Nach gestoppter 1.000-Euro-Prämie:Energiepreiskrise: Koalition erwägt neue Entlastungen
Nach dem Bundesrats-Nein zur Entlastungsprämie sucht Schwarz-Rot Alternativen, um Bürger bei steigenden Energiepreisen zu unterstützen. Am Dienstag soll darüber beraten werden.
Die Entlastungsprämie für Arbeitnehmer in Höhe von bis zu 1.000 Euro steht auf der Kippe. Der Bundesrat stimmte dem vom Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf überraschend nicht zu.
08.05.2026 | 2:49 minBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die schwarz-rote Koalition suchen nach dem vorläufigen Aus für die 1.000-Euro-Entlastungsprämie nach neuen Wegen, um gestiegene Belastungen durch die Energiepreiskrise abzufedern.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Stockholm sagte Bundeskanzler Friedrich Merz auf die Frage, ob die Entlastungsprämie nach dem vorläufigen Stopp durch die Länderkammer gestorben sei oder er ein Vermittlungsverfahren anstrebe und wie Bürgerinnen und Bürger alternativ entlastet werden könnten:
Wir werden in der Koalition darüber diskutieren, was wir noch tun können.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
Koalitionsausschuss am Dienstag
Konkreter wurde Merz nicht. Der Blick richtet sich nun auf den für Dienstag geplanten Koalitionsausschuss, in dem die Spitzen der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD über das weitere Vorgehen und anstehende Projekte beraten.
Der Bundesrat hat den Gesetzesentwurf zur Entlastungsprämie überraschend abgelehnt. ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese berichtet.
08.05.2026 | 1:25 minDas Treffen bietet nach den Worten von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Möglichkeit zu beraten, wie es weitergeht. "Meine Hand bleibt da ausgestreckt", sagte der SPD-Chef bei einem Besuch im kanadischen Toronto.
Das Ziel muss doch sein, dass man sich jetzt nicht im Klein-Klein zerlegt, sondern dass man jetzt schnell an die Bürgerinnen und Bürger ein Signal sendet: Wir wollen euch unterstützen.
Lars Klingbeil, SPD-Chef und Finanzminister
Zusammen müssten Lösungen gefunden werden - "mit den Ländern, mit den Arbeitgebern, mit den Gewerkschaften".
Kritik an Prämie von vielen Seiten
Der SPD-Wirtschaftsexperte Sebastian Roloff hält die gestoppte Entlastungsprämie für Beschäftigte weiter für sinnvoll, aber nicht für ausreichend. Sie könne Teil einer Paketlösung sein. Als mögliche weitere Schritte zur Entlastung nannte Roloff eine erhöhte Pendlerpauschale für 2026, eine Senkung der Stromsteuer für alle oder Direktauszahlungen über die Kfz- oder Einkommensteuer.
Vorgesehen war, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten bis 30. Juni 2027 freiwillig bis zu 1.000 Euro steuerfrei als Entlastung zahlen können. Die Zahlung sollten sie als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen können, somit wäre der Staat zumindest zum Teil an der Prämie beteiligt.
Bundesrat stoppte Prämie
Der Bundesrat hatte das Vorhaben gestoppt, nur vier von 16 Ländern hatte zugestimmt. Die Länder waren mit der Gegenfinanzierung nicht einverstanden. Zudem hatte es viel Kritik aus der Wirtschaft an der Prämie gegeben.
Der Steuerzahlerbund forderte die Bundesregierung auf, die Pläne dazu endgültig fallen zu lassen. "Der Krisenbonus sollte einkassiert werden - die meisten Betriebe könnten ihn ohnehin nicht auszahlen", sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
„Das kann man Verträge zu Lasten Dritter nennen und so können wir nicht zusammenarbeiten“, so Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, zur Entlastungsprämie.
08.05.2026 | 4:26 minGroße Lösung Steuerreform?
Möglicherweise könnte eine Lösung aber komplett anders aussehen als mit der Prämie geplant. Beim Koalitionsausschuss am Dienstag könnte über Klingbeils Pläne bei der Einkommensteuer beraten werden. Zum 1. Januar 2027 soll eine Einkommensteuer-Reform in Kraft treten und kleine und mittlere Einkommen dauerhaft entlasten. Nach Meinung des Finanzministers funktioniert das aber nur, wenn Spitzenverdiener dafür mehr tragen. Denn die Reform müsse "haushaltsschonend" gemacht werden.
Merz und CSU-Chef Markus Söder hatten eine Erhöhung der sogenannten Reichensteuer zuletzt nicht ausgeschlossen. Söder bekräftigte seine Bereitschaft zu möglichen Erhöhungen bei sehr hohen Einkommen ab 300.000 Euro in der "Welt am Sonntag".
Söder: "Keine Lust auf Verlieren"
Der bayerische Ministerpräsident rief die schwarz-rote Koalition zur Zusammenarbeit auf und warnte vor einem Scheitern. Auf die Frage, wie lange die Koalition halten werde, sagte Söder:
Die Koalition hat einen Auftrag für vier Jahre bekommen. Ich hoffe sehr, dass sie ihn erfüllt. Alles andere wäre ein fatales Signal. Eine demokratisch gewählte Regierung darf nicht zum zweiten Mal nacheinander scheitern.
Markus Söder, CSU-Chef
2024 war die Ampel-Koalition nach internem Streit zerbrochen.
Koalition durch Umfragen unter Druck
Die schwarz-rote Bundesregierung ist rund um den Jahrestag ihres Antritts im Mai 2025 wegen internen Streits und schlechter Umfragewerte zunehmend unter Druck geraten. Die AfD kann in Umfragen ihren Abstand zur Union ausbauen.
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