Schwesig gegen Aus von "Rente mit 63": Osten wäre stark betroffen

Interview

Schwesig im ZDF-Morgenmagazin:Aus von "Rente mit 63": Osten wäre "stark betroffen"

|

Manuela Schwesig stellt sich gegen das geplante Aus der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Vor allem Menschen in Ostdeutschland wären von der Neuregelung betroffen.

rente-reform-ostdeuschland-

Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente stößt in Ostdeutschland auf Widerstand. Es würde vor allem Männer und Frauen betreffen, die "am meisten eingezahlt hätten", so Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

03.08.2026 | 5:05 min

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) lehnt die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren ab. Im ZDF-Morgenmagazin machte sie deutlich, dass ihr Bundesland im Bundesrat nicht zustimmen werde, sollte der Vorschlag in dieser Form kommen.

Schwesig sprach sich für den Erhalt der bisherigen Regelung aus: Menschen, die 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hätten, dürften nicht bestraft werden. Der Osten wäre davon angesichts der dort typischen Erwerbsbiografie "sehr stark" betroffen.

Mein Eindruck ist, dass sich die Rentenkommission nicht konkret auch mit der besonderen ostdeutschen Biografie beschäftigt hat.

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern

rente-debatte-sommerinterview-

Im ZDF-Sommerinterview fordert Arbeitsministerin Bärbel Bas die Union auf, ihre Position zur abschlagsfreien Früh-Rente klar zu benennen. Die Debatte um die „Rente mit 63“ gewinnt erneut an Dynamik.

03.08.2026 | 2:32 min

Ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten kritisieren geplantes Aus

Viele Menschen im Osten hätten mit 16 Jahren zu arbeiten begonnen und kämen so - anders als andere Berufsgruppen - bereits mit 61 Jahren auf 45 Beitragsjahre, müssten aber trotzdem bis fast 65 weiterarbeiten, wenn die Regelung fiele. Gerade von Frauen erhalte sie viele Schreiben zur Abschaffung dieser sogenannten Rente mit 63 (aktueller Jahrgang: mit 64,5 Jahren). 

Wenn man jetzt ausgerechnet diejenigen bestrafen will, die am längsten arbeiten und am längsten einzahlen, frage ich: Was ist das für ein Leistungsanreiz?

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern

Seit einigen Tagen wird nach einem Vorstoß der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen im Lager der schwarz-roten Regierungskoalition darüber debattiert, an der "Rente mit 63" doch festzuhalten, obwohl deren Abschaffung zu den Vorschlägen der Regierungskommission zur Alterssicherung gehört. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten angekündigt, das Paket in Gänze umzusetzen.

Die abschlagsfreie Rente können derzeit Menschen in Anspruch nehmen, die mindestens 45 Versicherungsjahre nachweisen können. Dies galt ursprünglich ab einer Altersgrenze von 63 Jahren, diese steigt jedoch schrittweise auf 65 Jahre an. Für den Geburtsjahrgang 1961 beträgt der Grenzwert 64,5 Jahre.

Quelle: AFP


Mirko Drotschmann vor grauem Hintergrund, links ein Schaubild eines Jungen, der auf einem angedeuteten Zeitstrahl zu einem alten Mann wird, daneben die Zahl 70.

Länger arbeiten, mehr Einzahler und Beiträge in Fonds anlegen - das Rentenreformpaket sieht einige Neuerungen vor. MrWissen2go Mirko Drotschmann sieht sich die Pläne genauer an.

02.07.2026 | 10:52 min

Bas sagte am Wochenende im ZDF-Sommerinterview, sie sei bereit, über alles zu reden, wenn die Unionsparteien ihre Position geklärt haben. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) indes warnte in der ARD davor, das ganze Rentenpaket aufzuschnüren.

Fratzscher: Abschaffung von "Rente mit 63" unverzichtbar

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die geplante Abschaffung der "Rente mit 63" für unverzichtbar. Der Verzicht auf die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren sei finanziell das wichtigste Element der geplanten Rentenreform. "Ohne dieses Element ist die Rentenreform tot", sagte Fratzscher der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Aus Sicht des Wirtschaftsforschers würde der Verzicht auf die Abschaffung der "Rente mit 63" in Zukunft zu einer noch stärkeren Umverteilung von Jung zu Alt und auch von Arm zu Reich führen. "Denn von der 'Rente mit 63' profitieren deutlich häufiger Besserverdienende und Männer und deutlich seltener Menschen, die von Altersarmut bedroht sind", sagte er.

Wichtiger Hinweis in eigener Sache

Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.

Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.

→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen


Quelle: ZDF, epd, dpa
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 03.08.2026 ab 05:30 Uhr.

Mehr zur Rentendebatte

  1. Ein Senior arbeitet in seiner Elektronik-Werkstatt im Home-Office.

    Abschlagsfreie Frührente soll wegfallen:"Rente mit 63": SPD-Politiker fordern längere Übergangsfrist

    mit Video4:03

  2. Fliesenleger bei der Arbeit in einem Bad.

  3. Eine Frau bedient ein Tablet. Dahinter eine Grafik.
    Grafiken

    Kindergeld, Elterngeld, Bürgergeld:So stark steigt die Rente im Vergleich zu anderen Leistungen

    von Luisa Billmayer
    mit Video75:44

  4. Münzen auf Unterlagen der Deutschen Rentenversicherung.
    Analyse

    Vor den Beratungen im Parlament:Ist die Rente doch noch reformierbar?

    von Andreas Kynast
    mit Video2:15