63" stellt die CDU-Führung ihren Kurs klar. Unionsfraktionschef Thorsten Frei und die neue Generalsekretärin Franziska Hoppermann machten deutlich, dass die CDU an der Abschaffung der abschlagsfreien Frührente ("Rente mit 63") als Teil eines Reformpakets bei der Rente festhält.
Die Reform ist als ausgewogenes Gesamtpaket angelegt.
Franziska Hoppermann, CDU-Generalsekretärin
Wer einzelne, politische Punkte wie die "Rente mit 63" herauslöse, gefährde die Tragfähigkeit des Kompromisses. "Das muss richtungsweisend für beide Koalitionspartner sein. Unser Ziel bleibt eine verlässliche Rente, die Lebensleistung anerkennt und zugleich auch für die jüngeren Generationen finanzierbar ist."
Frei bestätigt Reformwillen der Koalition
Frei sagte mit Blick auf die Vorschläge der Rentenkommission gegenüber der "Bild-Zeitung":
Wir haben uns in der Koalition darauf verständigt, dass wir dieses Gesamtkunstwerk, das es ist, auch in seinen Grundzügen so umsetzen möchten. Und dazu stehe ich auch ganz persönlich.
Thorsten Frei, Unionsfraktionschef
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten bekundet, alle Empfehlungen der Rentenkommission vollständig umsetzen zu wollen. Auch Bas hatte von einem "Gesamtkunstwerk" gesprochen.
Die Kommission plant zudem einen am Kapitalmarkt angelegten Zusatzbetrag, um das Rentenniveau langfristig zu sichern. Das Echo bei Arbeitnehmern ist geteilt.
23.06.2026 | 2:15 minOstdeutsche Regierungschefs gegen Abschaffung
Doch hatten sich zuletzt die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) offen gegen die Empfehlung der Kommission gestellt. In einem Brief an die Bundesregierung verteidigten sie die "Rente mit 63". "Wer 45 Jahre eingezahlt hat, hat genug eingezahlt. Diesen Grundsatz geben wir nicht auf", heißt es darin.
Auch Junge Union mahnt
Die Junge Union warnt vor einem "leichtfertigen Spiel" mit den schwarz-roten Rentenreformplänen. "Bei allem Verständnis für Wahlkampf- und Parteiprofilierung: Bitte bleibt verantwortungsvoll und seriös", sagte ihr Vorsitzender, der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Winkel, dem "Tagesspiegel": "Mit der Zukunft und der erzielten Renteneinigung sollte man nicht so leichtfertig spielen."
Einige der Kommissionsvorschläge zur Rentenreform betreffen vor allem jüngere Menschen. Viele junge Arbeitnehmer sind sich jetzt bereits sicher, dass die Rente allein nicht zum Leben reichen wird.
23.06.2026 | 1:26 minSPD verlangt Klärung von CDU
Vor den Äußerungen der CDU-Führungsebene hatte SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf die Partei aufgefordert, ihre Position zu klären. "Ich frage mich, wo die CDU in der Debatte über die "Rente mit 63" nun genau steht", sagt er der "Bild"-Zeitung. Deren Abschaffung sei immer eine zentrale Forderung der CDU gewesen. Und mit Blick auf die Kritik der Ministerpräsidenten:
Wenn die CDU ihre Position in dieser wichtigen Frage jetzt ändert und sich unserer Sicht annähert, wäre das ein richtiges Signal.
Tim Klüssendorf, SPD-Generalsekretär
Klüssendorf sagte, die SPD habe die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren eingeführt: "Menschen, die sehr lange gearbeitet und ihre Beiträge gezahlt haben, sollten die Möglichkeit haben, früher abschlagsfrei in Rente zu gehen. Das ist kein Geschenk und keine Sonderbehandlung. Sie haben sich das verdient."
Auf die Rente mit 63 zu verzichten, sei für die SPD nicht einfach, aber die Kommission habe gute Vorschläge für die nächsten Generationen gemacht, so Bundesarbeitsministerin Bas.
23.06.2026 | 7:11 minVorschlag der Rentenkommission
Im Bericht der Experten-Kommission heißt es, vom abschlagsfreien früheren Rentenzugang profitierten vor allem Besserverdienende, Gesündere und Männer. "Die Abschlagsfreiheit führt faktisch zu höheren Renten zu Lasten der Versichertengemeinschaft."
Würden alle Versicherten ihren Renteneintritt um ein Jahr aufschieben, ergäben sich Einsparungen für die Rentenversicherung von rund 6,5 Milliarden Euro pro Rentenzugangsjahrgang. Zudem sei mit zusätzlichen Beitragseinnahmen zu rechnen, da zumindest ein Teil der Betroffenen den Renteneintritt aufschiebe, dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung stehe und länger erwerbstätig sein dürfte.
Die Rentenkommission hat ihre Vorschläge vorgelegt. Bundeskanzler Merz und Arbeitsministerin Bas kündigten eine vollständige und zügige Umsetzung der Empfehlungen an.
23.06.2026 | 2:44 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Mehr zu den reformen der Koalition
Nachrichten | heute journal:"Neue Gesellschaftsmelodie" für Deutschland
Video3:48- Exklusiv
ZDF-Politbarometer:Klare Mehrheit sieht Reformen der Bundesregierung kritisch
mit Video6:02 Nachrichten | ZDF spezial:Großer Wurf? Rentenreform soll kommen
Video17:09Nachrichten | ZDF spezial:Rente ab 63 „teurer Luxus“
Video2:36