Staatlich geförderte ETF-Anlagen:Altersvorsorgedepot ersetzt Riester: Was anders werden soll
von Frank Bethmann
2027 kommt das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot. Doch viele Menschen sind nach Riester verunsichert. Was in dem neuen Vorsorgeplan steckt und wie er sich lohnen kann.
Die Bundesregierung fördert ab 2027 private Altersvorsorge mit Zuschüssen zu einem Wertpapierdepot. Das könnte helfen, Rentenlücken zu schließen.
20.07.2026 | 0:40 minDas Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, das ab 2027 startet und wie ein ETF-Depot für die Rente funktioniert: Man zahlt einen bestimmten Betrag auf ein dafür vorgesehenes Konto ein, investiert am Kapitalmarkt und erhält dafür Zuschüsse und Steuervorteile. Im Gegenzug ist das Geld bis zum Rentenalter gebunden und wird später als zusätzliche Rente oder über Auszahlungspläne wieder ausgezahlt.
Altersvorsorgedepot: Wie funktioniert die Förderung?
Wer die staatliche Förderung nutzen möchte, eröffnet ein spezielles Altersvorsorgedepot bei einer Bank, Sparkasse oder einem Online-Broker, die dieses Produkt künftig anbieten. Dort zahlt man seine Beiträge ein.
Das Geld wird in die dafür zugelassenen Wertpapiere investiert. Die staatlichen Zulagen werden ebenfalls auf das Depot überwiesen und gemeinsam mit den eigenen Einzahlungen angelegt.
Viele fragen sich, wie sie fürs Alter sinnvoll vorsorgen können. Welche Modelle wirklich tragen und wie man die eigene Rente realistisch plant, erklärt ZDF‑Finanzexpertin Sina Mainitz.
16.06.2026 | 6:45 minWie viel Förderung ist möglich?
Bis zu 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr werden mit 50 Prozent bezuschusst - maximal 180 Euro. Für weitere Einzahlungen zwischen 360 und 1.800 Euro gibt es zusätzlich 25 Prozent Förderung.
Zahlt man 1.800 Euro im Jahr ein, können also 540 Euro Förderung dazukommen. Im Depot landen dann 2.340 Euro.
Darüber hinaus gibt es eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr. Sie wird, wenn man anspruchsberechtigt ist, dem Altersvorsorgedepot gutgeschrieben und automatisch mitinvestiert.
In der Ansparphase sind Umschichtungen, also der Verkauf und Kauf von ETF sowie Erträge steuerfrei. Besteuert wird vor allem später, wenn das Geld tatsächlich ausgezahlt wird.
Die Tokenisierung von großen Vermögenswerten macht das Investieren auch für Kleinanleger interessant.
13.07.2026 | 0:45 minProduktvarianten des Altersvorsorgedepots
Es gibt im Kern drei Typen:
- Das ETF-Depot ohne Garantie setzt stark auf Aktien-ETFs und ist für Menschen mit langem Anlagehorizont gedacht, die Kursschwankungen aushalten können.
- Depots mit Beitragsgarantie arbeiten defensiver: Mehr Anleihen, mehr Sicherheit, dafür geringere Renditechancen - sinnvoll bei kürzerem Weg bis zur Rente oder sehr hoher Sicherheitsorientierung.
- Das Standarddepot ist eine Voreinstellung für alle, die sich nicht kümmern wollen: Die Anlage wird automatisch mit dem Alter defensiver ("Lebenszyklus-Prinzip"), ohne dass man selbst ständig umschichten muss.
Die Koalition hat eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. ZDF-Börsenexperte Frank Bethman erklärt, was die Riester-Rente ab 2027 ersetzen soll.
27.03.2026 | 1:10 minPrivate Altersvorsorge ist wichtiger Baustein
Das Altersvorsorgedepot soll gezielt Rentenlücken schließen. Es bietet eine staatlich geförderte Möglichkeit, die eigene Rente kapitalmarktbasiert aufzustocken, mit teils erheblichen Zuschüssen, vor allem für Familien.
Zweitens verlagert sich die Altersvorsorge politisch weg von teuren Beitragsgarantien hin zu möglichst renditestarken Anlagen. Wer diese Chance früh nutzt, soll über Jahrzehnte von Zins- und Zinseszinseffekten profitieren können.
Auch die junge Generation sorgt sich um die Rente. Um für die Zukunft vorzusorgen, investieren einige junge Arbeitnehmer bereits zusätzlich in Aktien.
23.06.2026 | 1:29 minHistorisch konnte man, wenn man über Jahrzehnte weltweit gestreut in Aktien oder entsprechenden Fonds investiert hat, im Durchschnitt Renditen von etwa sechs bis acht Prozent erzielen, nach Inflation etwa zwischen vier und sechs Prozent. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.
"Das Altersvorsorgedepot hat das Potenzial, die private Altersvorsorge in Deutschland deutlich zu verbessern", sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. Sulilatu weiß aber auch um die Skepsis: Für viele Menschen sei staatlich geförderte Altersvorsorge immer noch verbunden mit dem Riester-Frust.
Entscheidend wird deshalb sein, dass das Altersvorsorgedepot einfach, kostengünstig und langfristig verlässlich ausgestaltet wird.
Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip
Die Riester-Rente wurde 2002 unter dem damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester eingeführt. Sie sollte die gesetzliche Rente ergänzen und Bürger mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen zum privaten Sparen motivieren.
In den vergangenen Jahren geriet das Modell jedoch zunehmend in die Kritik: Viele Verträge galten als zu kompliziert, zu teuer und wegen der vorgeschriebenen Beitragsgarantie als renditeschwach.
Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung wurde bislang rund jeder vierte der mehr als 20 Millionen Riester-Verträge vorzeitig gekündigt. Außerdem werden nach Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) bis zu einem Viertel aller Verträge nicht mehr bespart.
Altersvorsorgedepot: Eine Lösung für alle?
Nicht für jeden dürfte das Altersvorsorgedepot die beste Lösung sein. Wer kurz vor dem Ruhestand steht, hat weniger Zeit, Kursschwankungen auszusitzen. Verbraucherschützer weisen zudem darauf hin, dass höhere Renditechancen immer auch mit höheren Risiken verbunden sind. Kritiker bemängeln außerdem, dass Menschen mit geringem Einkommen oft gar nicht genug Geld haben, um die Förderung optimal auszuschöpfen.
Entscheidend wird deshalb sein, dass Sparer ein Produkt wählen, das zu ihrem Alter, ihrer Risikobereitschaft und ihrer finanziellen Situation passt - und dass man sich frühzeitig mit dem Thema beschäftigt, um besser und fundierter entscheiden zu können.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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